Tierheim Eisenhüttenstadt
: Dreibeiniger Hund Wuschel erleidet weiteren Verlust

Neuer, schwerer Schicksalsschlag für den dreibeinigen Hund Wuschel. Der Mischling hatte vor etwa zwei Jahren sein Glück gefunden. Nun muss das Tier wieder einen Verlust verkraften. So geht es ihm im Tierheim Eisenhüttenstadt.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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  • Hund Wuschel ist zurück im Tierheim in Eisenhüttenstadt. In seinen ersten Lebensjahren hat er bereits ein Bein verloren, nun folgte jüngst ein weiterer Verlust.

    Hund Wuschel ist zurück im Tierheim in Eisenhüttenstadt. In seinen ersten Lebensjahren hat er bereits ein Bein verloren, nun folgte jüngst ein weiterer Verlust.

    Janet Neiser
  • Auch wenn er nur drei Beine hat, Wuschel rennt gern herum und spielt.

    Auch wenn er nur drei Beine hat, Wuschel rennt gern herum und spielt.

    Janet Neiser
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Wuschel hat schon gute und schlechte Zeiten erlebt. Das Schicksal des dreibeinigen Hundes bewegte vor nicht allzu langer Zeit die Menschen der Region Eisenhüttenstadt. Vor gut zwei Jahren fieberten viele mit und hofften, dass Wuschel sein Glück findet.

Und wie das Leben so spielt: Es war ein Auf und Ab für den Hund, der im Jahr 2021 aus Rumänien nach Eisenhüttenstadt kam. In dem südosteuropäischen Land war er angefahren und geschlagen worden. Selbst eine OP konnte das hintere, rechte Bein des Tieres nicht retten.

Aber der Hund ließ sich nicht unterkriegen. Er rappelte sich auf und eroberte die Herzen der Tierheim–Mitarbeiter an der Oderlandstraße in Eisenhüttenstadt im Sturm, und nicht nur die. Die gaben ihm aufgrund seines wuscheligen Fells auch den Namen Wuschel.

Anfang August stand Wuschel vor dem Tor

Damals schätzte man ihn dort anhand seines Gebisses auf drei oder vier Jahre. Wuschel fand nach nur wenigen Wochen eine neue Familie im Umland von Eisenhüttenstadt. Dann kam er aufgrund privater Umstände zurück ins Tierheim.

Es dauerte nicht lange, da fand er erneut sein Glück, das war im Oktober 2021. Von da an lebte er bei einem jungen Mann in der Region. Und Ute Valentin, die Chefin der Tierpension in der Oderlandstraße, war guter Dinge, dass das Kapitel „Wuschel“ damit abgeschlossen sei — mit einem Happy End. So sah es auch bis Anfang August 2023 aus. Da klingelte es in der Tierpension — wie so oft. Und womit Ute Valentin nie gerechnet hätte: Wuschel wurde ihr erneut gebracht.

„Sein Herrchen ist gestorben, sagt man uns“, erzählt sie. Ja, das sei tragisch, der Mann sei doch noch jung gewesen. Mehr weiß sie nicht.

So geht es Wuschel nach dem Verlust

Was sie aber weiß: Wuschel geht es gesundheitlich gut. „Er ist einem guten Zustand“, versichert sie. Auch das fehlende Bein behindere ihn nicht. „Er rennt mehr wie einer mit vier Beinen“, sagt sie mit einem Lächeln. Und als Wuschel kurz darauf über den Hof flitzt, lässt sich das nur bestätigen.

Wuschel fühlt sich pudelwohl – trotz des schweren Schicksalsschlages.

Janet Neiser

Laut Experten wirkt sich die Amputation einer Vordergliedmaße bei Hunden deutlicher aus, als die Amputation einer Hintergliedmaße. Denn die Vorderbeine tragen das meiste Gewicht. Ein Hund, dem ein hinteres Bein fehlt, hat somit weniger Probleme mit der Statik. Natürlich wird die eine Hintergliedmaße nun stärker beansprucht. Überlastungen sind theoretisch möglich. Aber Wuschel fühlt sich pudelwohl.

Neugierig werden Besucher schon beäugt, wenn sie aus dem Auto vor dem Tierheim steigen. „Am liebsten rennt er hier herum“, sagt Ute Valentin.

Aber Wuschel mag es auch gern mal ruhig, vor allem, wenn er gekrault wird. „Das liebt er“, sagt Ute Valentin und staunt immer wieder über das dicke Fell des Hundes und das ergraute Gesicht. „Das hat etwas von einem Wolf“, findet sie.

Ihr Mitarbeiter übernimmt den Part des Kraulens für den Moment. „Ja, ein Schöner bist du“, redet er Wuschel gut zu. Und der genießt das sichtlich.

Wuschel kann Türen öffnen

„Er ist ein ganz Verschmuster. Und er ist definitiv ein Familienhund“, sagt die Tierheim–Chefin, die nun wieder auf der Suche nach einem neuen Zuhause für den Dreibeiner ist.

„Schön wäre es, wenn die neuen Halter Haus und Hof hätten, wo er viel draußen sein kann. Das mag er sehr.“ Aber eine Wohnungshaltung schließt sie absolut nicht aus. Zuletzt habe er auch in einer Wohnung gelebt. Aber aufgepasst. Wuschel ist geschickt. „Der macht sogar Türen auf“, verrät Ute Valentins Mitarbeiter. Pfote und Schnauze setzt der Hund dann ganz gewitzt ein. Aber er hört auch, das zeigt sich an dem Tag in der Tierpension wiederholt.

Muss Wuschel aufgrund seines fehlenden Beines häufiger zum Arzt? „Nein!“, beruhigt Ute Valentin. Da ist alles okay. Und noch etwas ist gut zu wissen: Wuschel ist eher ein Einzelgänger. Andere Hunde können ihn schon mal nervös machen, dann bellt er auch. Aber das könne man ihm auch noch in seinem jetzigen Alter abgewöhnen, ist sie sich sicher. „Das geht nur nicht von heute auf morgen. Da muss man Geduld haben.“

Bei Personen hat er übrigens keine Vorlieben. Da sei er nicht wählerisch. „Er geht zu jedem.“ Herzen erobert er auch heute noch ganz schnell. Da reicht ein Blick aus den treuen Hundeaugen.

Tierpension Eisenhüttenstadt, Oderlandstraße 3b, Eisenhüttenstadt, Tel. +49 3364 283442