IG Metall Demo
: Stahlindustrie am Limit – ArcelorMittal Eisenhüttenstadt kämpft

UPDATE 16.20 Uhr: Mehr als 80.000 Menschen in fünf Städten beim Aktionstag der IG Metall:  ArcelorMittal Eisenhüttenstadt und Tesla waren in Leipzig dabei. Das forderte das Stahlunternehmen aus Brandenburg.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

Dirk Vogeler
  • IG Metall plant Aktionstag am 15. März 2025 in fünf deutschen Städten, darunter Leipzig.
  • Ziel ist Druck auf die Bundesregierung für wirtschaftspolitische Unterstützung.
  • Hunderte Teilnehmer von ArcelorMittal und Tesla beteiligen sich.
  • Forderungen: bezahlbare Energie, klare Transformationsrahmen, soziale Sicherheit.
  • Liveacts: Gentleman in Leipzig, verschiedene Künstler in anderen Städten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Zukunft statt Kahlschlag“ – unter diesem Motto hat die IG Metall am 15. März in fünf Städten zu Demonstrationen ihrer Mitglieder aufgerufen. Mehr als 80.000 Teilnehmer sind dem Aufruf laut der Gewerkschaft gefolgt, in Leipzig sollen es rund 12.000 Menschen gewesen sein. Darunter auch etwa 350 Beschäftigte von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt, der Vulkan Energiewirtschaft Oderbrücke GmbH (VEO) und weiteren angegliederten Unternehmen. Der Industriegewerkschaft ging es nach eigenen Angaben„ um nichts Geringeres als die Zukunft der Industrie und damit auch den Wohlstand in Deutschland im Allgemeinen“.

„Der Zug war voll“, freut sich Dirk Vogeler, der Betriebsratsvorsitzende von ArcelorMittal, der seit den Morgenstunden unterwegs war. „Also hier hat alles wunderbar geklappt. Die Organisation ist hervorragend.“ IG Metaller von Tesla waren ebenfalls in Leipzig, seien aber extra angereist. Und dass ein solcher Aktionstag immer auch eine Kontaktbörse ist, nutzte Dirk Vogeler gleich, um mit einer Betriebsratskollegin von Tesla ins Gespräch zu kommen.

Die Rede von Dirk Vogeler in Leipzig

Der Betriebsratsvorsitzende ist es zwar mittlerweile gewöhnt, mit den Medien und vor Beschäftigten zu reden, aber eine Rede vor etwa 12.000 Menschen, das ist dann doch schon etwas Besonderes. Der Jubel, der auf einem Videomitschnitt zu hören ist, dürfte es ihm leichter gemacht haben.

„Ich grüße alle, die sich hier und heute versammelt haben, um unsere Botschaften an die Politiker in den Koalitionsverhandlungen zu senden“, so Dirk Vogeler. „Die Stahlindustrie kämpft schon länger mit unfairen Rahmenbedingungen. Wenn die Strompreise und Gaspreise so hoch sind, dass die Produktion angehalten werden muss, dann läuft da etwas gewaltig schief.“ Und dann spricht er genau das an, was Tausende Metaller in Deutschland bewegt: die Elektrolichtbogenofen-Technologie, die im Rahmen der Dekarbonisierung die konventionelle Hochofenroute ablösen soll.

Vogeler fragt laut, wie diese Technologie sich unter den aktuellen Rahmenbedingungen rechnen soll, wenn Standorte, die bereits Elektroöfen haben, bereits jetzt ums Überleben kämpfen. „Stahlwerke wie zum Beispiel die Hennigsdorfer Elektrostahlwerke oder ArcelorMittal Hamburg, die diese Technologie nutzen, fahren derzeit Kurzarbeit. Und das alles wegen zu hoher Strompreise.“

Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

Aktionstag der IG Metall in Leipzig: Eisenhüttenstädter von ArcelorMittal und beispielsweise der VEO sind dabei gewesen.

Dirk Vogeler

Dirk Vogeler zeigt sich kämpferisch

Der Betriebsratsvorsitzende zeigt sich kämpferisch und macht klar: „Die enormen Kosten für Strom, Gas und CO2-Zertifikate bedrohen nicht nur die Produktion, sondern mittlerweile unsere Existenz. Die Wettbewerbsbedingungen sind aus dem Lot geraten.“ Er nimmt die künftige Bundesregierung, aber auch die Europäische Kommission in die Pflicht: „Die Zeit für Ankündigungen ist vorbei. Es geht um unsere Arbeitsplätze, unser Industrieland und unsere Zukunft.“

Vogeler fordert „wirksame Schutzmaßnahmen bei Stahlimporten und wettbewerbsfähige Energiepreise in Deutschland und in Europa“. Das Gebot der Stunde sei nicht sparen, sondern investieren.

