Die Oderflut vor fast 24 Jahren ist in Ostbrandenburg noch gut in Erinnerung. Die Menschen, deren Häuser und Betriebe damals von den Wassermassen überflutet und oft schwer beschädigt worden waren, schauen sich heute besonders fassungslos die Bilder aus den Katastrophengebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Fernsehen an. Noch frisch ist die Erinnerung nicht nur an das Hochwasser 1997, sondern auch an die große Hilfe, die damals aus ganz Deutschland nach Ratzdorf und Wiesenau, in die Ziltendorfer Niederung und nach Brieskow-Finkenheerd floss. Und jetzt ist es ihnen ein Bedürfnis, den Betroffenen der Unwetterkatastrophe im Westen zu helfen.

Betroffene von 1997 wollen jetzt etwas zurückgeben

„Das Hochwasser 1997 war schlimm, ganz klar“, sagt Jörg Fiedler aus Groß Lindow, „aber die Bilder, die wir jetzt sehen, die sind in meinen Augen noch viel schlimmer. Die Menschen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat es noch viel schlimmer getroffen.“ Der Vorsitzende des Amtsausschusses im Amt Brieskow-Finkenheerd ist hörbar bewegt, als er das sagt. „Wir alle hier sind emotional sehr betroffen“, erklärt er. „Wir hatten damals nur materielle Schäden erlitten, die waren reparabel – aber Menschenleben sind nicht wiederzubringen.“
Alles unter Wasser: Blick auf die Thälmann-Siedlung in der Ziltendorfer Niederung während der Oderflut 1997 (Archivbild)
Alles unter Wasser: Blick auf die Thälmann-Siedlung in der Ziltendorfer Niederung während der Oderflut 1997 (Archivbild)
© Foto: Winfried Mausolf
Dass sie den Überlebenden, die oft ihr gesamtes Hab und Gut verloren haben, nun helfen wollen, sei selbstverständlich, betont Jörg Fiedler. „1997 haben wir ganz viel Hilfe bekommen, vor allem die Menschen in Wiesenau und der Ziltendorfer Niederung. Wir sind uns einig: Wir wollen jetzt etwas zurückgeben. Und deshalb rücken jetzt alle Gemeinden zusammen im Amt.“
Wir – das sind unter anderem der Amtsausschuss mit den Bürgermeistern aller Gemeinden im Amt Brieskow-Finkenheerd und Amtsdirektor Dirk Wesuls. In dieser Woche haben sie sich zusammengesetzt und gemeinsam eine Spendenaktion initiiert. Gemeinsam rufen sie dazu auf, Geld zu spenden für die Opfer der Unwetterkatastrophe. „Mit Geldspenden hilft man am besten“, weiß Jörg Fiedler, „das Geld wird direkt dorthin kommen, wo es gebraucht wird. Das garantieren wir.“

Mit den Spenden werden Hilfsprojekte direkt unterstützt

Das Amt Brieskow-Finkenheerd hat für die Hilfsaktion ein Spendenkonto eingerichtet, für Einzahlungen auf das Konto können auch Spendenquittungen angefordert werden. Außerdem werden die Bürgermeister Björn Brinkmann, Niels-Hagen Giesa, Danny Langhagel, Horst Siebke und Karsten Wolff in ihren Gemeinden Geldspenden sammeln. „Unsere Aktion läuft bis zum 30. September“, informiert Jörg Fiedler. „Wir nehmen Kontakt auf zu Gemeinden im Katastrophengebiet und suchen dann Projekte aus, die wir ganz konkret unterstützen möchten mit dem Geld.“

Spendenkonto Hochwasserhilfe

Landkreis Märkisch-Oderland
IBAN: DE39 1705 4040 0020 0662 95
Stichwort: Spenden Hochwasserhilfe 2021
Der gemeinsame Spendenaufruf der Bürgermeister und des Amtsausschusses, des evangelischen Kirchensprengels, des Amtsbrandmeisters und der Notfallseelsorgerin ist am Donnerstag (22. Juli) auf der Internetseite des Amtes veröffentlicht worden. Dort ist auch die Kontonummer des Spendenkontos veröffentlicht. Außerdem haben die Genannten in Namen aller Einwohner des Amtes ein sehr emotionales Schreiben an alle von der Katastrophe betroffenen Bürger, Gemeinden, Vereine und Unternehmungen verfasst, mit dem sie ihnen gegenüber ihr tiefes Mitgefühl ausdrücken, ihnen Trost spenden, ihnen Mut, Kraft und Durchhaltevermögen für den Wiederaufbau wünschen und ihnen Hilfe zusichern. „Den Brief haben wir gemeinsam formuliert“, sagt Jörg Fiedler, „und Sie können mir glauben: Es war nicht einfach, die richtigen Worte zu finden für die Menschen dort.“

Auch Neißemünde richtet Spendenkonto ein

Auch die Gemeinde Neißemünde im Amt Neuzelle hat ein Spendenkonto eingerichtet. Die Gemeinde war vom Oderhochwasser 1997 ebenfalls stark betroffen. „Das Oderhochwasser 1997 ist uns allen noch bewusst“, heißt es in einer am Mittwoch (21. Juli) auf der Internetseite des Amtes veröffentlichten Mitteilung, in der auch das Spendenkonto bekanntgegeben wird. „Viele erinnern sich an die Hilfe, die die Menschen in unserer Region bekommen haben, und möchte nun den Betroffenen der Flutkatastrophe mit einer Geldspende helfen.“ Das gespendete Geld werde direkt in die betroffenen Regionen weitergeleitet.
Über Stege auf den heimischen Hof: Ein Grundstück in der Lindenstraße in Ratzdorf ist im Juli 1997 überflutet. (Archivbild)
Über Stege auf den heimischen Hof: Ein Grundstück in der Lindenstraße in Ratzdorf ist im Juli 1997 überflutet. (Archivbild)
© Foto: Gerrit Freitag
Der größte Arbeitgeber der Region, ArcelorMittal, reiht sich ebenfalls ein in die große Schar jener, die den Menschen im Westen helfen wollen. Am Donnerstag (22. Juli) gab ArcelorMittal Deutschland bekannt, 50.000 Euro zu spenden. Durch die Spende sollen in Not geratene Menschen entlastet und stark zerstörte Städte unterstützt werden. „Wir alle sind schockiert von den erschreckenden Ausmaßen dieser Verwüstung mitten in Deutschland“, betonte Frank Schulz, Vorsitzender der Geschäftsführung der ArcelorMittal Germany Holding. „Unser Mitgefühl gilt vor allem den Menschen, die Angehörige und Freunde verloren haben, aber natürlich auch denjenigen, die jetzt unter den Folgen der Zerstörung leiden.“ 10.000 Euro gehen als Direktspende in die Stadt Altena in NRW. Das Bündnis „Aktion Deutschland hilft“ erhält 40.000 Euro.
Spendenkonto Amt Brieskow-Finkenheerd: IBAN DE19 17055050 2000 0000 80, Kontoinhaber: Amt Brieskow-Finkenheerd
Spendenkonto Neißemünde:
IBAN: DE06 1705 5050 2000 5704 80, Kontoinhaber: Gemeinde Neißemünde, Verwendungszweck: Hochwasserhilfe 2021
Wie Brandenburg den Unwetter-Opfern hilft, lesen Sie auf unserer Themenseite.