Wahlkampf: Eberswalde inmitten Europas

Liberales Duo: Martin Hoeck (l.) und Robert-Martin Montag, beide FDP, haben einen guten Draht zueinander. Sie ziehen gemeinsam in den Wahlkampf. Am 26. Mai stehen Urnengänge für die Kommunalvertretungen und fürs Europaparlament an.
MOZ/Thomas BurckhardtDen einen zieht es nach Brüssel. Der andere will Stadtverordneter in Eberswalde bleiben. Beide stellen sich am 26. Mai zur Wahl. Und brennen für Europa. Warum dies so ist, erzählen die FDP-Kandidaten Robert-Martin Montag (39) und Martin Hoeck (34) im Doppel-Interview.
Herr Montag und Herr Hoeck, ein Thüringer macht Wahlkampf in Eberswalde. Und ein Eberswalder unterstützt ihn dabei. Warum?
Robert-Martin Montag: Ganz einfach, ich bin der gemeinsame FDP-Spitzenkandidat aller neuen Bundesländer für Europa und will möglichst viele der Regionen vorab persönlich kennenlernen, die ich nach einer erfolgreichen Wahl gern im Europa-Parlament vertreten würde. Deshalb bin ich Martin Hoeck ungemein dankbar, dass er mir seine Heimatstadt näherbringt.
Martin Hoeck: Das mache ich ja nicht nur, weil wir uns auf Anhieb sympathisch waren. Wenn es Robert-Martin Montag nach Brüssel schafft, kann es nur von Vorteil für Eberswalde und den Barnim sein, zu ihm bereits in Kontakt zu stehen. Das gemeinsame Netzwerk bringt beiden Seiten Pluspunkte.
Was entgegnen Sie Kritikern, die erklären, Europa sei weit weg und EU-Kommission und EU-Parlament seien vor allem schuld an der überbordenden Bürokratie?
Montag: Dass es ein Fehler wäre, sich damit zufrieden zu geben. Wir müssen endlich lernen, europäische Politik nicht mehr als Außen-, sondern als Innenpolitik zu betrachten. Die einzelnen Nationalstaaten für sich sind zum Beispiel gar nicht in der Lage, die EU-Außengrenzen wirksam zu schützen und einheitliche Standards bei der Migration durchzusetzen. Europa, das ist weit mehr, als den Krümmungsgrad der Banane vorzuschreiben.
Hoeck: Genau. Und als Kommunalpolitiker verweise ich auf die zahlreichen Förderprogramme der EU. Die haben in Eberswalde unter anderem das Bürgerbildungszentrum, die Stadtpromenade und so manche Groß-Investition im Zoo erst ermöglicht. Auch die Hochschule für nachhaltige Entwicklung nutzt sehr erfolgreich europäische Fördermittel.
Herr Hoeck, der FDP-Kreisverband Barnim hatte Sie als Kandidaten fürs Europa-Parlament nominiert. Warum treten Sie jetzt nicht an?
Das hat etwas mit innerparteilicher Demokratie zu tun. Auf der Landesvertreterversammlung im November habe ich in der Stichwahl gegen Martin Lindner aus Berlin verloren. Da ging es um die Nominierung zur Bundesliste. Der damals für Brandenburg siegreiche Bewerber hat später seine Kandidatur zurückgezogen. Auch deshalb unterstützen die Brandenburger FDP und ich ganz persönlich jetzt Robert-Martin Montag. Aus vollem Herzen und mit ganzer Kraft.
Herr Montag, Sie stehen auf Platz 7 der Bundesliste. Im Europa-Parlament sind aktuell gerade drei deutsche Liberale vertreten. Wie realistisch schätzen Sie Ihre Chancen wirklich ein?
Dies entscheiden die Wähler. 2014 war für die FDP kein gutes Jahr. Jetzt liegen wir in den Umfragen deutlich besser. Deutschland entsendet 96 Mitglieder ins Europa-Parlament. Grob gesagt entspricht also ein Prozent einem Mandat. Wenn die FDP bei der Europawahl mehr als sieben Prozent erzielt, bin ich sicher dabei.
Herr Hoeck, was haben Sie Ihrem Gast aus Thüringen in Eberswalde gezeigt?
Das Programm war knackevoll. Wir hatten ein Treffen mit Bürgermeister Friedhelm Boginski, haben unter anderem die Firma Ume-tec Umwelt- und Metalltechnik im Technologie- und Gewerbepark besucht und auch noch an einer Diskussionsveranstaltung der Deutschen Gruppe der Liberalen Internationalen in Eberswalde teilgenommen, deren Brandenburger Generalsekretär ich bin. Und Zeit für einen kleinen Stadtrundgang war auch noch. Aber natürlich hat Herr Montag noch nicht alles gesehen und muss spätestens nach seiner Wahl zum Europa-Abgeordneten wiederkommen.
Herr Montag, welchen Eindruck haben Sie von der Barnimer Kreisstadt?
Mich begeistert immer wieder die Entwicklung in den ostdeutschen Ländern in den vergangenen 30 Jahren. Eberswalde ist ein hervorragendes Beispiel für dieses Wirtschaftswunder 2.0. Die Stadt steht eindeutig für eine sehr gute Zukunft. Und dies auch außerhalb der Metropolen.
Zur denPersonen
Robert-Martin Montag ist in Erfurt geboren und in Ruhla aufgewachsen. Er studierte Politikwissenschaften, Soziologie, Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Jena und Istanbul. Anschließend war er Referent für die FDP im Thüringer Landtag. Heute arbeitet er im Gesundheitswesen.
Martin Hoeck ist in Eberswalde geboren und seit 2008 Stadtverordneter. Er engagiert sich als Vorsitzender des SV Motor Eberswalde und des Heimatkundevereins Eberswalde. Zudem leitet er die Hoeck-Stiftung, die das Hospiz unterstützt und den Diplomatischen Salon organisiert.⇥sk
