Zwei Monate länger als gedacht
Nun gibt es eine kleine Verschiebung: "Ich muss ja noch aufräumen", sagt Regina Richter-Piehl mit einem Schmunzeln. Ihr Vertrag läuft nun noch bis Ende Februar 2020. Dann ist definitiv Schluss.
Die Stadtverwaltung Eisenhüttenstadt hatte sich bislang sehr zurückgehalten, was die Personalie in dem kommunalen Haus angeht. Dann tauchte im Oktober eine Stellenausschreibung auf – sowohl in Print als auch im Internet, unter anderem auf der Stadtseite. Dort heißt es: "Die Stadt Eisenhüttenstadt stellt zum nächstmöglichen Termin einen Leiter des Friedrich-Wolf-Theaters ein." In einer detaillierten Online-Stellenbeschreibung ist dann auch etwas mehr zu erfahren: Es handele sich um eine unbefristete Stelle und um eine 40-Stunden-Woche. "Der Theatersaal und das Rangfoyer, denkmalgerecht saniert im Charme der 60er-Jahre, sowie die Kleine Bühne im modernen Ambiente ziehen jährlich als Spielorte mit über 100.Veranstaltungen zirka 30.000.Besuchern an. Das abwechslungsreiche und generationsübergreifende Programm reicht von Theateraufführungen über Tanzshows, Musicals und klassischen Konzerten bis hin zu Comedy, Schlager und Volksmusik", heißt es dort. Zudem wirbt die Stadt in der Ausschreibung mit den Eigenproduktionen "Schneemann Snowy" und "Tanzwoche".
Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 25. Oktober, der ist an diesem Freitag. Nach Angaben von Martina Harz, Fachbereichsleiterin für Bürgerdienste und Kultur, sind die ersten schriftlichen Bewerbungen eingegangen. Der neue Chef oder die neue Chefin wird dann Kopf eines achtköpfigen Theater-Teams sein. Das Friedrich-Wolf-Theater erhält von der Stadt einen jährlichen Zuschuss von 510.300 Euro.
An beiden Zahlen hat sich seit 2012 einiges geändert. Beim letzten Führungswechsel im Friedrich-Wolf-Theater hatte dieses noch 12,6 Stellen. Der jährliche Zuschuss lag bei 630.000 Euro.
Was das Führungspersonal angeht, so hat das Theater bewegte Zeiten hinter sich. Im Jahr 2009 kündigte Isabell Rosenmüller (ehemals Dobisch-Döhmer) nach zehn Jahren auf dem Chefsessel. Zwischen ihr und dem Rathaus, zu diesem Zeitpunkt war Rainer Werner (SPD) Bürgermeister, hatte es mehrere Monate mächtig geknirscht. Auf die damalige Stellenausschreibung gab es 26 Bewerbungen. Nachfolger von Isabell Rosenmüller war ab September 2009 Steffen Kaye. Er hatte einen Zweijahresvertrag, managte die Wiedereröffnung des Theaters nach vierjähriger Sanierung. Doch Kaye, der bereits zu DDR-Zeiten im Kulturbereich der Stahlstadt tätig war, fiel ab August 2010 krankheitsbedingt aus. Sein Vertrag wurde nicht verlängert, die Leitungsstelle ab Januar 2012 ohne Ausschreibung mit Regina Richter-Piehl besetzt, die bis dato Stellvertreterin war. Nun steht das nächste Kapitel an.

Die Historie des Hauses


Baubeginn für das Theater, das nach den Plänen von Peter Schweizer, Hermann Enders und Hans Klein errichtet wurde, war 1953, in dem Jahr in dem die Wohnstadt den Namen Stalinstadt bekam. Im März 1955 fand die Einweihung statt. Von der geplanten Haupt- und Geschäftsstraße war damals so gut wie nichts zu sehen. Um so mehr staunten Besucher über das an einen klassizistischen Tempelbau erinnernde Kulturhaus "Friedrich Wolf", in dem es fortan Kino, Theater und Konzerte gab. Nach der Hüllensanierung des Einzeldenkmals im Jahr 2002 folgten 2006 bis 2010 Innensanierung und Umbau. In dieser Zeit blieb das Friedrich-Wolf-Theater, das als eines der wichtigsten Bauwerke aus der Aufbauzeit der DDR gilt, geschlossen. Jetzt hat das Multifunktionshaus nur noch 711 statt 738 Plätze. ja