Die Barnimer Kreisstadt ist um eine grüne Attraktion reicher: An der Frontseite des im Bau befindlichen Ärztehauses in der Weinbergstraße wachsen sechs Bäume horizontal in den Raum. Dabei drehen sich Lorbeer und Wacholder mit einer Geschwindigkeit von 0,2 bis 0,9 Umdrehungen pro Sekunde um ihre eigene Achse. „Die Bäume nehmen so die Schwerkraft von allen Seiten wahr und nutzen das Licht optimal aus, da die Eigenbeschattung wegfällt“, sagt Apotheker Thomas Reygers, der rund 4,5 Millionen Euro in das Ärztehaus investiert, das Anfang kommenden Jahres eingeweiht werden soll. Die waagerecht an der Fassade angebrachten Bäume sind eine Idee des Startups Visioverdis mit Sitz in Stuttgart, das sein ungewöhnliches Projekt GraviPlants genannt hat.

Botanisches Potential für den urbanen Raum

„Mich hat einfach die Idee fasziniert, Stadtgrün auch auf wenig Raum eine Chance zu geben“, sagt Thomas Reygers.
Die horizontalen Bäume werden über ein automatisches Bewässerungssystem versorgt. Visioverdis kombiniert Pflanzen und Technik, um das botanische Potential für den urbanen Raum zu erschließen.
Das Ärztehaus wird fünf Praxen enthalten. Auf der obereren Ebene sind zudem 35 Dauerstellplätze vorgesehen, unten ist Platz für 50 Fahrzeuge.

Wie Visioverde das Projekt GraviPlants erklärt


Die verwendeten Pflanzenarten wurden mehrerer Jahre mit normal vertikal wachsende verglichen: Sie entwickeln sich besser als die Bodenkollegen. Dies liegt vermutlich daran, dass sie optimal über Bodenfeuchtsensoren mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden und keiner Raumkonkurrenz durch andere Pflanzen ausgesetzt sind. Das Versorgungssystem lässt sich manuell vor Ort oder von Ferne über das Internet steuern.

Fassadenbegrünung hat gerade in urbanen Ballungsräumen mehrere positive klimatische Effekte: Die eingesetzten Pflanzen erhöhen die Sauerstoff-Produktion und binden Feinstaub, Stickoxide und Kohlendioxid. Darüber hinaus kann vertikales Grün durch seine Mehrschichtigkeit eine hohe Biomasse und Biodiversität auf engem Raum ermöglichen, und leistet so einen wertvollen Beitrag zur Gebäudekühlung, Schalldämmung sowie zur individual-ästhetischen Gestaltung von Fassadenflächen. Vertikale Flächen haben den Vorteil, dass sie Raum nutzen, der nicht für Parkplätze, Fahrradwege, Parkbänke, Spielplätze und co. verwendet werden kann.