Feine Sahne Fischfilet in Berlin: Von der ostdeutschen Provinz in den Mainstream

Spielt mit seiner Band Feine Sahne Fischfilet in der Berliner Wuhlheide: Jan Gorkow alias Monchi
Florian Wieser/dpa/APA- Feine Sahne Fischfilet startete in der ostdeutschen Provinz und gehört heute zu den erfolgreichsten Bands Deutschlands.
- Die Band ist bekannt für ihre antifaschistische Haltung und politischen Texte.
- 2018 gelang der Durchbruch mit dem Album "Sturm & Dreck", Platz 3 in den deutschen Charts.
- Neues Album "Wir kommen in Frieden" erscheint am 30. Mai 2025.
- Zusatzkonzert in Berlin am 22. Dezember 2025.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wo sich Feine Sahne Fischfilet ankündigen, sind Konzertkarten meist schnell ausverkauft. Egal, ob es um riesige Festivals wie Rock am Ring geht, oder eigene Gigs, wie die anstehende Show der Band in der Berliner Wuhlheide. In letzterem Fall sogar „ohne dass wir auch nur ein einziges Poster aufhängen mussten“, wie die Band um Sänger Jan Gorkow alias Monchi in die Sozialen Netzwerken anmerkt.
Kein ungerechtfertigter Stolz, schließlich war der Weg in die Wuhlheide weit. Feine Sahne Fischfilet starten dort, wo man als Band nicht auf die große Karriere hoffen kann: in der ostdeutschen Provinz. Genauer in Demmin, irgendwo zwischen Rostock und Greifswald. 2004 war das. Die Gründungsmitglieder sind damals noch Schüler. Und für Jungs, die schrammeligen Punk spielen wollen, bieten die frühen Nullerjahre in Mecklenburg-Vorpommern widrige Umstände.
Es genügte schon, nicht rechts zu sein, um als „Zecke“ zu gelten
„Auf dem Pausenhof standen Neonazis und haben CDs verteilt“, erinnert sich Sänger Monchi 2015 in einem Porträt der Süddeutschen Zeitung zurück. Die NPD zieht damals in den Schweriner Landtag ein. Man muss sich nicht politisch engagieren, es genügt schon, nicht rechts zu sein, um als „Zecke“ zu gelten. Ein Label, das auch Feine Sahne Fischfilet angeheftet wird, obwohl sie anfangs „einfach Bock auf Mucke“ haben. Doch als Neonazis ihren Konzerten in Gemeinderäumen und kleinen Clubs auflauern, bekennt die Band Flagge.
Fortan tritt sie bewusst als antifaschistische Band auf. Zu Hymnen auf billiges Bier gesellen sich Songs, in denen sie ihre Wut über Faschos, Polizeigewalt und Perspektivlosigkeit herausbrüllt. Ihre Alben „Wut im Bauch, Trauer im Herzen“ (2010) und „Scheitern und Verstehen“ (2012) machen sie zur Gallionsfigur der antifaschistischen Musikszene.
Es sind laute und chaotische Jahre für Feine Sahne Fischfilet. Jahre, in denen die Gruppe auch mal über das Ziel hinausschießt. Etwa als sie im Vorfeld einer NPD-Demonstration 2010 in Rostock das Foto eines Plakats teilt, das in Anlehnung an Club-Mate einen gewissen „Club-Molli“ bewirbt – inklusive Anleitung zum Bau eines Molotow-Cocktails. Auch in ihren Texten tritt die Band wenig nuanciert auf, wenn sie etwa in „Staatsgewalt“ singt: „Die Bullenhelme, sie sollen fliegen. Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein.“
Mehr Zeilen zu Feine Sahne Fischfilet als den NSU
Der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern erkennt darin eine explizit „anti-staatliche Haltung“ und nimmt die Musikgruppe 2011 in ihren Verfassungsschutzbericht auf. Nicht nur Fans wundern sich damals allerdings, warum die Sicherheitsbehörde der Band darin mehr Zeilen widmet als dem NSU, trotz des Mordes an Mehmet Turgut in Rostock.
Drei Jahre in Folge wird Feine Sahne in den Verfassungsschutzbericht aufgenommen. In ihrer Heimat bekommt die Gruppe dadurch gelegentlich Schwierigkeiten, etwa in Form verschreckter Veranstalter. Überregional jedoch erlangt sie selbst bei jenen Bekanntheit, die wenig bis nichts mit Punkrock aus Norddeutschland am Hut haben.
Einen Abbruch der Karriere bedeutet dieses inzwischen geschlossene Kapitel in der Bandgeschichte nicht. Im Gegenteil. Im Jahr 2018 gelingt Feine Sahne Fischfilet mit dem Album „Sturm & Dreck“ der endgültige Durchbruch. Die Platte erreicht Platz 3 in den deutschen Charts. Das Album, das sich inhaltlich stark dem Thema der Heimatverbundenheit verschreibt, markiert auch einen Emanzipationsschritt der Musikgruppe. Ihre Texte sind zwar weiter wütend und politisch, jedoch intelligenter, subtiler. Statt Nazis verbal direkt auf die Fresse zu hauen, wird Zusammenhalt gegen Rechts beschworen.
Monchi, einst Hansa-Ultra, ist heute Bestsellerautor
Heute ist Feine Sahne Fischfilet in den vorderen Reihen der deutschen Musiklandschaft angekommen. Die Nordpunker teilen sich längst die Bühnen mit kommerziellen Pop-Acts. Monchi, einst Ultra bei Hansa Rostock, ist heute Bestsellerautor. Das wirft die Frage auf: Ist authentischer Aktivismus auch im Mainstream noch möglich?
Im Fall von Feine Sahne Fischfilet scheint die Antwort zu lauten: Ja. Die Musiker nutzen ihre Popularität mehr denn je, um Themen wie Seenotrettung, Rechtsextremismus oder strukturelle Armut im Osten auf die Agenda zu setzen. Sie engagieren sich für und mit Bündnispartnern aus Zivilgesellschaft und Kultur.
Dass sie dies inzwischen auf großen Bühnen wie der Wuhlheide in Berlin tun, mag Szene-Puristen übel aufstoßen. Doch auch als Headliner verstehen sich Monchi & Co. weiterhin vor allem als eines: „Antifaschisten, die Mucke machen“.
Neues Album und Live-Termine von Feine Sahne Fischfilet
Am 30. Mai 2025 erscheint mit „Wir kommen in Frieden“ das neue Album von Feine Sahne Fischfilet. Release-Konzerte zum Album finden in Braunschweig (31.5.), Flensburg (1.6.) und Magdeburg (2.6.) statt. Tickets für die Show gibt es hier.
Das Konzert in der Berliner Wuhlheide von Feine Sahne Fischfilet am 19. Juli 2025 ist zwar ausverkauft, am 22. Dezember 2025 spielt die Band jedoch ein Zusatzkonzert in der Max-Schmeling-Halle in Berlin. Tickets gibt es hier.


