Abwasser
: Windeln legen Pumpen in Eisenhüttenstadt lahm

Nicht erst seit Corona-Zeiten landet viel mehr in der Toilette als Toilettenpapier. Verstopfungen sind fast schon Alltag.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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  • Klumpenweise Abfälle: Christoph Leu vom Trinkwasser- und Abwasserzweckverband arbeitet an der Rechengut-Anlage im Klärwerk zwischen Eisenhüttenstadt und Neuzelle. Dort landen Rückstände aus WC, Wanne, Dusche und Waschbecken.

    Klumpenweise Abfälle: Christoph Leu vom Trinkwasser- und Abwasserzweckverband arbeitet an der Rechengut-Anlage im Klärwerk zwischen Eisenhüttenstadt und Neuzelle. Dort landen Rückstände aus WC, Wanne, Dusche und Waschbecken.

    Gerrit Freitag
  • Stinkende Gefahr: eine verstopfte Pumpe

    Stinkende Gefahr: eine verstopfte Pumpe

    TAZV
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Vor Ort nehmen er oder seine Kollegen die betroffene Abwasserpumpe unter die Lupe. Und meistens hat sich der Motor festgefahren. Ein Gemisch aus Zellstoff, Vlies und Plastikfolie ist dafür verantwortlich. „Das ist dann alles richtig verzopft“, sagt Weigert und zeigt Bilder vergangener Einsätze.

Wie zäher Teig hat sich der Abfall in der Pumpe um den Motor gewickelt. "Klar stinkt das“, sagt der TAZV-Mitarbeiter. Viel schlimmer als der Geruch aber ist die Auswirkung solcher Verstopfungen. Fällt ein Pumpwerk aus, könnte das Abwasser angestaut werden – zum Leidwesen der Verbraucher. Doch letztlich sind sie schuld daran, dass der TAZV mancherorts immer häufiger ausrückt und den Schaden beseitigt, um eine größere Havarie und massive Schäden an Pumpen zu vermeiden.

„Dass die Pumpen verstopft sind, ist aber nicht erst seit Corona der Fall“, sagt Heike Herrmann, die TAZV-Verbandsvorsteherin. Die Entwicklung wie jüngst andernorts, wo Pumpen und Kanalisation verstopft sind, weil die Menschen kein Toilettenpapier haben und deshalb Feucht-, Küchen- und Taschentücher in die Toilette werfen – in den USA wurden sogar zerschnittene T-Shirts in den Rohren gefunden –, sieht die TAZV-Chefin in ihrem Verbandsgebiet nicht. Das sei vielmehr ein generelles Problem, dass Menschen immer häufiger Sachen in der Toilette herunterspülen, die dort nicht hingehören. Windeln für Babys und Erwachsene sowie Feuchttücher seien zu finden, weiß Heiko Weigert. Beides löst sich im Gegensatz zu Toilettenpapier eben nicht auf und stellt so eine Gefahr für die Kanalisation dar.

Während die knapp 80 richtig großen Pumpwerke im Verbandsgebiet des TAZV, das sich von Brieskow-Finkenheerd bis Neuzelle sowie Eisenhüttenstadt bis Mixdorf erstreckt, der Herausforderung trotzen, sind die rund 80 mittelgroßen Pumpen einer Belastungsprobe ausgesetzt. Hinzu kommen noch etwa 365 kleine Pumpen, an die Privatgrundstücke angeschlossen sind. All diese Pumpen sollen dafür sorgen, dass das Abwasser in höher gelegene Rohre und so in die Druckrohrleitung gelangt, die dann wiederum zur Kläranlage führt.

Auch dort finden sich erneut sogenannte Rechengutrückstände, also größere Abfälle. Etwa fünf bis sechs Kubikmeter davon, und zwar zusammengepresst, werden pro Woche abgefahren, inklusive der Reste, die Weigert und seine Kollegen aus den Pumpen holen. In der Regel wird dieser stinkende Abfall verbrannt.

„Wir haben tatsächlich Hotspots, in denen die Pumpen besonders häufig betroffen sind und gereinigt werden müssen“, erklärt Heike Herrmann. Wo diese neuralgischen Punkte sind? In der Waldsiedlung in Eisenhüttenstadt, in der Kummroer Straße in Neuzelle sowie in der Waldsiedlung und am Schwarzen Berg in Brieskow-Finkenheerd. Dort werden die Anlagen alle 14 Tage gereinigt. Andernorts sind diese Arbeiten nur alle drei Monate fällig.

„Wir klären ständig darüber auf, was in der Toilette runtergespült werden darf und was nicht“, sagt die TAZV-Chefin. Auch in der Wasserzeitung gibt es Beiträge dazu. Doch offensichtlich nehmen viele die Hinweise nicht ernst. Sogar Katzenstreu, das wie Haferflocken aufquillt und Verstopfungen fördert, sowie Medikamente werden immer wieder über die Toilette entsorgt. Die Kosten für die Beseitigung von Verstopfungen trägt am Ende der TAZV. Dafür gibt es die Abwassergebühr. Die Verursacher sind im Normalfall nicht ausfindig zu machen.

Was nicht in die Toilette gehört

Hier eine Übersicht:- Artikel wie Feucht- und Taschentücher, Küchentücher, Tampons, Slipeinlagen, Windeln,- Wattestäbchen, Zigarettenkippen, Kondome und Verbände,- Küchenabfälle und Essensreste,- Katzenstreu,- Medikamente,- Farben, Lacke und Lösungsmittel

Aufgrund der Vorschriften des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und des Kreislaufwirtschaftsgesetzes (KrWG) ist es grundsätzlich verboten, Abfälle über das Abwasser, also zum Beispiel über die Toilette zu entsorgen.⇥ja