Tierheim Eisenhüttenstadt: Als Retterin von Hund und Katze zum TV-Liebling

Nimmt regelmäßig auch Wildtiere auf: Tierheimleiterin Jana Feister
Lysanne WitzkeWas einst im Tierheim am See in der Vogelsänger Chaussee in Eisenhüttenstadt mit fünf, sechs Pensionshunden begann, ist innerhalb von zehn Jahren auf eine Einrichtung mit elf Mitarbeitern und 800 jährlich vermittelten Tieren angewachsen. Und das in einem Bereich, wo Institutionen kommen und gehen und oft existenzielle Sorgen haben.
Am Sonntag (25. Juni) lädt das Tierheim von 12 bis 16 Uhr zum „Fest für unsere Tiere“ ein. Fast nebenbei wird im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums das mittlerweile dritte Funktionsgebäude eröffnet. Zum Programm gehören Welpen streicheln, Ponyreiten, Feuerwehr, Hüpfburg, Tombola und ein Kuchenbasar.
Leiterin Jana Feister ist überregional bekannt
Leiterin des als gemeinnützige Unternehmergesellschaft (gUG) geführten Tierheimes ist die 31-jährige Jana Feister. Sie tritt regelmäßig in Fernsehsendungen auf. Daher ist die Eisenhüttenstädterin auch überregional bekannt.

Tierheim-Leiterin Jana Feister vor ihrem ersten Haus
Hagen BernardDoch das hat seinen Preis. „Für die Tiervermittlung ist das gut, doch in die Vor- und Nachbereitung der Fernsehsendungen steckt sehr viel Zeit“, sagt die viel beschäftigte Jana Feister, die von einem Journalisten vor wenigen Jahren in einer Broschüre als „Deutschlands schönste Tierheimchefin“ bezeichnet wurde.
Nicht umsonst wird sie gern zu Projekten mit Prominenten herangezogen. Das steigert zwar ihren Bekanntheitsgrad, doch vom finanziellen her halte sich das Ergebnis in Grenzen. So muss die Tierheimleiterin weiterhin um jeden Euro kämpfen. Außerdem sind die Ausgaben für die in Not geratenen Tiere unberechenbar.
Behandlung ist oft eine Frage des Geldes
Oft stehe sie vor der Frage, ob die oder jene Behandlung finanziell leistbar ist. Daher freue sie sich beim „Fest für unsere Tiere“ über jede Spende, zumal sie mit dem neuen Gebäude gerade einige nicht einkalkulierte Ausgaben stemmen musste.
Unter dem Strich ist die Leistung des Tierheims am See sehr beachtlich – um die 800 Tiere vermittelt Jana Feister jährlich. Dabei habe sie zu „99 Prozent“ persönlich Kontakt zur aufnehmenden Person.
Schließlich möchte sie sich ein Bild über das neue Zuhause machen. Um auch das ohne Einschränkungen vornehmen zu können, hatte sie vor einem Jahrzehnt die haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaft und nicht etwa einen Verein gewählt.

So sah das Haus im Jahr 2012 aus, als Tierheim-Leiterin Jana Feister als 21-Jährige das Grundstück kaufte.
Hagen BernardDafür nimmt sie das unternehmerische Risiko und den hohen zeitlichen Aufwand in Kauf. Befragt, ob sie mit einer 60-Stunden-Arbeitswoche auskomme, kommt prompt „das reicht nicht. Doch was ist Arbeit und was ist Hobby?“
Jana Feister lebt für die Tiere
Augenscheinlich ist das bei ihr nicht zu trennen. Tiere sind ihr Ein und Alles. Bereits als Fünfjährige hatte Jana Feister in ihrem Dorf Hühnern, Vögeln und Igeln geholfen, wie Bekannte erzählen. Obwohl sie pfiffig genug für das Gymnasium war, strebte sie dort nicht den Abschluss für ein Studium an, sondern wurde Tierarzthelferin.

