Frieden sei das allerwichtigste, sagt Paul Venuß. „Und das wird häufig vergessen.“ Zumal damit nicht allein die bloße Abwesenheit von Krieg gemeint ist, erklärt der Natur- und Landschaftsführer. Auch um das friedliche Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft gehe es.
„Dazu braucht es Vertrauen und Räume, in denen dieses ausgelebt werden kann.“ Einen solchen Raum sollte auch die Kundgebung anlässlich des Weltfriedenstages schaffen, zu der das Bündnis für den Frieden am Dienstag zum Eberswalder Kirchhang geladen hatte.

„Abrüsten statt Aufrüsten“ als Motto

Den Auftakt der Veranstaltung, die unter dem Motto „Abrüsten statt Aufrüsten“ stand, bildete ein Konzert des musikalischen Trios Mischpoke Royal, das für ausgelassene Stimmung nicht nur bei Vertretern der jüngeren Generation sorgte und zum Tanzen animierte.
Was folgte, war ein breit gefächertes Programm mit politischen wie künstlerischen Redebeiträgen, einer gemeinsamen Meditation und einer an die Kundgebung anschießenden Friedensandacht. Auch ein offenes Mikrofon gab es. „Die Idee ist, ein möglichst breites Bündnis zu haben“, erklärte Paul Venuß, der als Vertreter der Gruppe Recht auf Stadt, selbst ans Mikrofon trat und als Moderator durch die Veranstaltung führte.
Kundgebung vor der Maria-Magdalenen-Kirche

Weltfriedenstag Kundgebung vor der Maria-Magdalenen-Kirche

Weltweit über 13.000 Atomsprengköpfe

So unterschiedlich die teilnehmenden Gruppen auch sein mochten, eines betonten die Rednerinnen und Redner immer wieder: die Dringlichkeit des Themas Frieden auch in der heutigen Zeit. So verwies Albrecht Triller, Gründungsmitglied des Bündnisses für den Frieden, darauf, dass es weltweit noch immer 13.400 Atomsprengköpfe gebe. „Dieses Potential ist hinreichend, das Leben auf unserem Planeten auszulöschen“, mahnte er. Umso wichtiger sei es, dass sich auch Deutschland dem 2017 von den Vereinten Nationen beschlossenen Atomwaffenverbotsvertrag anschließt.

Rede von Fridays for Future-Aktivist

Dabei handelt es sich um eine Forderung, die auch die Eberswalder Stadtverordneten bereits formulierten. Anlässlich des 75. Jahrestages der Zerstörung der Eberswalder Innenstadt durch deutsche Bombenflugzeuge beschlossen sie Ende Mai, sich dem Städteappell der Internationalen Kampagne zur Abschaffung der Atomwaffen (ICAN) anzuschließen. Dieser ruft zur Unterstützung für den Vertrag zum Verbot von Atomwaffen auf. Ein Beschluss, den Triller ausdrücklich begrüßt.
Auch Fridays for Future beteiligte sich an der Kundgebung vor der Maria-Magdalenen-Kirche. In seiner Rede verwies Klimaaktivist Boy Ibisch auf den Zusammenhang zunehmender klimatischer Extreme und der Verteilung natürlicher Ressourcen auf internationale Konfliktherde.

Wenig Resonanz im Vorfeld

Trotz Werbung blieb die Resonanz auf die Kundgebung im Vorfeld überschaubar. „Das Feedback war schwach“, sagt Paul Venuß. Lediglich 30 bis 40 Leute hätten sich zurückgemeldet. Zwar dürften auch die Semesterferien und die Urlaubszeit ihren Beitrag dazu geleistet haben, dennoch meint Venuß: „Das Thema dockt nicht richtig an die Massen, obwohl es wichtig ist.“ Den Grund erkennt er darin, dass die Bedrohung durch Krieg für viele Menschen nach einer langen Phase des Friedens einfach zu abstrakt sei.
Sergej Kruopis jedenfalls gehört nicht dazu. Er ist einer der zeitweise dann doch knapp 100 Menschen, die an der Kundgebung teilnahmen. „Das Thema ist sehr aktuell“, sagt der 50-Jährige denn auch und verweist auf sich zuspitzende Gewalt und Konfliktherde in den verschiedensten Teilen der Welt.

Jung wie Alt vor Ort

Umso mehr freue es ihn, dass er ein Generationen übergreifendes Publikum am Kirchenhang vorfand, meint der Eberswalder. Und tatsächlich sind Familien mitsamt Kindern vor Ort, genauso wie Jugendliche und Senioren. Das, was gemeinhin als Generationenkonflikt bezeichnet wird, scheint an diesem Tag in Eberswalde jedenfalls kein Thema mehr zu sein, meint Sergej Kruopis. Das sei schon mal ein gutes Zeichen.