Man werde kämpfen, ist sich Dirk Vogeler sicher: „Die Hoffnung ist da. Wir haben jetzt auch nochmal die Fackel der Solidarität gestartet. Wir lassen nicht locker, uns bleibt ja auch nichts anderes übrig. Unsere Arbeitsplätze hängen davon ab. Wenn wir jetzt die Flinte ins Korn schmeißen, dann haben wir verloren.“ Man müsse immer wieder Druck machen – die Politik antriggern, wie er sagt – und für richtige Rahmenbedingungen kämpfen. Der Aktionstag in den fünf Städten, zwischen denen es Live-Schalten gegeben habe, sei „eine große, mächtige Aktion“ gewesen, sagt der Betriebsratsvorsitzende, als er am Nachmittag wieder im Sonderzug in Richtung Eisenhüttenstadt sitzt.

Vogeler: Die Stahlindustrie steht am Abgrund

Für den IG-Metaller und Betriebsratsvorsitzenden steht fest: „Jetzt muss reagiert werden. Wir haben wirklich keine Zeit mehr. Wir stehen mit all den Problemlagen am Abgrund. Und es ist so, wenn da nicht richtig gehandelt wird und die Rahmenbedingungen nicht kommen, dann wird für einige Standorte das Licht ausgehen.“

  • Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

    Aktionstag der IG Metall, Abfahrt des Sonderzugs in Eisenhüttenstadt

    Dirk Vogeler
  • Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

    IG Metaller aus Eisenhüttenstadt in Leipzig

    Dirk Vogeler
  • Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

    Aktionstag der IG Metall in Leipzig, Eisenhüttenstadt ist dabei

    Dirk Vogeler
  • Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

    Aktionstag der IG Metall: Dirk Vogeler, der Betriebsratsvorsitzende von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt spricht vor Tausenden Teilnehmern in Leipzig

    Dirk Vogeler
  • Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

    Aktionstag der IG Metall in Leipzig

    Dirk Vogeler
  • Aktionstag der IG Metall, AMEH-Beschäftigte in Leipzig

    Aktionstag der IG Metall: Mit dem Sonderzug und einer Lok von ArcelorMittal ging es zurück nach Eisenhüttenstadt.

    Dirk Vogeler
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Die Situation sei kritisch:  ArcelorMittal Eisenhüttenstadt sei zwar gut ausgelastet, mache aber keine guten Ergebnisse, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen. „Und sowas geht auch nicht ewig lange gut.“ Und das sei nicht nur in Eisenhüttenstadt so, sondern ziehe sich durch fast alle deutschen  Stahlstandorte. „Die Masse der Stahlerzeuger ist am Limit.“

Der IG Metall zufolge haben in Leipzig zahlreiche Betriebsräte ihre Forderungen präsentiert – neben ArcelorMittal Eisenhüttenstadt auch BMW Leipzig, VW Sachsen, Stadler, ZF Brandenburg und auch Tesla. „Wir gehen für unsere Industrie, für unsere Arbeitsplätze, für unsere Zukunft auf die Straße“, sagte IG Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze vorab in einer Pressemitteilung. Er findet, „die nächste Bundesregierung muss besser heute als morgen massiv in eine gute Perspektive für die Industrie und die Beschäftigten investieren“.

IG Metall-Aktionstag in Leipzig: Das sind einige der Forderungen

Die IG Metall hat dafür mit einem eigenen 11-Punkte-Programm ein Konzept vorgelegt. Investitionen in Verkehr, Digitalisierung und Bildung, wettbewerbsfähige Energiekosten und ein Hochfahren der Elektromobilität gehören dazu. „Gerade im Osten Deutschlands haben wir wichtige industriepolitische Fortschritte erzielt. Politik und Arbeitgeber stehen gemeinsam in der Pflicht, diese Erfolge jetzt zu sichern“, so Dirk Schulze.

Für was genau die Industriearbeiter laut werden? Für bezahlbare Energie, einen schnellen Ausbau erneuerbarer Energien und Stromnetze, um wettbewerbsfähige Energiepreise zu sichern. Außerdem geht es um klare Rahmenbedingungen für die Transformation, die Förderung der Dekarbonisierung und Investitionen in Infrastruktur. Aber auch sozialverträgliche Regelungen spielen eine Rolle: Sicherheit für Beschäftigte durch Qualifizierung, Übergangshilfen und Mitbestimmung sowie der Erhalt des Sozialstaates werden von der Politik gefordert.

Aber auch die Arbeitgeber werden in die Pflicht genommen. Unternehmen müssen in klimaneutrale Produktion und Innovation investieren, statt kurzfristige Gewinne zu maximieren, heißt es seitens der IG Metall. Natürlich werden faire Löhne und Arbeitsbedingungen sowie sichere Jobs gefordert. Genau wie die Mitbestimmung. Betriebsräte und Gewerkschaften sollen demnach aktiv in Transformationsprozesse eingebunden werden.

Aktionstag der IG Metall in fünf deutschen Städten

Dort fanden die Kundgebungen statt:

Hannover: Hauptrednerin: Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, Liveact: Madsen

Stuttgart: Hauptredner: Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, Liveact: Max Herre & Joy Denalane

Köln: Hauptrednerin: Nadine Boguslawski, Hauptkassiererin der IG Metall, Liveact: Querbeat

Frankfurt/Main: Hauptredner: Hans-Jürgen Urban, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, Liveact: Die Toten Ärzte und Donots

Leipzig: Hauptredner: Ralf Reinstädtler, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, Liveact: Gentleman