Jazz
: Søren Gundermann hat bald einen Auftritt in Eisenhüttenstadt

Søren Gundermann tritt am 14. August im Friedrich-Wolf-Theater in Eisenhüttenstadt auf – für ihn etwas ganz Besonderes.
Von
Oliver Jastram
Eisenhüttenstadt
Jetzt in der App anhören

Liebt die Improvisation: In der Musik von Søren Gundermann kommt es immer wieder zu unvorhergesehenen Momenten.

Søren Gundermann

Herr Gundermann, wie kam es dazu, dass Sie im August ein Konzert in Eisenhüttenstadt geben werden?

Im Februar fand beim „Pianodra-Klavierfest“ die Premiere meiner „Europe Variations“ statt. Gleichzeitig habe ich die gleichnamige CD veröffentlicht. Jens Zörner, der Leiter des Friedrich-Wolf-Theaters, hat davon gehört und mich zu einem Konzert eingeladen, was mich natürlich sehr gefreut hat. Übrigens ziert das Cover der CD ein Bild des wunderbaren Malers Matthias Steier, der ja in Eisenhüttenstadt wohnt.

Auf was darf sich das Publikum denn freuen?

Die „Europe Variations“ bestehen aus 14 Jazz-Variationen für Piano solo, die ich über die Melodie der Europa-Hymne komponiert habe, die ja aus Beethovens 9. Sinfonie stammt. Jede Variation zeigt die Melodie in einem anderen Licht, wobei sie oft erst auf den zweiten Blick erkennbar ist. Mal kommt sie als leidenschaftlicher, spanischer Tanz daher, mal als melancholische, impressionistische Ballade und mal als wilde Rocknummer. Mal klingt sie arabisch, mal wie ein alter Ragtime. Das Klavier versucht sich dabei neben seiner gewohnten Rolle auch als Zupf-, Perkussions- und Streichinstrument. Da ich als Jazzmusiker die Improvisation liebe, passieren auch immer wieder herrlich unvorhergesehene Dinge.

In Ihrer Musik sind Einflüsse unterschiedlichster Genres zu hören, welche Künstler dienten Ihnen als Inspirationen?

Ich bin stark beeinflusst durch Pianisten wie Esbjörn Sensson oder Keith Jarrett. Ich kann mich gleichermaßen für Beethovens Sonaten und für elektronische Musik begeistern. Ich mag afrikanische Rhythmen, beschäftige mich aber auch mit osteuropäischer Volksmusik. Es ist sehr vielfältig. Ich mag Musik, die intellektuell anregend und unterhaltsam ist und versuche, beides in meinen Konzerten zu verbinden.

Wie sehr haben Sie als Künstler selbst unter der Corona-Krise gelitten?

Dass durch die Krise plötzlich alle Konzerte ausfielen, war für mich besonders in Hinblick auf die gerade erschienene CD recht bitter. Wichtiger war aber, dass die meisten Menschen gesund durch die Krise kommen. Ich fürchte, dass wir Künstler besonders die Spätfolgen der Krise zu spüren bekommen, zum Beispiel wenn es deutlich weniger Veranstaltungen als vorher gibt. Da müssen wir auf unser Publikum vertrauen.

Sie hatten ja erst kürzlich das Vergnügen in Brüssel aufzutreten. Wie kam es dazu und wie haben Sie den Auftritt erlebt?

Die „Europe Variations“ kann man natürlich auch als künstlerische Stellungnahme zum Thema Europa hören. Gleichzeitig passen sie ins Beethoven-Jahr. Aus diesem Grunde wurde ich von der deutschen Botschaft eingeladen, das Programm anlässlich des Beginns der deutschen Ratspräsidentschaft in Brüssel vorzustellen. Um den Abstandsregeln Rechnung zu tragen, wurde dafür eigens ein Flügel auf einen offenen Lkw gehievt. An Orten wie vor dem europäischen Parlament oder vor der Brüsseler Oper mit eigener Musik aufzutreten, ist natürlich etwas Besonderes.

Welche musikalischen Schritte sind in diesem Jahr noch geplant?

Neben den Konzerten mit den „Europe Variations“ schreibe ich gerade die Musik für die „Republik der Träume“, ein Puppentheaterstück für Erwachsene nach einer Erzählung des polnisch-jüdischen Schriftstellers Bruno Schulz. In dem Stück, das in Zusammenarbeit mit dem Theater des Lachens und dem Tübinger Regisseur Frank Söhnle entsteht, werde ich die Musik live spielen. Am 13. November feiert es in Frankfurt seine Premiere.