Stadtgrün: Tricks gegen extreme Trockenheit

Wasser marsch! Falko Leuschner gießt in der Grünanlage an der Heegermühler Straße 16 a/b eine Blutpflaume. Das Foto stammt vom Juli 2018. Im Sommer vorigen Jahres haben Bauhof und Feuerwehr etwa 1100 Kubikmeter vergossen. Die Menge hätte gereicht, etwa 7300 Badewannen zu füllen.
Sven KlamannMehr Qualität, weniger Quantität: Eberswalde reagiert auf den Klimawandel und krempelt sein 100-Bäume-Programm um, das 2013 auf Initiative der SPD-Fraktion beschlossen worden war. Auch bei der Neuausrichtung ziehen Rathausspitze und Stadtpolitik an einem Strang.
Eigentlich, daran ließ Eberswaldes Baudezernentin Anne Fellner im städtischen Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt, ist das Programm, fester Bestandteil des Energie- und Klimaschutzkonzeptes, eine Erfolgsgeschichte: In den vergangenen Jahren konnten alles in allem 1388 Bäume sowie 8226 Gehölze, Stauden und Kletterpflanzen in die Erde gebracht werden. Die Stadt wäre nur zu rund 700 Ersatzpflanzungen verpflichtet gewesen, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, die sich aus Baumfällungen ergeben. „Wir haben unsere eigenen Vorgaben also weit übertroffen“, hob die Dezernentin hervor. Doch ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben, das habe der extrem trockene Sommer 2018 eindrucksvoll bewiesen. Bauhof und Feuerwehr hätten im vorigen Jahr etwa 1100 Kubikmeter Wasser zum Gießen frisch gepflanzter und damit noch nicht tief wurzelnder Bäume benötigt. Die dabei eingesetzten Wassermassen hätten gereicht, etwa 7300 Badewannen zu füllen. Im eher verregneten Sommer 2017 wären Bauhof und Feuerwehr mit 212 Kubikmeter Wasser ausgekommen, 2016 hätten sie 464 Kubikmeter vergießen müssen. Der Jahresniederschlag habe 2018 bei 437, 2017 bei 735 und 2016 bei 506 Millimeter gelegen. „Das langjährige Mittel für Eberswalde liegt bei 590 Millimeter. Und das ist laut Expertenaussage schon dicht an der absoluten Schmerzgrenze“, sagte Anne Fellner.
Mit anerkannten Fachleuten – Prof. Hartmut Schill vom Fachbereich Wald und Umwelt an der Eberswalder Hochschule, Bernhard Götz, wissenschaftlicher Leiter des Forstbotanischen Gartens, und Andreas Reichling, dem Vorsitzenden des Nabu-Kreisverbandes Barnim – seien Maßnahmen besprochen worden, um die Folgen des Klimawandels zu mildern. Ab sofort soll bei Neupflanzungen in größeren Baumgruben ein mineralisch-organisches Substrat zum Einsatz kommen, das keimungs- und wachstumsfördernd ist und Wurzelunkräuter fernhält. Gießringe aus Kunststoff sollen helfen, das Wasser zu halten. Und fast alle neu gepflanzten Bäume sollen mit Bewässerungssäcken ausgestattet werden, die ein schnelles Befüllen erlauben und das Wasser dann langsam an den Boden abgeben.Die Stadt werde für etwa 6000 Euro etwa 300 Bewässerungssäcke anschaffen, die von Frühjahr bis Herbst genutzt werden und wiederverwendbar sind, kündigte die Dezernentin an. Überdies sollen Jungbäume nicht mehr drei, sondern vier Jahre besondere Pflege erhalten.
Obwohl das neue Vorgehen teurer wird, könnten in diesem Jahr immerhin noch 92 Bäume in die Erde gebracht werden – 58 davon als Ersatzpflanzungen, informierte Anne Fellner. Hinzu kämen 21 Bäume auf städtischen Friedhofen. Eberswalde gibt 2019 dafür 40 000 Euro aus.
Bündnis 90/Die Grünen und SPD haben im Bauausschuss und im Hauptausschuss klare Mehrheiten für ihren Vorschlag gefunden, das 100-Bäume-Programm inhaltlich weiter aufzuwerten. Beide Fraktionen sprachen sich unter anderem dafür aus, fortan der Pflanzqualität einen hohen Stellenwert beizumessen. „Es werden an den Standort angepasste, bevorzugt einheimische und/oder klimaresistente Bäume gepflanzt“, heißt es in ihrem Antrag. Züchtungen mit sterilen Blüten, Kugel- Zwerg- und Säulenformen dürften nur im Ausnahmefall zur Anwendung kommen. Wenn die Wahl auf Obstbäume falle, sollte bevorzugt zu Hochstämmen alter Sorten gegriffen werden.
Die Baudezernentin teilte zudem mit, dass die am Pilz erkrankten Kugelahorne auf dem Bahnhofsvorplatz durch Hainbuchen ersetzt werden.
