Blaugraue Knopfaugen, ein Paar zappeliger Flossen und fast schon stolze drei Kilogramm bringt er auf die Waage: Der Eberswalder Zoo präsentiert das jüngste Mitglied der Pinguinfamilie. Eines von drei Eiern hat es geschafft und jetzt ist der kleine Racker kaum von seiner Mutter zu trennen. Eingekuschelt im Laub in ihrer ganz eigenen Hütte, genießen die beiden abgeschottet noch etwas Ruhe.
„Damit hat keiner mehr gerechnet“, erzählt Bernd Hensch, Zoo-Direktor, der demnächst in den Ruhestand geht. „Ein Pinguinbaby zu Weihnachten. Eine richtig tolle Überraschung!“ Viel zu sehen gibt es von dem Kleinen noch nicht für die Besucher, aber die Mitarbeiter des Zoos freuen sich trotzdem riesig über die Ankunft.

Wird es kalt, wird das Fell eben dicker

Nicht jedes Tier ist an kalte Temperaturen wie die Pinguine von Natur aus gewohnt. „Trockene Kälte ist gar kein Problem, gefährlich wird es, wenn es anfängt zu tauen“, so der Direktor. Lachend erzählt er weiter: „Das kennen wir. Als Kind macht man dann Faxen wie mit der Zunge am Metall zu lecken. Die bleibt dann natürlich hängen.“
Mit ernsterer Miene erklärt er jedoch auch, warum das ein Problem für Tiere wie Affen ist. Die klettern nicht überall und viel herum. Wenn also die trockene Kälte und Minusgrade wieder vorbeiziehen und die Affen beim Freigang ans Metall anfassen, bleiben sie kleben und es könnte zu Verletzungen kommen.
An sich haben die Tiere des Eberswalder Zoo jedoch so viel Freigang, wie sie wollen. Bis auf gefährdete Tiere wie die Schildkröten, Flamingos, Meerschweinchen und Kaninchen wird den Tieren nicht vorgeschrieben, wann sie draußen sein dürfen. Das erklärt auch, warum man trotz großer Hoffnung nicht immer den Löwen, Leoparden oder die frechen Affen sehen kann.
„Dadurch, dass sie so oft wie sie wollen rausgehen können, passen sich vor allem die Säugetiere besser an. Ihr Fell wird automatisch dicker, auch wenn sie eigentlich aus Gebieten wie Tropenlandschaft kommen.“ Wenn der Schnee kommt und alles zuschneit, sind Tiere wie Wölfe und Bison mit einmal gar nicht mehr zu sehen. Die natürliche Isolation gepaart mit dem Winterfell geben ihnen den ultimativen Schutz über Stunden hinweg auszuharren.

Wie die Katze so der Affe

Sind die Affen nicht durchs Auftauen gefährdet, kann man beobachten, wie sie immer wieder mal hinausschlüpfen und sich wie unsere Stubentiger daheim einen warmen Sonnenplatz suchen. Ansonsten heißt es Gruppenkuscheln im Tierhaus mit den anderen.
„Die Erdmännchen machen sogar Winterruhe“, so Hensch. Die Schwarzschwanz-Präriehunde findet man bei gutem Wetter ein bisschen umherspringend im Gehege an. Da verhalten sie sich ähnlich wie Eichhörnchen. Die mit weißem Schwanz sind jedoch in der kalten Jahreszeit gar nicht zu sehen. Diese halten tatsächlich eisern Winterschlaf.
Einen ganz besonderen Platz im Herzen der Kassiererinnen haben jedoch die Eichhörnchen. Die Damen legen nämlich jedes Jahr einen privaten Futtervorrat mit Nüssen an, um die roten Fellbüschel zu verwöhnen. „Wenn ich also mal ein bisschen Vitamin E haben will und nach einer Nuss frage, werde sogar ich ganz streng abgewiesen“, sagt der Direktor mit einem herzlichen Lachen. „Wenn die Eichhörnchen besonders mutig sind, krabbeln sie bis vorne auf den Tresen zur Glasscheibe der Kasse und schauen auch mal hinein.“

Achtung, die Ziegen sind los

Nicht nur das neuste Pinguinbaby gehört zum tierischen Nachwuchs. Im Dezember ist das Alpacca-Jungtier, welches von allen liebevoll Prinzessin genannt wird, zusammen mit ihrem Geschwisterchen ein Jahr alt geworden. Da sie per Hand und mit Flasche aufgezogen wurde, ist sie besonders kuschel- und streichelbedürftig. Fremden gegenüber hat sie, ganz im Gegensatz zu den erwachsenen Damen im Gehege keinerlei Hemmungen. Gerne kommt Prinzessin ganz nah ran zum Schnuppern.
Absolut kuschelig: Da das Alpacca-Junge „Prinzessin“ mit Flasche aufgezogen wurde, ist sie besonders angetan von Streicheleinheiten. Kamerascheu ist sie genauso wenig.
Absolut kuschelig: Da das Alpacca-Junge „Prinzessin“ mit Flasche aufgezogen wurde, ist sie besonders angetan von Streicheleinheiten. Kamerascheu ist sie genauso wenig.
© Foto: Jessica Reichhardt
Eine ganze Ecke weiter kommt man dann jedoch fast schon ins Stolpern. Aus dem Nichts heraus bahnt sich eine kleine Armee Babyziegen an! Alle Mann voraus und die zehn Frechdachse nehmen das auch wortwörtlich. Die Treppe rauf und übers Tor beim Streichelzoo gesprungen, folgt eine Ziege der nächsten, bevor sie den restlichen Zoo stürmen. Zur Freude der jüngsten Besucher, die fast schon aus dem Häuschen sind bei dem Anblick. Nicht einmal die frisch verteilte Weihnachtsdeko hält diesen Angriffen stand. Auf dem Boden verteilt liegen die Überreste der Tannen, die noch nicht von gierigen Mäulern verschlungen worden sind.

Der Storch muss einen Elefanten oder ein Löwenbaby bringen

„Ich möchte ein Elefant.“ So ähnlich sehen die Wünsche einiger Kinder aus, die ihren Zettel in den Wunschbriefkasten des Zoos hineinwerfen. „Manche sind einfach so niedlich. Die Kinder geben sich immer Mühe, egal ob Rechtschreibfehler. Wer nicht schreiben kann, der malt“, erzählt Bernd Hensch mit einem Schmunzeln. Trotz seines baldigen Abschieds merkt man sofort, wie viel ihm der Beruf und die Zusammenarbeit mit Mensch und Tier bedeutet.
Jedes Jahr wieder findet die Aktion statt und im Januar werden die Briefe hervorgeholt. Was erwarten denn die Kinder vom Zoo, welche Tiere wollen sie haben, soll es wieder einmal einen Babylöwen geben oder auf welche Sachen haben sich die Kinder im Jahr davor besonders gefreut? Es kommen allerlei Meisterwerke und Briefe zusammen. Noch ist Zeit für Interessenten, ihren eigenen Wunschbrief einzuwerfen.