Auch wenn die Gegenwart für ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH) mit Blick auf die Energiekrise und die gesunkene Nachfrage nach bestimmten Produkten viele Herausforderungen und Unwägbarkeiten bereithält, geht der Blick weiter in Richtung Zukunft. Den Kopf in den Sand zu stecken, bloß weil es mal nicht nach Plan läuft, davon hat man bei den Hüttenwerkern in Eisenhüttenstadt noch nie viel gehalten. Und wer an die Zukunft denkt, der spricht über Grünen Stahl und über Fachkräfte-Nachwuchs. Genau aus diesem Grund hält das Unternehmen auch an der umfangreichen Ausbildung im Berufsbildungszentrum (BBZ) fest.

56 neue Namen im Unternehmen

Erst jüngst sind die neuen 56 „Frischlinge“ im Team begrüßt worden. Insgesamt starten in diesem Lehrjahr bei dem ostdeutschen Stahlhersteller 47 Auszubildende und neun duale Studierende in das Berufsleben. Sie werden im werkseigenen BBZ in fünf Lehrberufen für den eigenen Bedarf ausgebildet. Die Berufe sind: Elektroniker Betriebstechnik, Industriemechaniker, Werkfeuerwehrmann, Industriekauffrau und Eisenbahner im Betriebsdienst. Was das Duale Studium angeht, so starten vier duale Studierende im Fach Automatisierungstechnik in Kombination mit der Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik und fünf absolvieren im Fach Maschinenbau die Ausbildung zum Industriemechaniker.
„Wir freuen uns, dass wir 56 junge Menschen für den Berufseinstieg bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt gewinnen konnten. Wir bieten ihnen exzellente Perspektiven mit einer maßgeschneiderten Ausbildung, tariflicher Ausbildungsvergütung, umfangreichen Sozialleistungen und betrieblicher Gesundheitsförderung. Als Fachkräfte von morgen werden sie uns dabei unterstützen, unsere Transformation in Richtung grüner Stahl erfolgreich zu bewältigen“, sagte Jens Liebelt, Leiter des Berufsbildungszentrums von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, im Zuge des Ausbildungsstarts.

Eine Woche Jugendherberge zum Start

Für die Neuen ging es zunächst einmal in die Jugendherberge bei Bremsdorf. Dort waren sie ein paar Tage unter sich, um sich besser kennenzulernen, um sich zu beschnuppern, bevor der Alltag beginnt.
Doch der Start ins neue Ausbildungsjahr ist für das Unternehmen auch gleichzeitig der Startschuss, erneut junge Menschen zu finden, die sich ihre Zukunft bei ArcelorMittal vorstellen können. Denn nicht nur der Stahlhersteller, sondern auch andere Unternehmen haben in den vergangenen Jahren oft Schwierigkeiten gehabt, sämtliche Ausbildungsplätze besetzen zu können.
Zum Teil gab es schlicht nicht genug Bewerber oder aber die, die sich beworben haben, erfüllten die Voraussetzungen nicht. Zuletzt kam erschwerend hinzu, dass die Unternehmen, so auch AMEH, aufgrund der Corona-Pandemie, viel weniger direkten Kontakt zu potenziellen Lehrlingen aufnehmen konnten. Das soll sich nun wieder ändern.

Nacht der Ausbildung am 23. September

Eine Maßnahme, um die Ausbildungsplätze im kommenden Jahr wieder zu füllen, können junge Menschen bereits in dieser Woche hautnah erleben. Am 23. September findet nämlich wieder die „Nacht der Ausbildung“ im Berufsbildungszentrum statt. Von 17 bis 21 Uhr haben Schüler, deren Eltern und Freunde die Möglichkeit, vor Ort etwas über Inhalte und Ablauf der Ausbildung und das Duale Studium sowie Studienförderung bei AMEH zu erfahren. Sie können mit Azubis ins Gespräch kommen, Werkstätten besichtigen und an Werksbesichtigungen teilnehmen.

