Bürgermeister im Interview: Ein Radweg nach Rießen ist Dauerwunsch in Siehdichum
Herr Beitsch, was bringt das Jahr 2020 in der Gemeinde Siehdichum?
Nach der Fastnacht stehen im April die Osterfeuer an, die in allen drei Ortsteilen Pohlitz, Rießen und Schernsdorf am Ostersonnabend stattfinden und von der Freiwilligen Feuerwehr begleitet werden. Im Juni feiern wir 100 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rießen in Verbindung mit dem Dorffest unserer Gemeinde, vom 19. bis zum 21. Juni. Zu diesem Fest findet am 20. Juni bei uns auch der Amtsausscheid der Freiwilligen Feuerwehren statt. Dann haben wir noch das Erntefest und das traditionelle Seifenkistenrennen in Schernsdorf. Und in Rießen gibt es im Herbst noch ein Oktoberfest.
Am Gründonnerstag werden wir unseren Gemeinde–Preisskat durchführen, voraussichtlich in Schernsdorf. Wir haben dort für ein halbes Jahr die Gaststätte gepachtet, um zu überprüfen, ob wir sie als Vereinszentrum wirtschaftlich betreiben können.
Was wollen Sie aus der Gaststätte in Schernsdorf machen?
Wir reden seit eineinhalb Jahren darüber, die Gaststätte zu übernehmen und als Vereinszentrum zu betreiben. Wir wollen das jetzt bis August erstmal testen, wollen ermitteln, welche Kosten da auf uns zukommen. Deshalb hat die Gemeindevertretung entschieden, die Gaststätte ab dem 1. Februar für ein halbes Jahr zu pachten. Der Schernsdorfer Ortsbeirat wird dort jetzt mehrere Veranstaltungen durchführen — wir haben ja in Schernsdorf kein Vereinszentrum. Die Schernsdorfer sind da richtig kreativ, haben schon einige Veranstaltungen auf dem Zettel. Es gibt auch Anfragen für private Feiern. Wir als Gemeinde Siehdichum werden dort definitiv keinen Gaststättenbetrieb durchführen — auch wenn es natürlich schön gewesen wäre, wenn sich dort ein Gastronom gefunden hätte. Im Herbst werden wir dann sehen, welche Kosten auf uns zukommen, und werden dann entscheiden, ob wir die Gaststätte kaufen. Die Gemeindevertretung wird dazu eine Entscheidung treffen.
Was bringt dieses Jahr noch?
Zum 1. April werden wir zwei Gemeindearbeiter einstellen, zwei Vollzeitkräfte. Die beiden werden benötigt, um in den drei Ortsteilen für Ordnung zu sorgen. Bei uns sind sehr viel Pflegearbeiten durchzuführen — zum Beispiel auf den Friedhöfen, das Mähen der Rasenflächen auf den Dorfangern und anderswo, das Sauberhalten der Spielplätze. Unsere Gemeindearbeiter machen sehr viel selbst, die notwendige technische Ausrüstung haben wir in allen drei Ortsteilen. Und dann gibt es in diesem Jahr noch ein Jubiläum: 50 Jahre Wasseranschluss in Rießen. Daran werden wir im Rahmen des Dorffestes erinnern.
In diesem Jahr wollen wir unbedingt auch noch unsere Innenbereichssatzung überarbeiten. Das wollten wir eigentlich schon im vergangenen Jahr machen. In den einzelnen Ortsteilen gibt es verstärkt Nachfragen nach Flächen für die Wohnbebauung, aber wir haben keine freien Bauflächen mehr. Unser Ziel ist es, neue Flächen zu gewinnen — der Bau neuer Wohnhäuser ist auch notwendig, um unsere Bevölkerungszahl stabil zu halten.
Wie viel Einwohner hat Siehdichum?
Wir haben derzeit knapp 1600 Einwohner. Vor etlichen Jahren hatten wir um die 1800 Einwohner, zur Gründung der Gemeinde im Jahr 2003. Wir würden die Einwohnerzahl gern steigern, wollen sie aber zunächst nicht kleiner werden lassen.
Welche Investitionen sind in Pohlitz geplant?
In Pohlitz haben wir mit der Rekonstruktion des Gehwegs am Anger begonnen, diese wird 2020 abgeschlossen. Am Kriegerdenkmal sind Instandsetzungsarbeiten geplant und auf dem Friedhof wollen wir die Wege umgestalten. In Bereich der Kita „Fridolin“ wollen wir in Abstimmung mit dem Landesbetrieb Straßenwesen Parkplätze einrichten.
Wichtigster Punkt aber ist der seit langem geforderte Bau eines Radwegs zwischen der Pohlitzer Mühle und Rießen. Das ist eine unendliche Geschichte, seit 15 Jahren kämpfen wir dafür. Der Radweg war mal in der Prioritätenliste des Landes, ist jetzt aber nicht mehr drin. Mit dem damaligen Amtsdirektor Matthias Vogel waren wir deshalb auch beim Landesbetrieb in Hoppegarten, in diesem Jahr wollen wir dort erneut vorsprechen. Der Bau des Radwegs ist vor allem wichtig für die Schulwegsicherung. Wir hoffen, dass für den Abschnitt zwischen der Pohlitzer Mühle und Pohlitz endlich mit den Planungen begonnen werden kann.