Feiert ihr zehnjähriges Jubiläum in Eisenhüttenstadt: Tierheim-Leiterin Jana Feister
Hagen BernardDoch in der Tierarzt-Praxis wurde ihr schnell klar, dass ihre Möglichkeiten dafür begrenzt sind. „Manchen Leuten ging es dort darum, möglichst billig davonzukommen. Sie nahmen dabei lieber eine Einschläferung in Kauf, obwohl sie sich eine Behandlung hätten leisten können. Mir waren dabei die Hände gebunden.“

Ein neues Gebäude für Hunde und Katzen im Tierheim am See: Auf der Rückseite sind die fünf Ausläufe für Hunde.
Hagen BernardSo suchte sie nach anderen Wegen, um ihrem Hobby auch beruflich nachzugehen. So fragte Jana Feister im von Ute Valentin an der Oderlandstraße geführten Tierheim nach. Doch diese wollte in ihrer ehrenamtlich geführten Einrichtung die erst am Anfang ihres Berufslebens stehende Frau nicht mit einer geringen Bezahlung abspeisen.
Den Zoll-Job ließ sie sausen
So stellte sich Jana Feister nahezu zwangsläufig selbst auf. Sie „plünderte Sparkonten“ und nahm einen Kredit bei Verwandten auf, um ein Grundstück mit einem darauf stehenden Häuschen als Tierheim zu erwerben. Nebenbei hatte sie sich bereits bei der Polizei beworben, beim Zoll hatte sie bereits alle Hürden genommen. Letztlich entschied sie sich doch für die Tiere.
Fündig wurde sie im Jahr 2012 an der Vogelsänger Chaussee 2 am Rande der Eisenhüttenstädter Gemarkung. Im Mai 2013 eröffnete sie das Tierheim in der Nähe eines ehemaligen Bergwerkgeländes. „Ursprünglich wollte ich kein so großes Grundstück. Jetzt bin ich froh, dass ich es habe.“
Denn die damals 21-Jährige hatte nicht mit dem hohen Bedarf an aufzunehmenden Tieren gerechnet. Glücklicherweise fand sie viele Helfer, die das alte Haus zu einem tierheimfähigen Gebäude umgestalteten. „Ich sprach jeden Handwerker und jeden Bauarbeiter an, den ich irgendwie kannte.“
Ohne Mitarbeiter geht es nicht
Recht schnell stellte sich heraus, dass sie das Ganze allein nicht bewältigen kann. Sie stellte ein. Beispielsweise ist Sandra Witzke seit Anbeginn dabei. Derzeit sind es neben Jana Feister sechs Angestellte und vier Praktikanten.
„Das Haus reichte nicht. Die Mitarbeiter müssen sich beispielsweise umziehen können.“ So entstand im Jahr 2021 ein aus Spenden finanziertes etwa 130 Quadratmeter großes Gebäude mit Warteraum, Personalraum, Ärzteraum und Büro.
Damit war der Bedarf nach Räumlichkeiten nicht abgedeckt. Unter anderem fehlten geeignete Quarantäne-Räume. So plante Jana Feister ein Haus, dass nur für Tiere ist. Obwohl anstatt der erhofften 150.000 Euro vom Land letztlich „nur“ 34.000 Euro kamen, ist nach drei Jahren dieses Haus nahezu fertig. Zum zehnjährigen Jubiläum wird es am Sonntag eröffnet. Im 150 Quadratmeter großen Gebäude befinden sich sechs Katzenzimmer. Dazu gibt es fünf Hundezimmer jeweils mit einem Auslauf im Außenbereich.
30 Pflegestellen zur Unterstützung
„Damit werden nicht mehr Tiere untergebracht, sondern den Tieren geht es besser. Größer soll es hier nicht werden. Dann würde das Persönliche verloren gehen und für mich der Spaß an der Arbeit“, erklärt Jana Feister. Nur mit der Liebe zu ihrer Tätigkeit lässt es sich überhaupt erklären, dass sie nahezu rund um die Uhr bereit ist, für in Not geratene Tiere einzuspringen.
Das betrifft nicht nur Katzen und Hunde, sondern auch Schweine, Kaninchen, Schafe, Kühe, Vögel. Auch bei Wildtieren ist sie regelmäßig zur Stelle, wobei sie es schade findet, dass es in der Eisenhüttenstädter Region keine speziellen Auffangstationen und Pflegestellen für Wildtiere gibt.
Dabei legt Jana Feister sehr viel Wert darauf, dass ihre Insassen zeitnah vermittelt werden. Doch nicht alle haben gute Chancen. So hat sie etwa 30 Pflegestellen, die für die schweren Fälle einspringen. Dabei geht die Tierheimleitern mit gutem Beispiel voran. Neben ihrem eigenen Hund nimmt sie regelmäßig zu sich die alten Hunde zur Pflege, die kaum eine beziehungsweise gar keine Vermittlungs-Chance haben

