Straßenfest
: Hunderte feiern in der Ruhlaer Straße

Zum dritten Mal wird das Straßenfest in der Ruhlaer Straße zum Publikumsmagnet. Mehrere Initiativen haben es ehrenamtlich organisiert.
Von
Ellen Werner
Eberswalde
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Volle Straße, volle Stände: Das Fest in der Ruhlaer Straße wird für Hunderte zum Begegnungsort.

Andreas Gora

Als Versuch, nicht nur die bestehende Vielfalt zu bewahren, sondern diesen Wandel selbst zu gestalten, lässt sich das einzige von Stadtbewohnern organisierte Straßenfest in der Waldstadt verstehen. Zum dritten Mal haben es zahlreiche Mitstreiter der ausgeprägten ökosozialen Szene Eberswaldes gemeinsam auf die Beine gestellt. Das heimliche Motto: „Eberswalde ist das, was wir daraus machen.“ Die Worte, mit denen Moderatorin Julia Heilmann auf eine Podiumsdiskussion einstimmt, könnten über dem gesamten Fest stehen.

Trioladiva auf der Bühne

Musik gibt es auch. Die Bands Trioladiva, Alva Litz, Goodies & Brains und Neustadt sind auf der Hauptbühne an der Straße oder der Bühne auf einem idyllischen Hinterhof zu erleben. Mehr als dass unter den Hunderten Besuchern, die zwischen Mittag und Abend über die Ruhlaer schlendern, ausgelassene Partystimmung aufkommt, wird das Fest aber zu einem Ort der Begegnung.

Gesprächsstoff, vor allem zum gesellschaftlichen Wandel in Zeiten von "Fridays for Future“ und Spannungen auf den Wohnungsmärkten, gibt es an den Ständen genug. Über Kulinarisches für lau und aus Lebensmitteln, die ohne ihr Zutun im Container gelandet wären, kommt etwa die Ortsgruppe des im deutschsprachigen Raum organisierten Vereins Foodsharing ins Gespräch. Auch viele ältere Besucher bleiben stehen. Smoothies, Aufstriche und Kuchen sind im Angebot. „Wir wollen unter anderem zeigen, was alles so weggeschmissen wird“, sagt Lilly Witte. Wer bei der Initiative mitmachen wolle, könne das über eine Internetseite tun, auf der zu sehen ist, wo Lebensmittel deponiert sind, die aus verschiedenen Läden abgeholt werden. Die Initiative habe vor, dafür einen Kühlschrank an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung aufzustellen.

Vom Verein Hebewerk über die Initiative Solidarische Landwirtschaft bis zur Gruppe "Recht auf Stadt“, die u. a. noch in Zukunft bezahlbare Mieten fordert, sind zahlreiche Gruppen vertreten, die dem ökosozialen Netzwerk der Stadt angehören und hier Veränderungen anstoßen. Dazwischen gibt es Kinderschminken, die Keramikwerkstatt hat geöffnet, man kann sich im Siebdruck versuchen oder beim Dosenwurf üben, „den Kapitalismus zu Fall zu bringen“ — wer wollte, konnte dem Fest mit eigenen Ideen ein Gesicht geben.

100 Anteilscheine vergeben

Dafür, dass es auch finanziell aus eigener Kraft gestemmt werden kann, hatten die Veranstalter in diesem Jahr Anteilscheine eingeführt, die jeweils gegen Fünf–Euro–Spenden erworben werden konnten. Ein Konzept, das nur teilweise aufging. 600 Scheine waren vorbereitet. Vergeben worden seien etwa 100, sagt Anja Neumann vom Organisationsteam. „Das ist im Vergleich zu den Besucherzahlen nicht so viel.“ Von der Stadt hatten die Organisatoren sich lediglich beim Aufstellen von Ständen unterstützen lassen. Eine Förderung hatten sie abgelehnt — um unabhängig zu bleiben.

Georg Werdermann, Eberswaldes Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, würdigt das Engagement der Initiativen, die sich für Veränderungen im Sinne von Nachhaltigkeit und einem sozialverträglichen Miteinander einsetzen, während der Podiumsdiskussion auf dem Fest aber auch über die Veranstaltung hinaus. „Die Stadt Eberswalde steht bereit, diesen Wandel zu begleiten. Wir sind Partner für alle, die im Lokalen Antworten auf globale Probleme suchen“, sagt er.