Zum Jahrestag: Gedenken an die Wendezeit
Der 9. November 1989 gehört fest zur Erinnerungskultur der Deutschen“, bringt es der Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen (CDU) auf den Punkt. Jeder Einzelne könne sich erinnern, was er an diesem Schicksalstag gemacht hat, als die Nachricht der offenen Mauer um die Welt ging.
An die besondere Rolle Ungarns zum Fall der Mauer erinnerte eine Veranstaltung im Paul–Wunderlich–Haus. Danko Jur, Vorsitzender der CDU Barnim, hatte zu einer Festveranstaltung „30 Jahre Mauerfall“ geladen. Die grüne Grenze zwischen Ungarn und Österreich und ein pan–europäisches Frühstück im Grenzgebiet nutzten im Sommer 1989 Hunderte DDR–Bürger, um in die Freiheit zu fliehen. „Für die besonnene Reaktion der Ungarn können wir dankbar sein“, so Jens Koeppen. „Ohne den Mut und Freiheitswillen der Osteuropäer wäre die deutsche Einigung nicht möglich“, meint auch Barnims Landrat Daniel Kurth in seiner Ansprache. Der ungarische Konsul Czaba Schultheisz ergänzt, dass sich damals wie heute zeige, dass alle Länder in Europa letztlich zusammengehören.
Aus der Wendezeit könne man auch 30 Jahre später etwas lernen. So sollte man etwa die Zuversicht und den Enthusiasmus, der damals herrschte, nicht vergessen. Auch die Tatsache, dass Menschen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen können, sei eine wichtige Botschaft des 9. Novembers, so Schutheisz. „Die Politik sollte stärker darauf hören, was die Bürger wollen“, meint CDU–Abgeordneter Koeppen. Zuhören und rechtzeitig reagieren, wenn Menschen etwa Protest wählen, sei eine Lehre, die man aus der Friedlichen Revolution ziehen sollte.
Erinnert wurde am Sonnabend in Eberswalde auch an die Reichspogromnacht des Jahres 1938, in der die Eberswalde Synagoge angezündet wurde.
Eine zweite Veranstaltung zum Mauerfall fand schließlich abends in der Maria–Magdalenen–Kirche statt. An diesem Ort wurzelte dereinst auch die Opposition des Neuen Forums. Am 13. Oktober 1989 fand die erste Andacht hier statt, so Pfarrer Hanns–Peter Giering. Im November war die Bewegung bereits so groß geworden, dass die Kirche übervoll war. Eine Menschenkette von über 1500 Bürgern durch die Stadt, die politische Veränderung und keine Gewalt forderte, bildete den Höhepunkt der Eberswalder Proteste. Zum Jubiläum der friedlichen Revolution in Deutschland spielte anschließend die Band Semitones arabisches–hebräisches Liedgut in der Kirche.
Kirche war Protestort
An den besonderen Gedenktag des 9. Novembers wurde auch in Finowfurt gedacht. In der Kirche fand ein Gedenkgottesdienst statt. Der Finowfurter Pfarrer Ulf Haberkorn erinnerte in seiner Predigt daran, dass die Revolution in der DDR ohne Gewalt verlief. „Es ist ein historischer Glücksfall, dass eine sozialistische Diktatur ohne Blutvergießen beendet wurde“, so Haberkorn. Allerdings hätten die vergangenen Jahrzehnte auch gezeigt, dass Freiheit nicht so einfach zu leben ist. Es gab in den 90er–Jahren viele Verwerfungen und den Ostdeutschen wurde in der Vergangenheit sehr viel abverlangt, so Haberkorn.


