Virus-Eindämmung: Bundeswehr hilft in Corona-Zeiten im Gesundheitsamt Barnim aus

Unterstützer in Uniform: Die stellvertretende Amtsärztin Katharina Deja ist froh darüber, dass 15 Bundeswehrsoldaten, zu denen der Oberstabsgefreite Tino Mai gehört, im Gesundheitsamt der Kreisverwaltung Barnim helfen.
Torsten StapelDie Uniformierten seien nach Einweisung am Dienstag jetzt an sogenannten Schaltstellen im Gesundheitsamt im Einsatz. Dies seien die Bürgerhotline, die Tagebuch-Abfrage bei Isolierten und Erkrankten daheim sowie die Kontakt-Nachverfolgung. Also im Fall einer Ansteckung das Ermitteln von Kontaktpersonen, das Einleiten entsprechender Maßnahmen, um Infektionsketten zu unterbrechen. Bislang, so schätzt Deja ein, gelinge es im Großen und Ganzen noch, Kontaktpersonen zu recherchieren.
Nachverfolgung Kerngeschäft
Das Gesundheitsamt hatte sich mit Pandemiebeginn „völlig neu aufgestellt“ und umstrukturiert. Es gebe inzwischen 63 Mitarbeiter, die im Schichtbetrieb arbeiten. Darunter Mediziner im Ruhestand, aber auch einige Barnimer im Ehrenamt. Trotz dieser massiven Verstärkung – sonst zählt das Gesundheitsamt um die drei Dutzend Mitarbeiter, das Team ist offenbar am Limit. „Wir arbeiten bereits unter Hochdruck und optimieren ständig unsere Abläufe, um uns auf wirklich große Zahlen vorzubereiten“, sagt Deja. Insofern sei man auch über die Hilfe der Bundeswehr dankbar. Denn: Die Kontaktnachverfolgung sei sehr aufwendig. Für das Eindämmen des Virus sei sie aber von zentraler Bedeutung. Und es erfordere Fachwissen. Dieses Wissen bezeichnet Deja als „unseren Goldstaub“.
Gleichwohl: Den Ausbruch in der Brandenburg-Klinik konnte es nicht verhindern. Ist die Lage im Barnim noch beherrschbar und unter Kontrolle? Deja verweist darauf, dass abseits des Ausbruchs in der Brandenburg-Klinik der Landkreis etwa 200 Fälle hat und sich damit im Durchschnitt der berlinangrenzenden Kreise bewege. Die Besonderheit liege eben in der Waldsiedlung, wo sich das Virus seit dem 4. April ausbreitet und die Zahlen täglich gestiegen sind. Von mehr als 130 Betroffenen ist inzwischen die Rede, unter Patienten sowie Mitarbeitern. Der Ursprung, so die Fachärztin für öffentliches Gesundheitswesen, sei nach wie vor unklar. Elf Patienten seien unterdessen an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Alle im Bereich des Neurologischen Reha-Zentrums (NRZ). „Alle Todesopfer hatten schwerste Begleiterkrankungen“, so die Vize-Amtsärztin. Neurologische und/oder internistische. Einige befanden sich in palliativmedizinischer Behandlung bzw. Betreuung. Das Durchschnittsalter sämtlicher bislang im Barnim im Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbenen liege übrigens bei 75 Jahren. Und alle hätten an Vorerkrankungen gelitten.
Laborkapazitäten begrenzt
Einen Vergleich zum Bergmann-Klinikum Potsdam will Deja trotz der hohen Zahlen in Bernau nicht ziehen. Die Zusammenarbeit mit der Klinikleitung in der Waldsiedlung „funktioniert gut“. Das Gesundheitsamt sei am 4. April „unverzüglich informiert“ worden. Und es seien sofort Gegenmaßnahmen abgestimmt worden. So seien die beiden betroffenen Häuser geschlossen worden. Das heißt: Es werden keine neuen Patienten aufgenommen. Und Entlassungen oder Verlegungen gebe es nur in Absprache mit dem Gesundheitsamt. Die Behörde begleite in „engster Abstimmung“ alles, „um den Ausbruch zu beherrschen“ und eine „strikte Trennung von inkubierten und nicht inkubierten Personen zu erreichen“. Wobei Deja einräumt: „Natürlich ist es schwierig, eine Reha-Klinik, die ihre Klientel aus der ganzen Bundesrepublik erhält, völlig frei zu halten.“
Jenseits der Reha-Einrichtung testet das Gesundheitsamt aktuell in ihren beiden Zentren, den Abstrichstellen, im Schnitt täglich 55 Barnimer. Hinzu kommen mobile Abstriche. Eine Ausweitung der Tests wäre möglich. Aber: „Begrenzend sind hier die Laborkapazitäten.“
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Aktuelle Zahlen für den Landkreis
Laut Lagebericht des Landkreises von Donnerstag, 24 Uhr, gibt es im Barnim wie am Vortag 337 positiv laborbestätigte Fälle. 96 Patienten (+3) wurden als genesen gemeldet. Gestiegen sind hingegen die Verdachtsfälle in Quarantäne (494, +85) und Anzahl deren, die ihre Quarantäne beenden konnten (686, +12). Die Zahl der Verstorbenen ist auf 19 (+1) gestiegen. Es gab einen weiteren Todesfall in Amt Biesenthal (Barnim). Im Werner-Forßmann-Krankenhaus werden aktuell 17 an Covid-19 erkrankte Patienten behandelt, davon müssen zwei beatmet werden. Hinzu kommen sieben Verdachtsfälle. In vier Fällen starben in diesem Krankenhaus betreute Patienten bisher. ⇥vp/sk