Ab Februar 2018 hatte Regisseur Bernd Böhlich 24 Tage lang diesen "ungewöhnlichen Film mit ungewöhnlich guten Schauspielern" (O-Ton Böhlich) produziert – unter Mitwirkung vieler Bürger aus dem Landkreis als Komparsen – an historischen Orten und Plätzen in Eisenhüttenstadt, wie etwa dem alten Klinikum oder dem Rathaus.
"So etwas gibt es bei uns nicht alle Tage", freute sich dann auch Brigitte Frenkel (65) aus Eisenhüttenstadt auf die Premiere. Bei den Dreharbeiten spielte sie als Komparse eine Krankenschwester in der alten Klinik. "Ich trug ein Häubchen, eine Krankenschwestern-Tracht und musste im Hintergrund mit Akten durch das Bild laufen", erinnert sich die frühere Sportlehrerin.
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Vom Alter her war den meisten Premieren-Besucher das historische Zeitfenster 1952/53, das der Film behandelt, fremd. Es sei denn, sie waren Kinder gewesen und hatten dennoch kaum etwas über die politischen Verhältnisse in der Sowjetunion unter Stalin erfahren. Entsprechend gespannt war das Publikum.
"Wir haben viele Tage und Wochen an diesem besonderen historischen Ort verbracht und herausgekommen ist ein Film, auf den wir alle sehr stolz sind", begrüßte Bernd Böhlich die Zuschauer im Theatersaal, der auch als Kulisse für einen Teil der Handlung gedient hatte. "Ohne ihre Stadt gäbe es diesen Film nicht", bedankte er sich bei den Eisenhüttenstädtern."
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Kurz nach 19 Uhr dann die Aufführung. Es wurden 108 beklemmende Minuten Vergangenheitsbewältigung der jungen DDR. Ein leiser, aufwühlender Film, den die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) in Wiesbaden mit dem Prädikat "Besonders wertvoll" ausgezeichnet hat. Böhlich, urteilte die Jury unter anderem, habe "die Charaktere seines Dramas mit großer Stille umgeben. Und genau diese Stille lässt deren Verlorenheit geradezu spürbar werden."
Stille im Publikum
Ganz still blieb auch das Premieren-Publikum – auch noch, als der Abspann lief. Niemand erhob sich. Zumal Regisseur, Schauspieler und Produzenten noch auf Zuschauerfragen eingehen wollten. Da der Film zuvor auf einigen Festivals gezeigt worden war, wurde Regisseur Bernd Böhlich unter anderem gefragt, wie bisher die Publikums-Resonanz war. "Wir waren am Sonnabend auf einem Festival in Ludwigshafen am Rhein. Ich fand es sehr spannend, dass man dort auf großes Interesse und Offenheit stößt, wenn es darum geht, wie dieses kleine Land DDR einmal begonnen hat. Das hat mich sehr berührt. Das war in Emden in Ostfriesland ähnlich: Dass Menschen noch bereit sind, neu zu denken." Wenn man die DDR nur vom Ende her denke, so Böhlich, dann reduziere sich das Ganze auf Staatssicherheit und Doping, und man frage sich, was das für ein komisches Gebilde gewesen sei? Er glaubt, "man muss die DDR vom Anfang her denken (starker Applaus). Damit will ich nichts von den Verfehlungen und Irrtümern relativieren, aber man tut diesem Gesellschaftsentwurf furchtbar Unrecht, wenn man ihn von Anfang an nur mit negativen Dingen belastet", findet er.