Fußball in der Corona-Krise
: Müllroser Trainer fordert Lockerungen

Fußball-Landesklasse-Vertreter Müllroser SV wendet sich gegen die aktuelle Eindämmungsverordnung in Brandenburg.
Von
Hubertus Rößler
Müllrose
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Findet nicht nur an der Seitenlinie klare Worte: Dirk Herrgoß ist seit zwei Jahren Trainer der Landesklasse-Mannschaft des Müllroser SV. Der 51-Jährige läuft außerdem für die Altherren des 1. FC Frankfurt auf.

Michael Benk

„Diesen Zeitraum finden wir unverhältnismäßig lang. Ich habe diese Woche gelesen, dass in Nordrhein-Westfalen dreißig Personen mit Kontakt miteinander Sporttreiben dürfen. Da frage ich mich doch: Wenn es dort geht, wo wesentlich mehr Corona-Infektionen nachgewiesen wurden als bei uns, warum wird es bei uns nicht erlaubt? Hätten wir jeden Tag fünfzig Fälle in der Region, würde ich so einen Text doch nicht verfassen. Auch in anderen Bundesländern wie Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, die direkt an Brandenburg angrenzen, ist Sport mit Kontakt wieder erlaubt. Wieso dann nicht zwei Kilometer weiter bei uns? Damit bin ich nicht einverstanden“, sagt Herrgoß.

Ihm gehe es nicht darum, die Krankheit in Frage zu stellen. „Ich bin kein Verschwörungstheoretiker oder so etwas und ich akzeptiere auch alle Richtlinien zur Eindämmung des Virus. Mir geht es darum, dass der Zeitraum der neuen Verordnungen einfach unverhältnismäßig lang ist. Daher hoffe ich, dass das zuständige Ministerium in Potsdam noch einmal über seine Vorgaben nachdenkt“, sagt der 51-Jährige, der als Lehrer in Wriezen arbeitet.

Dort habe er auch schon positive Resonanz auf sein Schreiben erhalten. Und auf Facebook, wo er gemeinsam mit seinem Sohn Marvin Herrgoß, Trainer bei Kreisligist Hertha Neutrebbin, den flammenden Appell ebenfalls veröffentlicht hat, wurde der Beitrag schon mehr als einhundertmal geteilt und zustimmend kommentiert. „Mein Sohn hat am Donnerstag im Ministerium telefonisch nach drei Weiterleitungen jemanden erreicht, der ihm sagte, dass etwas möglich sei, wenn sich genügend Vereine melden würden“, berichtet Dirk Herrgoß.

Vorbereitung Mitte Juli hinfällig

„Mitte August soll normalerweise die neue Saison beginnen und Mitte Juli würde die Vorbereitung starten. Das wäre dann alles hinfällig. Je mehr Vereine sich mit einer kurzen Mail an das Ministerium wenden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Entscheidung überdacht wird“, erklärt Herrgoß und fordert alle Fußballvereine dazu auf, eine E-Mail an die Pressestelle des Ministeriums (pressestelle@mbjs.brandenburg.de) zu senden. „Wir wollen nicht demonstrieren, sondern einfach auf unsere Lage hinweisen“, spricht der Trainer vielen Fußballern aus der Seele.

Landesligist FSV Brieske/Senftenberg stellt fünf Fragen an die Ministerin

Unabhängig vom Müllroser SV und von Hertha Neutrebbin hat Süd-Landesligist FSV Glückauf Brieske/Senftenberg ein Schreiben an den Landtagsabgeordneten Wolfgang Roick geschickt, der fünf Fragen des Vereins zur aktuellen Eindämmungsverordnung an die Ministerin Ursula Nonnemacher überbringen soll.

Mit welcher Begründung wird ein so langer Zeitraum abgesteckt ohne weitere Veränderungen angehen zu wollen?

Warum dürfen  Fußballer in anderen Bundesländern, die im Gegensatz zu Brandenburg eine Mehrzahl an bestätigten Corona-Fällen haben, wieder Kontakt-Sport betreiben und Brandenburg nicht?

Wie erklären Sie zum Beispiel Kindern, die mit Gegenspielern auf Schulbänken sitzen, dass Sie nicht gegeneinander spielen dürfen?

Auch kritisiert der FSV, dass Planungen wie Staffeleinteilungen und Rahmenterminpläne nicht angegangen werden können. Was muss getan werden, um einen Spielbetrieb wieder aufzunehmen?

Ist bei den aktuell niedrigen Infizierten-Zahlen eine zweimonatige Kontaktbeschränkung im Fußball sinnvoll? ⇥red