Die neuen Auszubildenden und Dualen Studenten bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

Für den Ausbildungsberuf Elektroniker Betriebstechnik haben sich elf Auszubildende entschieden: Shawn-Paul Richter, Markus Schulz, Emily Demmin, Nico Lachmann, Alexander-Paul Schade, Skye Fechner, Amon Scholz und Lennox Klatt.
Als künftige Industriemechaniker starten 25 Auszubildende: Elias Joel Reyes Ravelo, Ole Fischer, Jeremy Kohnert, Mattes Tillmann Linke, Lukas Jarosch, Danny Girko, Max von Lipinski, Nicole Kupper, Jonas Kraske, Samantha Mielke, Franziska Fröde, Salia Alina Jelinek, Tony Kaebisch, Paul Miersch, Marcel Weiße, Felix Meißner, Eric Menze, Yanik Hohenstein, Matti Marko Gehrhardt, Oliver Weniger, Norina Frieda Heider, Justin Reinecke, Cedric Heinzelmann, Justin Léon Mörsel und Lukas Heine.
Die Ausbildung zum Werkfeuerwehrmann absolvieren drei Nachwuchskräfte: Domenic Scharf, Yvan Fotso und Benjamin Wronski.
Als künftige Industriekauffrauen sind vier Auszubildende dabei: Lucy Flasch, Miriam Hebbe, Anne Stäubner und Gina Kraft.
Für die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst haben sich ebenfalls vier Personen entschieden: John William König, David Unterlercher, Leon Umut Schiller und Marvin Steinert.
Darüber hinaus starten vier duale Studierende im Fach Automatisierungstechnik in Kombination mit der Ausbildung zum Elektroniker für Automatisierungstechnik: Vincent Hesse, Kai Ole Preuss, Alex Kölle, Dominik Träder.
Im Maschinenbau absolvieren fünf duale Studierende die Ausbildung zum Industriemechaniker: Jonathan Finke, Eddy Knespel, Nils Peisker, Josef Zädow und Celine Rieger.
Natürlich werden die möglicherweise künftigen Lehrlinge oder Dualen Studenten auch schon ein paar Ausbilder kennenlernen. „Du kannst uns mit Fragen löchern und dich auch selbst praktisch ausprobieren. Wenn du dir schon sicher bist, kannst du auch deine Bewerbung mitbringen“, heißt es in der Ankündigung. Kleine Snacks und alkoholfreie Getränke stehen in der Nacht der Ausbildung übrigens bereit, damit die Konzentration nicht nachlässt.

Auch fertige Fachkräfte werden gesucht

Aber ArcelorMittal Eisenhüttenstadt sucht nicht nur neue Azubis, sondern auch Fachkräfte für die anstehende Transformation der Produktion hin zum Grünen Stahl. Da ist bereits 2021 eine Job-Offensive angelaufen.
Im vergangenen Jahr sagte Arbeitsdirektor Michael Bach auf die Frage, welche Experten benötigt werden: „Wir brauchen Ingenieure aller Fachrichtungen. Wir müssen schließlich alles neu bauen, nicht nur die Öfen, sondern auch die Halle auf den vorhandenen Freiflächen. Wir brauchen die klassischen Bauingenieure. Dann geht es um die Maschinenbauingenieure für den Aufbau der neuen Anlagen, Spezialisten für Elektrotechnik, für Digitalisierung und Automatisierung. Wir brauchen alles und vor allem auch Ingenieure mit Berufserfahrung in Bezug auf Elektroofen-Technologie. Wir benötigen ein komplett anderes Ingenieurteam für die Elektroöfen als das, was wir aktuell für den Hochofen haben. Die Leute, die wir haben, die könnten das zum Teil auch, aber die benötigen wir an den Anlagen, die noch einige Jahre laufen werden. Die Leute für dieses Experten-Team zu finden, das ist der erste Schritt, den wir intensiv geplant haben. Das ist der echte Startschuss auf dem Weg zur klimaneutralen Stahlproduktion.“ Durch das gesamte Jahr 2022 hindurch wollte das Unternehmen Personal suchen.