Welche Investitionen sind in Rießen geplant?
In Rießen haben wir 2019 die Planung des Neubaus des Dorfgemeinschaftshauses beauftragt und wir wollen auf jeden Fall in diesem Jahr die Bauarbeiten ausschreiben. Das Haus soll hinter dem Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr entstehen, ein Haus mit einem Versammlungsraum und Sozialräumen. Auf dem Fuß– und Radweg ist die Brücke abgesackt, die müssen wir instand setzen. Und der Angerbereich wartet auch noch auf seine Neugestaltung — aber da beraten wir noch, welche Maßnahmen Priorität haben sollen.
Welche Investitionen sind in Schernsdorf geplant?
In Schernsdorf werden wir das Dach des Jägerhauses sanieren. Auch die Brücke an der Ragower Mühle müssen wir in diesem Jahr instand setzen — dort muss auf jeden Fall die Beplankung erneuert werden. Dann haben wir die Planung für die Brücke Kupferhammer — auch diese Brücke muss instand gesetzt werden. Mir wurde aber zugesichert, dass es für die Instandsetzung der Brücke Kupferhammer und die Zuwegung zum Forsthaus eine 100–prozentige Förderung gibt. In diesem Jahr wollen wir dafür die Planung machen und dann 2021/2022 bauen. Außerdem müssen in Schernsdorf noch etliche Straßenlampen auf LED umgerüstet werden.
Wie sieht es derzeit in der Gemeinde Siehdichum mit der Netzabdeckung für den Mobilfunk aus? Welche Defizite gibt es da?
Wir hoffen, dass oberhalb von Pohlitz auf dem Eichenhügel endlich der geplante Funkmast aufgestellt wird, so dass sich der Empfang verbessert. Dann würde endlich auch der Ortsteil Rießen versorgt sein – Teile von Rießen sind noch komplett ohne Mobilfunkversorgung.
Was haben Sie 2019 geschafft?
Wir konnten im vergangenen Jahr die Einfriedung der Friedhöfe abschließen. In Pohlitz ist der Gehweg in der Dorfstraße auf einer Seite komplett gemacht worden. Dann gab es noch viele kleinere Sachen — zum Beispiel haben wir den Gehweg zum Forsthaus Siehdichum repariert. Und an der Brücke in Rautenkranz haben wir ebenfalls die Zuwegung repariert.
Was wurde 2019 nicht geschafft?
Wir hatten für mehrere Vorhaben insgesamt etwa 1 Million Euro in den Haushalt eingestellt — aber diese Vorhaben konnten nicht realisiert werden, weil die dafür nötigen Fördermittel nicht geflossen sind. Ein Beispiel ist die Brücke Kupferhammer mit der Zuwegung zum Forsthaus Kupferhammer. Auch der Parkplatzbau an der Kita war schon für vergangenes Jahr angedacht — aber die anteilige Finanzierung durch den Landesbetrieb Straßenwesen kam noch nicht. Und für die Planung des Radwegs zwischen der Pohlitzer Mühle und Pohlitz hatten wir auch schon Geld in den Haushalt eingestellt.
Warum sollten Menschen in die Gemeinde Siehdichum ziehen?
Wir sind eine sehr gut funktionierende Gemeinde mitten im schönen Schlaubetal. Wir haben viele Vereine mit einem regen Vereinsleben. Wir haben gute Voraussetzungen für junge Familien — zum Beispiel mit unserer Kita „Fridolin“ mit ländlicher Betreuung, wo die Kinder täglich in den Wald gehen. Wir haben in allen drei Ortsteilen die Freiwillige Feuerwehr, die auch das Dorfleben aktiv mitgestaltet. Und für die Senioren wird bei uns auch sehr viel gemacht.
Welche Wünsche haben Sie für Ihre Gemeinde?
Die Zusammenarbeit mit der Amtsverwaltung funktioniert wirklich recht gut. Was wir in der Amtsverwaltung auf jeden Fall brauchen, ist ein starkes Bauamt — ganz konkret eine zusätzliche Personalstelle, damit Bauvorhaben schneller umgesetzt werden können. Da wünsche ich mir, dass der Amtsausschuss einen entsprechenden Beschluss fasst.
Mein größter Wunsch ist aber, dass der Radweg zwischen der Pohlitzer Mühle und Rießen nun endlich gebaut wird — das wünschen sich unsere Bürger in allen drei Ortsteilen. Und ebenso ist der erwähnte Bau des Funkmastes ganz, ganz wichtig. Wenn diese beiden Sachen in den nächsten ein, zwei Jahren endlich realisiert werden könnten, dann wäre ich wirklich froh.


