Dok-Zentrum: Eine Reise ins Unbekannte

Telefonieren ohne Smartphone: Emely (v.l.), Pia-Marie und Marie fanden die Telefonzelle im Dokumentationszentrum in Eisenhüttenstadt mächtig interessant.
Janet NeiserZumindest die zehnjährige Emely war erstaunlich gut informiert, was die DDR betrifft. Während andere in ihrem Alter die drei Buchstaben gar nicht einordnen können, wusste sie sofort, dass es sich dabei um ein Land handelt, das mittlerweile von der Landkarte verschwunden ist. "Ich finde das alles interessant“, betonte das Mädchen bei einer Pause, bei der es zur Stärkung einen leckeren Muffin gab. Über die DDR werde daheim immer mal wieder gesprochen. „Oma, Opa und Mama erzählen manchmal darüber, wie das damals so war“, sagt sie. Insofern war das Dok-Zentrum eine richtige Fundgrube für sie.
„Die Emely war richtig fit für ihr Alter“, staunte auch Axel Drieschner, Kurator des Dokumentationszentrums. Das sei aber eher selten. Schon vor einigen Jahren hatte sich der Historiker dafür ausgesprochen, dass die Zusammenarbeit des Dok-Zentrums mit den regionalen Schulen vertieft wird: „Wir müssen denen klar machen, dass sie nicht nach Berlin ins DDR-Museum fahren müssen, um etwas über die DDR-Geschichte zu erfahren.“ Bedarf sah und sieht er da allemal. Viele Jugendliche wüssten zum Teil so gut wie nichts mehr über die DDR. Manche hätten weder im Unterricht noch zu Hause etwas von der Zeit von 1949 bis 1990 gehört.
Aus diesem Grund bietet das Dok-Zentrum unter anderem Schülerprojekttage an. Die dort vermittelten Inhalte könnten an die Fächer Geschichte, Politische Bildung, Wirtschaft, Geographie, Kunst, Leben – Ethik – Religion sowie Religion angeknüpft werden. „Das Angebot zielt auf eine problemorientierte Vermittlung und selbstständige Erarbeitung von Kompetenzen und Faktenwissen zu zentralen Fragestellungen der Gesellschafts-, Alltags- und Kulturgeschichte der DDR“, teilt das Haus mit.
Um sich weitere Zielgruppen zu erschließen, hat das Dok-Zentrum in diesem Jahr, dem 30. Jahr des Mauerfalls, auch erstmalig an dem vom Stadtteilbüro „offis“ organisierten Ferien-Diplom teilgenommen. Eine Wiederholung scheint nicht ausgeschlossen.
Von den anderen, etwas jüngeren Mädchen, berichtet Pia-Marie derweil, dass sie ihre Mama gefragt habe, ob sie in den Ferien mal in das offensichtlich interessant aussehende Museum in der Erich-Weinert-Allee gehen darf. Sie durfte und hat einiges gelernt – über die deutsche Geschichte.
In den Räumen war einiges los
„Wir sind durch die verschiedenen Räume gegangen“, sagt Sandra Seidel. Kissen waren immer dabei. Die wurden nämlich als Sitzgelegenheiten auf den Boden gelegt und dann sahen sich die Kinder ganz relaxt bestimmte ausgewählte Ost-Utensilien genauer an. Der Besucherverkehr lief nebenbei weiter. An diesem Tag war einiges los – sowohl in der Dauerausstellung zum DDR-Alltag als auch in der Bauhausausstellung.
