Hundeangriff bei Eisenhüttenstadt: Angler erleidet schwere Bisswunden – Halterin flüchtet

Angriff an den Kiesgruben: Ein aggressiver Hund hat an einer Kiesgrube nahe Eisenhüttenstadt einen Angler angegriffen und durch mehrere Bisse schwer verletzt. Die Halterin des Hundes ist mit dem Tier geflüchtet, ohne Hilfe zu leisten. Was genau ist passiert? (Symbolfoto)
Soeren Stache/dpa„Der Hund und seine Halterin müssen ermittelt werden. Sonst werden beim nächsten Mal vielleicht sogar Kinder verletzt!“ Reiner Ziarno ist am Montagnachmittag (27. Mai) noch immer schwer gezeichnet. Sein linker Oberschenkel – da hatte der Hund ihn zum ersten Mal gepackt– ist fast vollständig verbunden. Am rechten Unterschenkel befindet sich ebenfalls ein Verband. Aus der Bisswunde am rechten Unterarm suppt das Blut immer wieder durch.
Zwei Tage ist es zu diesem Zeitpunkt bereits her, dass der 67-Jährige einen der furchtbarsten Tage seines Lebens erleben musste. Einen Tag, an dem er Todesangst verspürte. Und einen Tag, der ihn schockierte – weil sich die für den Hundeangriff verantwortliche Frau aus dem Staub machte, ohne Hilfe zu leisten, ohne wenigstens Hilfe zu holen. Was ist passiert?
Aggressiver Hund greift sofort und ohne Vorwarnung an
Reiner Ziarno, in Lawitz zu Hause, ist passionierter Angler. Am Morgen des 25. Mai, einem Sonnabend, fährt er wie so oft zu den Kiesgruben zwischen Eisenhüttenstadt und Vogelsang, um sein Hobby auszuleben. Seine Angel wirft er an der sogenannten „FKK-Grube“ aus, ganz in der Nähe sind schon weitere Angelfreunde am Werk.
Gegen 12.15 Uhr packt Reiner Ziarno seine Sachen zusammen. Er will wieder nach Hause fahren. Etwa zehn Minuten zuvor ist ihm am gegenüberliegenden Ufer des kleinen Gewässers eine Frau aufgefallen. Warum? „Sie hat sehr laut telefoniert“, erinnert er sich später, „und mit einem deutlichen russischen oder ukrainischen Akzent gesprochen.“
Mit seinem Angelzeug klettert der Rentner die Böschung zum Weg hoch – und dort steht plötzlich ein großer Hund vor ihm, ohne Leine, ohne Maulkorb. Das Tier ist sehr kräftig, muskulös, hat ein dunkelbraunes, geflecktes Fell und einen sehr großen Schädel. Bevor Reiner Ziarno irgendwie reagieren kann, geht der schwere Hund auf ihn los – ohne Vorwarnung, ohne ein Knurren greift das Tier sofort an.
Hund vergräbt seine Zähne tief im linken Oberschenkel
Mit Wucht springt der Hund auf den völlig überraschten Mann los und vergräbt seine Zähne in dessen linkem Oberschenkel. „Durch die Wucht des Angriffs bin ich nach hinten gekippt und mit dem Hund die Böschung runtergerollt, ins Wasser“, berichtet Reiner Ziarno, noch immer hörbar mitgenommen. Erst, als sie beide im Wasser liegen, lässt der Hund los – aber nicht, um von seinem Opfer abzulassen. Er greift sofort erneut an, beißt den Angler in den rechten Unterschenkel und dann in den rechten Unterarm. Den Arm lässt er nicht mehr los.

Schwer schockiert: Reiner Ziarno (67) sitzt am 27. Mai 2024 mit schweren Bisswunden am linken Oberschenkel, am rechten Unterarm und am rechten Unterschenkel in seiner Küche. Aus der Armwunde suppt Blut durch den Verband. Zwei Tage zuvor ist er beim Angeln an den Kiesgruben nahe Eisenhüttenstadt von einem aggressiven Hund angegriffen worden.
