Tesla Grünheide: US-Autobauer soll Gehalt kranker Mitarbeiter einbehalten

Gigafactory Grünheide: Tesla-Mitarbeiter am Fließband beim Bau des Model Y. (Archivbild)
Katharina Schmidt- Tesla behält in Grünheide Gehälter kranker Mitarbeiter ein, wegen hohen Krankenstands.
- Mitarbeiter sollen Ärzte von Schweigepflicht entbinden; IG Metall kritisiert das Vorgehen.
- Werksleiter verteidigt Hausbesuche kranker Mitarbeiter als üblich.
- Hoher Krankenstand im Sommer 2024, Firmenchef Musk kommentiert auf „X“.
- Tesla kämpft mit Absatzproblemen und Imageverlust durch Musk’s politische Aktivitäten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
In der Gigafactory von Tesla in Grünheide herrscht ein hoher Krankenstand. Tesla soll daher gegenüber krankgemeldeten Mitarbeitern angekündigt haben, die Gehälter zurückzuhalten. Dies sei den Beschäftigten der brandenburgischen Fabrik in E-Mails mitgeteilt worden, heißt es in einem ersten Bericht des Handelsblattes.
Zusätzlich fordere der US-Konzern die Angestellten auf, ihre Diagnosen offenzulegen und die behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden. Dem Handelsblatt liegen nach eigenen Angaben mehrere E-Mails vor. Sie tragen demnach den Betreff „Zweifel an den eingereichten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen“.
IG Metall: Tesla zweifelt Atteste an
Laut IG Metall soll es sich nicht um Einzelfälle handeln. In einer gesonderten Mitteilung der Gewerkschaft heißt es, Tesla zweifele in großem Umfang ärztliche Atteste an, verweigere die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und behalte Entgelt ein. Auch von der Entbindung der ärztlichen Schweigepflicht ist die Rede. Dirk Schulze, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, sagt: „Mit diesem inakzeptablen Vorgehen treibt das Unternehmen immer wieder Kolleginnen und Kollegen in finanzielle Not.“
Laut Gewerkschaft sollen Beschäftigte in Gesprächen mit einem Verweis auf angebliche Schulden durch eine vermeintliche Überbezahlung zusätzlich unter Druck gesetzt worden sein. So wolle man die Werksarbeiter dazu drängen, einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen, um so die „Schulden“ bei Tesla loszuwerden. Bedenkzeit für eine juristische Prüfung des Vertrags werde oft verweigert.
Diese Fälle hätten ebenso zu einer Flut von Rechtsstreitigkeiten geführt. „Bei Tesla in Grünheide benötigen Mitglieder rund 21-mal so häufig den Rechtsschutz der Gewerkschaft wie im Durchschnitt der IG Metall“, führt der Gewerkschaftssprecher weiter aus.
Die IG Metall spricht von einer „völlig unzulässigen Einschüchterung“ und fordert die Werksleitung auf, diese Praxis sofort einzustellen. Hohe Krankenstände bekämpfe man nicht durch Druck auf die Beschäftigten, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen, so Schulze.
So reagiert Tesla auf die Vorwürfe der IG Metall
Tesla hat inzwischen auf die Vorwürfe reagiert. „Wir sind die populistischen Skandalisierungen der IG Metall und insbesondere von Herrn Dirk Schulze mittlerweile gewöhnt“, teilt der US-Autobauer auf Nachfrage in einem Stellungnahme mit.
Bei dem behaupteten „großen Umfang“ handele es sich laut Tesla um etwa ein Dutzend Fälle pro Monat – „wohlgemerkt bei einer Belegschaft von 11.000 Mitarbeitern“. Das entspreche 0,1 Prozent der Beschäftigten. „Hierbei von einem ‚massiven Vorgehen‘ zu sprechen, ist eine bewusste Verzerrung der Realität“, schreibt Tesla.
Im Übrigen spreche man von Fällen, in denen „unberechtigte Lohnfortzahlungen geleistet wurden“, so der Autobauer. „Hinzu kommen Fälle, in denen das Bundesarbeitsgericht davon ausgeht, dass eine Krankheit vorgeschoben sein könnte, beispielsweise, wenn sich jemand für genau die Zeit krankschreiben lässt, für die vorher ein Urlaubsantrag abgelehnt worden ist.“ In solchen Fällen bestünden Zweifel an der Richtigkeit der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und Arbeitgeber dürften Beweise verlangen, heißt es.
Das angeblich „inakzeptable Vorgehen“ Teslas sei gängige Praxis in Deutschland. So sehe es auch die Gewerkschaft IG Metall Berlin, schreibt der US-Hersteller – „aber anscheinend nur, solange es nicht um Tesla geht“. Dabei verweist der Autobauer auf ein Interview eines Rechtsanwaltes, das auf der Webseite der IG Metall erschienen ist. Darin heißt es unter anderem, dass es Fälle geben könne, in denen der „gelbe Schein“ als Nachweis des Krankseins allein nicht als Beleg genüge.
Teslas Vorgehen bei Krankmeldungen schon früher in Kritik
Der Krankenstand in der sogenannten Gigafactory sorgt schon länger für Ärger im Werk. Bei einer Betriebsversammlung im Juli 2023 soll Werksleiter Andre Thierig gesagt haben, es gebe in seiner Fabrik keinen Platz für Leute, die morgens „nicht aus dem Bett“ kommen. Tesla lobte wenig später Anwesenheitsprämien für Beschäftigte der Grünheider Fabrik aus, die wenig fehlten.
Für Aufsehen sorgte auch, dass Tesla bei krankgemeldeten Beschäftigten Hausbesuche durchführt. Werksleiter Thierig hatte das Vorgehen nach Bekanntwerden im September 2024 verteidigt. Hausbesuche seien nichts Ungewöhnliches – „das machen viele Unternehmen“, sagte er. Man wolle auf diese Weise an die Arbeitsmoral der Belegschaft appellieren.
Tesla: Krankenstand in Gigafactory Grünheide von 15 Prozent
Auslöser für die unangekündigten Hausbesuche war laut Tesla ein überdurchschnittlich hoher Krankenstand im Sommer 2024. „Phasenweise hat er 15 Prozent oder mehr erreicht“, sagte Thierig. Wegen des hohen Krankenstands schaltete sich seinerzeit auch Firmenchef Elon Musk ein. „Das klingt verrückt. Ich schaue mir das an“, kommentierte er einen Post auf seiner Online-Plattform „X“.
Die IG Metall hatte dagegen eine sehr hohe Arbeitsbelastung in der Autofabrik kritisiert und die Hausbesuche als „abwegige Aktion“ bezeichnet. In einer Erhebung unter 1200 Mitarbeitern im Herbst vergangenen Jahres hätten laut Gewerkschaft 83 Prozent eine Überlastung angegeben und nur jeder zehnte glaube, die Arbeitsbelastung bis zur Rente aushalten zu können.
Tesla kämpft mit Absatzproblemen
Tesla kämpft aktuell mit mehreren Problemen. Die Absatzzahlen brachen zuletzt weltweit ein, gleiches gilt für den Aktienkurs. Mitverantwortlich dafür ist laut Experten ein zunehmendes Imageproblem der Marke, das mit den politischen Umtrieben von Firmenchef Musk zusammenhängt. Musk unterstützt unter anderem US-Präsident Donald Trump als Berater.
In der Gigafactory Grünheide produziert Tesla seit fast drei Jahren Elektroautos vom Typ Model Y. Nach Angaben des Unternehmens sind in dem Werk rund 11.000 Mitarbeiter beschäftigt.



