Erster CSD in Eisenhüttenstadt
: Pride-Party 2024 – alles zum Termin, Programm und Demo

Eine Woche nach dem Outing von Ralf Schumacher wird in Eisenhüttenstadt der CSD gefeiert. Was geplant ist, wer die Veranstalter sind und wie das Sicherheitskonzept aussieht.
Von
Frank Groneberg
Eisenhüttenstadt
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Internationaler Tag gegen Homophobie: 17.05.2024, Hamburg: Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, spricht am Internationaler Tag gegen Homophobie auf dem Rathausmarkt der Hansestadt vor einer Regenbogenfahne zu den anwesenden Demonstrierenden. Um öffentlich auf die Diskriminierung hinzuweisen, der Schwule, Lesben, Trans- oder Intersexuelle vielerorts noch immer ausgeliefert sind, riefen Betroffene den 17. Mai im Jahr 2004 zum Gedenktag aus. Foto: Gregor Fischer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Gemeinsam für Toleranz und Vielfalt: Eine Regenbogenfahne weht am Tag gegen Homophobie in Hamburg. In Eisenhüttenstadt wird der erste CSD mit einer Pride-Party gefeiert. Was ist geplant und wer sind die Veranstalter? (Archivbild)

Gregor Fischer/dpa
  • Erster CSD in Eisenhüttenstadt am 20. Juli 2024.
  • Veranstaltung von lokalen jungen Leuten organisiert.
  • Sicherheit: keine Demo, dafür Pride-Party.
  • Kundgebung und Parade geplant.
  • Ziel: jährlich wiederkehrendes Event.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Beitrag irritiert im Internet: Über eine Seite namens „Lesbischwule Tour“ wird ein CSD – also ein Christopher-Street-Day – in Eisenhüttenstadt angekündigt. Und in den Kommentaren ist sofort von einem „Wanderzirkus“ die Rede und davon, dass da wohl die immer selben Leute in ganz Brandenburg mit ihrem CSD „auf Tour gehen“. Ist das so?

Richtig ist, dass der erste CSD in Eisenhüttenstadt am 20. Juli 2024 gefeiert wird. Richtig ist auch, dass dieser und andere CSDs über die Seite „Lesbischwule Tour“, die vom Brandenburger Verein „Andersartig“ betrieben wird, bekannt gemacht wird. Falsch aber ist die Annahme, der CSD würde im Rahmen einer „Tour“ stattfinden oder gar von außen organisiert.

CSD: Junge Leute aus Eisenhüttenstadt sind die Veranstalter

Denn hinter dem erste „Hütte-Pride“ stehen waschechte Eisenhüttenstädter. Junge Leute, die sich hier engagieren und die in den vergangenen Monaten drei Klimaschutz-Demos und zwei Protestaktionen gegen Rechtsextremismus organisiert haben. Auf Instagram informieren sie auf ihrem Profil „huette.mach.was“ über ihre Aktionen.

„Wir wurden gefragt, ob wir Demos zu weiteren Themen planen“, erzählt Lisa Reichelt, eine von ihnen. Die Idee, einen CSD zu veranstalten, sei schnell entstanden – mehrere der jungen Leute gehören zur sogenannten queeren Community, zur LGBT-Gemeinschaft. Sie sind also lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell oder fühlen sich gar keinem Geschlecht zugehörig.

CSD in Eisenhüttenstadt 2024: Entscheidung gegen eine Demo

„Ein CSD würde also mehrere von uns betreffen“, sagt Lisa. „Da haben wir uns gesagt: Dann machen wir das mal.“ Erst Ende Juni hätten sie mit der Planung begonnen. Und lange über das „Wie“ diskutiert. Warum?

„Die Frage war: Machen wir eine Demo? Wäre das in Eisenhüttenstadt sicher genug?“ Letztlich hätten sie sich bewusst gegen einen Demonstrationszug entschieden. Aus welchem Grund? Aus Gründen der Sicherheit. Konkret, „um nicht mögliche zusätzliche Negativ-Reaktionen hervorzurufen“, erklärt Lisa. Stattdessen werde eine bunte Party gefeiert.

Die Veranstalter wollen also mögliche Provokationen von Menschen, die ihr Anliegen nicht teilen, vermeiden. Gänzlich werden sie aber nicht darauf verzichten, ihre Botschaften öffentlich zu äußern. Begonnen wird der CSD deshalb mit einer Kundgebung vor dem Rathaus.

Pride-Parade vom Rathaus zur Insel in Eisenhüttenstadt

Die kurze Kundgebung beginnt um 15 Uhr. Anschließend laufen die Teilnehmer in einer bunten Pride-Parade vom Rathaus zur Insel. Sowohl die Kundgebung als auch der Umzug sind als politische Versammlung für die Rechte der LGBT-Gemeinschaft angemeldet. Die Polizei wird beides begleiten und absichern. Und danach?

Pride-Party mit offener Bühne in Eisenhüttenstadt

Danach wird auf der Insel – auf der Wiese neben dem Inselbad – eine Pride-Party gefeiert. Angemeldet worden ist die Veranstaltung vom Club Marchwitza, in dem Lisa und weitere Mitglieder der Gruppierung ehrenamtlich aktiv sind.

Auf der Party wird es viel Musik geben, und zwar nicht nur vom Band: Eine offene Bühne steht allen offen, die sich und ihr musikalisches Können präsentieren möchten. Die Polizei wird die Party auf ihren Streifenfahrten im Blick haben.

Auch einige kurze Redebeiträge und Info-Stände sind geplant. Vor allem aber soll bis 22 Uhr getanzt und gefeiert werden, betont Lisa. Und: „Mitfeiern darf jeder, der das möchte.“ Ganz egal, ob er oder sie sich zur LGBT-Gemeinschaft zugehörig fühlt oder nicht.

Der CSD findet genau eine Woche nach dem Outing des früheren Formel-1-Fahrers Ralf Schumacher statt. Ein Glücksfall? Auf jeden Fall ein schöner zeitlicher Zufall, findet Lisa. Das Beispiel Ralf Schumacher könnte anderen Menschen Mut machen, sich zu ihrer Homosexualität zu bekennen.

CSD in Eisenhüttenstadt künftig in jedem Jahr

Wie viel Teilnehmer werden erwartet? „Zwischen unserer schlechtesten Klima-Demo und unserer besten Demo gegen Rechts ist alles möglich“, sagt die Eisenhüttenstädterin und lacht. Also irgendwas zwischen fünf und 300.

Aber egal, wie viel es sein werden – die Veranstalter blicken bereits auf die kommenden Jahre. „Wir möchten künftig jedes Jahr einen CSD organisieren“, betont Lisa. „Bisher mussten wir immer in andere Städte fahren, um den CSD zu feiern. Darauf haben wir keine Lust mehr!“