Frank GronebergDer Hund ist wie im Wahn. Reiner Ziarno hat Angst um sein Leben. Aus seinem linken Oberschenkel spritzt das Blut. Endlich trifft die Halterin des Hundes ein. Es ist jene Frau, die kurz zuvor so laut telefoniert hatte. Sie versucht, ihren Hund wegzuzerren – was ihr nicht sofort gelingt. Irgendwann schafft sie es, das Tier lässt von dem Angler ab.
Halterin des Hundes verweigert Hilfeleistung
Reiner Ziarno hat mehrere offene, zum Teil stark blutende Bisswunden und sehr starke Schmerzen. Er steht unter Schock. Mehrfach bittet er die Frau, den Notruf zu wählen und ärztliche Hilfe zu holen. Die Hundehalterin jedoch ignoriert das. Ohne zu helfen, ohne Hilfe zu holen, macht sie sich mit ihrem aggressiven Tier aus dem Staub, verschwindet in Richtung Vogelsang.
Ihr Opfer lässt sie hilflos zurück. Der Rentner aus Lawitz ist völlig fertig, kann sich kaum bewegen. Er ruft laut um Hilfe – und wird zum Glück gehört von zwei Anglern, die ein paar Meter entfernt am Ufer der Grube sitzen. Sie eilen ihm zu Hilfe, setzen über eines ihrer Handys einen Notruf ab. Einige Minuten später sind ein Notarzt, ein Rettungswagen und die Polizei vor Ort.
Aggressiver Hund könnte ein verbotener Kampfhund sein
Die Frau und der Hund sind zu diesem Zeitpunkt bereits über alle Berge. Warum die Frau nicht mal per Telefon Hilfe geholt hat, darüber kann nur spekuliert werden. Laut den Beschreibungen des Opfers könnte es sich bei dem Hund um einen American Pit Bull Terrier oder um einen American Staffordshire Terrier handeln. Die Haltung von Hunden dieser Rassen ist in Brandenburg generell verboten. Die Tiere gelten als Kampfhunde der Kategorie 1 „Kampfhunde mit unwiderlegbarer Gefährlichkeit“.
Hundehalterin spricht Deutsch mit starkem Akzent
Reiner Ziarno wird an der Kiesgrube vom Notarzt behandelt und anschließend ins Eisenhüttenstädter Krankenhaus gebracht. Dort wird die Behandlung in der Notaufnahme fortgesetzt. Die schweren Bisswunden werden gesäubert, desinfiziert und verbunden. Genäht werden sie nicht, sie sollen von selbst heilen. Die Polizisten setzen in der Notaufnahme die Befragung fort, der Lawitzer erstattet Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung.
Polizei bittet um Mithilfe
Die Polizei bittet um Mithilfe bei der Suche nach dem aggressiven Hund und dessen Halterin. Hinweise können telefonisch unter der Nummer 03361 5680, über die Internetwache der Brandenburger Polizei unter der Adresse https://polizei.brandenburg.de/onlineservice/hinweis-geben sowie bei allen Polizeidienststellen gegeben werden.
Die Polizei sucht jetzt nach dem aggressiven Hund und dessen gewissenloser Halterin. Möglicherweise sind diese in einer der Gartensparten nahe Vogelsang ansässig. Laut dem Opfer trug die Frau zum Zeitpunkt des Angriffs ein weißes Oberteil und eine kurze Hose. Sie spricht gebrochenes Deutsch mit russischem oder ukrainischem Akzent. Der Hund ist wie erwähnt dunkelbraun und gefleckt. Die Polizei bittet Menschen, die Hinweise geben können, sich zu melden (Siehe Infokasten!).
Opfer befürchtet weitere Angriffe auf Spaziergänger
Reiner Ziarno hat auch zwei Tage nach dem Angriff starke Schmerzen. Das Aufstehen nach dem Sitzen fällt ihm schwer. Er hofft, dass Hund und Halterin schnell gefunden werden. „Ich denke: Ein Kampfhund, der so aggressiv ist, der wird solche Angriffe immer wieder machen“, sagt er. „An den Kiesgruben gehen so viele Menschen spazieren, auch mit Kindern, das kann kreuzgefährlich werden!“ Weitere Attacken dieses Tieres müssten unbedingt verhindert werden.



