Ausstellung erweitert
: Platte im Bauhaus-Gewand

Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR erweitert seine Sonderausstellung temporär an der Holzwolle.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Die Wohnung wurde angemietet

Und das, obwohl leerstehende Wohnungen in diesem Block an der Holzwolle von der Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft gar nicht mehr vermietet werden. Hintergrund ist eine Idee des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR. Dort läuft seit April die Sonderausstellung „Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR“. Um das Thema Bauhaus für den Betrachter noch anschaulicher zu machen, wurde die Ausstellung kurzerhand erweitert – um in einer Plattenbauwohnung den Leitsatz „Form folgt Funktion“ und die Reduktion auf das absolut Wesentliche nachzuzeichnen. Wie bei der Form galt auch bei den Farben die Formel: Weniger ist mehr. Blau, Gelb und Roten gelten deshalb als Bauhaus-Farben.

Architekt Martin Maleschka, der in Eisenhüttenstadt aufgewachsen ist, wurde mit der Aufgabe betraut, die für diesen Zweck temporär gemietete Wohnung einzurichten. Er durchwühlte die Depots des Dok-Zentrums nach blauen, roten und gelben Möbeln und Gegenständen und wurde fündig. "Die Teile werden funktionsunabhängig nach Farben in die Räume gebracht und auf dem Boden verteilt“, sagt Maleschka. Das Schlafzimmer wird blau, der Flur gelb, das Wohnzimmer rot.

Damit das überhaupt funktioniert und wirken kann, musste der Architekt die abgewohnten Räume auf Vordermann bringen. Putzen und Weißen standen auf der Tagesordnung. Geholfen haben ihm zum Teil Schüler der Gesamtschule 3 mit gymnasialer Oberstufe, erzählt Martin Maleschka, der die Jugendlichen in den vergangenen Monaten immer mal begleitet hat – bei einem Stadtrundgang, beim Kunstunterricht, wo Bauhaus auf der Tagesordnung stand. „Im Prinzip haben wir hier zwei Projekte in einem“, erklärt der Architekt. Neben der Erweiterung der Ausstellung im Dok-Zentrum, machen die Schüler auch einen Film für einen Bauhaus-Wettbewerb der Architektenkammer Berlin/Brandenburg.“

Nun hat die Wohnung auch ein Bad und eine Küche. Das Bad, das Maleschka als Dunkelkammer bezeichnet, weil es kein Fenster hat, wird als Eisenhüttenstadt-Raum fungieren. Fotos und eventuell ein Film sollen dort auf der Betonwand flimmern. Auch in der Küche gibt es noch einiges zu tun. Aber Martin Maleschka ist sicher, dass er das Pensum bis Mitte Juni schafft. Da nämlich soll die Bauhaus-Wohnung dann für die Öffentlichkeit geöffnet werden.