Hund in Eisenhüttenstadt: Drei Jahre im Tierheim – Charly punktet auf den zweiten Blick

Kommt mit Charly sehr gut zurecht: Tierheim-Mitarbeiterin Lisa-Marie Sommer. Als Herdenschutzhund-Mischling ist der Rüde zu fremden Personen erst einmal recht unzugänglich.
Jana FeisterEigentlich ist Charly als Herdenschutzhund-Mischling dazu bestimmt, seine Schafe vor Wölfen, Schakalen oder auch Bären zu schützen. Und das vor allem in Momenten, wo Herrchen gerade nicht da ist. Das verlangt von Herdenschutzhunden viel selbständiges Handeln und in bedrohlichen Situationen mitunter auch ein lautes und vor allem auch ausgeprägtes Imponiergehabe. Denn um sein Revier zu verteidigen, möchte der Herdenschutzhund gehört und gesehen werden.
Doch in einem Tierheim ist ein Herdenschutzhund wie der sechsjährige kastrierte Mischlingsrüde Charly fehl am Platz. Dort gibt es für ihn nichts zu verteidigen, dort ist kein eigenständiges Agieren gegen unbefugte Eindringlinge gefragt. Vielmehr wollen die Besucher eher einen lieben Hund, der zu ihnen freundlich ist und sich gegebenenfalls auch mal streicheln lässt.
Aber der 65 Zentimeter große und 35 Kilogramm wiegende Charly ist laut Tierheimleiterin Jana Feister nicht ganz einfach. Daher sei er vor drei Jahren auch ins Tierheim abgegeben worden. Da dieser Rüde die typischen Eigenschaften eines Herdenschutzhundes habe, sehen ihn fremde Besucher nur mit Maulkorb beziehungsweise bekommen ihn erst gar nicht zu sehen. „Mit den eigenen Menschen ist Charly ein absolut loyaler Hund, der mit seinen Menschen Pferde stehen würde“, betont die Tierheimleiterin.
Hund Charly wartet seit drei Jahren auf ein neues Zuhause
Seit sage und schreibe drei Jahren wartet nun Charly vergeblich auf ein neues Zuhause. „Wenn wir uns recht erinnern, hatte Charly in den drei Jahren bei uns keine einzige Anfrage. Das kann doch nicht wahr sein!“, erklärt Jana Feister. Dabei gehe Charly sehr gut an der Leine spazieren, liebe auch Streicheleinheiten mit ihm bekannten Personen. „Vor allem Wasser ist sein Element. Jeden Sommer plantscht er ausgiebig im Hundepool oder geht mit Gassi-Gängern zum See“, sagt Jana Feister.
Gegenüber Artgenossen reagiere er je nach Sympathie unterschiedlich. Mit Katzen und Schafen habe er sich laut Jana Feister bislang verträglich gezeigt.
Hund Charly punktet erst auf den zweiten Blick
Bei so vielen positiven Eigenschaften ist es eigentlich recht unverständlich, warum Charly in all den Jahren noch keinen Adoptanten gefunden hat. Vielleicht liege das laut Jana Feister daran, dass Charly kein ausgesprochen schöner Hund sei. Das jedenfalls habe sie oft von Besuchern vernommen. Das sei eigentlich sehr schade.
Wie bei vielen anderen Lebewesen auch, ist das Gute oft nicht auf Anhieb zu erkennen. Dabei hat es sich Charly laut Jana Feister verdient, dass endlich jemand bereit ist, sich intensiver mit diesem Herdenschutzhund zu beschäftigen.

