ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Industrie am Limit, Ministerin teilt Kritik an Bahn

Rainer Böse, Deutschlandchef von ArcelorMittal sowie CEO der Flachstahlwerke in Eisenhüttenstadt und Bremen, mit der Brandenburger Wirtschaftsministerin Martina Klement nach dem Gespräch am Arceöor-Mittal-Standort Eisenhüttenstadt am 14. September 2026.
Janet Neiser- Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement besuchte ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.
- CEO Rainer Böse forderte verlässliche Strompreise und kritisierte hohe Energiekosten.
- Er nannte 50 Euro pro MWh „all-in“ als Voraussetzung für wettbewerbsfähige Produktion.
- Böse beanstandete unzuverlässige Gütertransporte der Bahn – es gebe keine Alternativen.
- Klement sagte Unterstützung zu und verwies auf Einsatz bei Bund und EU für Industrie.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eisen-Hütten-Luft hat Brandenburgs Wirtschaftsministerin Martina Klement am 14. September geschnuppert. Die Frau, die seit März der Landesregierung angehört, hat dem Stahlunternehmen ArcelorMittal Eisenhüttenstadt einen Besuch abgestattet. Dort wurde nicht nur geredet, sondern die Ministerin schlüpfte auch in die typische orange-graue Arbeitskluft der Stahlwerker – Helm, Schutzbrille und Schutzschuhe inklusive. Denn vielen Worten folgten viele neue Eindrücke auf dem Werksgelände. Vor allem das Kaltwalzwerk nahm die Ministerin gemeinsam mit Rainer Böse, Deutschlandchef von ArcelorMittal sowie CEO der Flachstahlwerke in Eisenhüttenstadt und Bremen, unter die Lupe.
Wer die Stahlindustrie und die Komplexität des Themas verstehen wolle, der müsse auch hinter die Kulissen schauen, müsse sehen, wie groß das Werksgelände ist, wie viele Beschäftigte es gibt und wie komplex die Produktionsprozesse sind, machte der Stahlmanager klar. Und Martina Klement schien wirklich Lust auf diese Stippvisite zu haben. Auch wenn sie bereits seit März mit der Stahlindustrie in Brandenburg im intensiven Austausch stehe, wie sie betonte – mit starkem bayerischen Akzent übrigens, denn die Ministerin kommt aus Donauwörth, aus dem schwäbischen Teil Bayerns, wohnt aber seit mehreren Jahren in Berlin. Nun will sie Brandenburgs Wirtschaft helfen.
Die Landesregierung sei zwar nicht für jedes Thema unmittelbar zuständig, „aber es ist unsere Aufgabe, uns für unsere Industrie einzusetzen – auch in Richtung Bund und Europa.“ In die Mikrofone anwesender Journalisten sagte sie: „Brandenburg ist Industrieland und Brandenburg soll auch Industrieland bleiben.“
Doch für die energieintensive Stahlindustrie gibt es mehrere Herausforderungen. Genau die legte CEO Rainer Böse auch der Ministerin ans Herz. So wie er das seit Monaten immer wieder macht, wenn sich die Gelegenheit bietet, mit jemandem aus der Politik zu sprechen.

Auf dem Werkbahnhof von ArcelorMittal zwischen dem Industriegelände und Ziltendorf herrscht täglich Hochbetrieb. Doch der Stahlstandort hat mit der fehlenden Zuverlässigkeit bei den Gütertransporten der Deutschen Bahn zu kämpfen.
Janet Neiser„Hohe Energiekosten, erhebliche Defizite bei der Infrastruktur, unfaire Wettbewerbsbedingungen auf dem internationalen Markt sowie eine seit Jahren lahmende Konjunktur gefährden die Zukunft des Industriestandorts Deutschland“, sagte Rainer Böse. Ein Strompreis von 50 Euro pro Megawattstunde „all-in“ sei die Voraussetzung dafür, dass Stahlproduktion in Deutschland wettbewerbsfähig bleibe. „Wenn wir industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Brandenburg erhalten wollen, braucht es jetzt konkrete Entscheidungen und keine weiteren Verzögerungen.“
Die Stahlindustrie benötige einen langfristig kalkulierbaren Strompreis. Aktuell aber könne man nicht weiter schauen als bis 2030. Unternehmen benötigen ihm zufolge aber Verlässlichkeit und wirtschaftliche Perspektiven. „Wir haben die Wirtschaftsministerin gebeten, unsere Stimme nicht nur in Brandenburg, sondern auch in Berlin zu vertreten.“
Und wie sieht sie das Ganze? Die Landesregierung setze sich beim Bund und der EU für niedrigere Strompreise und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen ein – insbesondere für die energieintensive Industrie. „ArcelorMittal Eisenhüttenstadt kann sich darauf verlassen, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen“, erklärte Martina Klement.
Die kritische Situation im Bahnverkehr
Auch mit Blick auf die Transformation der Stahlindustrie sieht der CEO von ArcelorMittal „erheblichen politischen Handlungsbedarf“. So fehle ein schlüssiges Gesamtkonzept dafür, wie das Abschmelzen der kostenlosen Zuteilung von CO₂-Zertifikaten, Investitionsförderung und eine ausreichende Nachfrage nach emissionsarmem Stahl zusammenwirken sollen. Böse weiter: „Die Entwicklung grüner Leitmärkte kommt viel zu langsam voran und bremst Investitionen aus.“
Neben diesen Themen, die für die gesamtdeutsche Stahlindustrie relevant sind, verwies der Vorsitzende der Geschäftsführung auf ein sehr regionales Problem: die kritische Situation im Schienenverkehr. „Von der Deutschen Bahn erwarten wir, dass sowohl Rohstoff- als auch Fertigmaterialtransporte robust abgearbeitet werden. Die fehlende Zuverlässigkeit bei den Gütertransporten ist nicht hinnehmbar.“
Das Stahlunternehmen in Brandenburg sei auf die Bahn angewiesen. „Da gibt es keine Alternative“ – weder auf dem Wasserweg noch auf der Straße. Man sei heute bereits am Limit dessen, was man auf Lkw umstellen könne, so Böse. Im Hinblick auf die vielen Bauarbeiten bei der Bahn machte er klar: „Wir müssen von der Bahn erwarten können, das Baustellenmanagement so zu machen, dass die Prioritätsbedarfe trotzdem bedient werden können.“
Die Ministerin stimmte zu: „Das Thema Bahn und Verlässlichkeit ist für unsere Industrie und unsere Unternehmen ein großes Problem.“ Wenn es bezüglich Baustellenmanagement bei Bund oder Bahn hakt, dann müsse sich die Landesregierung einsetzen. Auf die Frage, ob sie da überhaupt gehört werde, erklärte sie: „Wir versuchen alles, was in unserer Macht steht.“ Es gebe formelle und informelle Kontakte. „Da haben wir nicht immer Erfolg, aber wir werden in jedem Fall gehört.“



