Boxen in Eisenhüttenstadt: Meisterschaftskampf in der Inselhalle – Termine und Gäste

U-19-Finalkampf mit der späteren Siegerin Steffi Grin (rechts) und Carolyn Schäfer im Limit bis 57 Kilogramm der Frauen 2023 in der Inselhalle in Eisenhüttenstadt. Bei den Deutschen Meisterschaften der U 22 rechnen die Veranstalter an den beiden Finaltagen mit einer vollen Halle.
Bernd PflughöftEisenhüttenstadt mit seinen 24.000 Einwohnern erregt regelmäßig deutschlandweit das Interesse als Boxsport-Veranstalter. Während die Stahlstadt seit der Wende in vielen Bereichen spürbare Einbußen hinnehmen musste, ging es mit dem Boxsport in den vergangenen beiden Jahrzehnten merklich bergauf.
Zwar sind mittlerweile die Profibox-Nächte mit dem inzwischen zurückgetretenen Eisenhüttenstädter René Hübner vorerst passé, doch ziehen seit einiger Zeit die Amateure der SG Aufbau Eisenhüttenstadt gutklassige Athleten an.
Tony Schmädicke Medaillenanwärter im Limit bis 75 Kilo
So 2023 als Ausrichter der Deutschen Meisterschaften der Jugend U 19. Allerdings war damals die Resonanz mit lediglich gut einhundert verkauften Tickets für die 18 Finalkämpfe ausbaufähig. Dabei hatten die Organisatoren um Abteilungsleiter Frank von Mersewsky für die Vorkämpfe, bei denen mehr oder weniger die Athleten mit ihrem Staff unter sich waren, erst gar keinen Eintritt genommen.
Dieses Mal wird mit mehr Resonanz nicht nur unter den Fachleuten erwartet. Vom 15. bis 19. Oktober stehen in der Inselhalle die Kämpfe um die Deutsche Meisterschaft der U 22 an. Zugelassen dafür sind Sportler der Jahrgänge 2002 bis 2005 und teilweise des Jahrganges 2006.
Mit dabei ist der 19-jährige Eisenhüttenstädter Tony Schmädicke, der vor zwei Jahren deutscher Vizemeister der U 19 war. Nachdem der Frankfurter Sportschüler im vergangenen Jahr in der U 22 noch im Limit bis 71 Kilogramm geboxt hatte und auch zum Auswahlkader gehörte, muss sich die Olympia-Hoffnung in diesem Jahr in der Klasse bis 75 Kilogramm neu beweisen.
Bereits Vater Nico Wendemuth-Schmädicke boxte hier
„Ich hoffe bei ihm mit einem Podiumsplatz. Im vergangenen Jahr musste er verletzungsbedingt aufgeben und wurde Dritter. Dieses Jahr hat er nur wenige Kämpfe bestritten. Zu Jahresbeginn hatte er eine Nasen-Operation, danach hat er sein Abitur gemacht“, informiert der Veranstaltungsleiter.
Tony Schmädicke boxt seit sechs Jahren, seit drei Jahren an der Sportschule. Sein Vater ist Nico Wendemuth-Schmädicke, Betreiber eines Hotels in Eisenhüttenstadt und gleichzeitig einer der Sponsoren dieser Veranstaltung. Einst hatte er ebenfalls für die SG Aufbau geboxt.
Box-Profi René Hübner Vorbild für Kinder und Jugendliche
Tony Schmädicke steht exemplarisch für die jüngste Entwicklung der einhundert Mitglieder zählenden Box-Abteilung der SG Aufbau. Hatten jahrelang auch bedingt durch die benachbarte Erstaufnahmeeinrichtung Kämpfer mit Migrationshintergrund die derzeit 20-köpfige Garde der Eisenhüttenstädter Wettkampf-Athleten dominiert, so beträgt laut Frank von Mersewsky inzwischen der Anteil der Deutschen die Hälfte. Nicht zuletzt auch durch den emsigen langjährigen Profi-Boxer René Hübner, der den Boxsport in dieser Stadt auch unter den deutschen Jugendlichen und Kindern popularisiert hat. René Hübner ist auch offiziell der Trainer von Tony Schmädicke.
Kämpfe in 24 Gewichtsklassen ausgeschrieben
Aufgenommen werden bei der SG Aufbau Interessenten ab neun Jahren, der Verein kann sich sogar unter den Interessenten die Athleten aussuchen. Nicht nur viele in der Vergangenheit schwelgende Eisenhüttenstädter Gewerbetreibende als Mäzene und Sponsoren haben ein Herz für den Boxsport.
Geboxt wird jeweils in zwölf Gewichtsklassen, bei den Frauen ab 45 Kilo bis über 81 Kilo, bei den Männern sind es ab 46 Kilo bis über 92 Kilo. Gekämpft wird über 3x 3 Minuten. Jeder Landesverband darf bis zu drei Athleten pro Limit melden, jedoch sind maximal 16 Boxer je Gewichtsklasse zugelassen. Teilnehmen dürfen auch Athleten ohne deutsche Staatsangehörigkeit, sie müssen jedoch seit mindestens zwei Jahren in der Bundesrepublik leben.
Axel Schulz und Arthur Abraham werden erwartet
René von Mersewsky erhofft sich mehr Besucher als im Vorjahr. „1000 Tickets wie zu den Boxnächten werden wir nicht absetzen, ich hoffe aber bei den Finalkämpfen auf 500 Zuschauer. Schließlich haben wir einen eigenen Boxer dabei und die Starter sind etwas älter.“ Gehofft hatte er auf den U-22-Europameister von 2023 Nikita Putilov, doch der in Frankfurt (Oder) trainierende Superschwergewichtler konzentriert sich auf die Titelkämpfe der Elite. Von den Ehemaligen wäre ein Kommen der Ex-Profis Axel Schulz und Arthur Abraham möglich, Frank von Mersewsky hat diesbezüglich auch den in Eisenhüttenstadt lebenden einstigen Frankfurter ASK-Schwergewichtler Klaus-Dieter Schmid angesprochen.
Finalkämpfe am Freitag und Sonnabend
Am Dienstag (15. Oktober) müssen die Sportler anreisen, am Mittwoch, Donnerstag und Freitag stehen die Vorrunden-Kämpfe an. Geboxt wird jeweils ab 11 Uhr, 15 Uhr und 19 Uhr, wobei am Freitag ab 19 Uhr die Finalkämpfe der Frauen über die Bühne gehen. Am Sonnabend ab 11 Uhr stehen die Finalkämpfe der Herren an. Tickets dafür gibt es nur vor Ort. Die Karte für alle Veranstaltungen kostet 20 Euro. Ansonsten sind jeweils fünf Euro für Tagestickets während der Vorrunden fällig, die Finaltickets kosten jeweils zehn Euro.
Für Imbiss ist laut Frank von Mersewsky ausreichend gesorgt, es wird auch zwei vorbereitete T-Shirts als Souvenir geben. Zu den Endkämpfen werden die Shirts direkt in der Inselhalle bedruckt.

