Katzen in Eisenhüttenstadt: Tierheim am Limit wegen Fundtieren

Fundkatze aus Brieskow-Finkenheerd: Die Katze ist recht zahm. Daher ist zu vermuten, dass sie aus einem Haushalt entlaufen ist.
Jana Feister- Tierheim am See in Eisenhüttenstadt am Limit: viele Fundkatzen aus Amt Brieskow-Finkenheerd.
- Wildlebende Katzen vermehren sich stark, Kastrationen sollen die Population senken.
- Seit Jahresbeginn zuständig für das Amt: mehr Arbeit, Kosten und fast täglich neue Meldungen.
- Aktuell rund 100 Katzen und etwa 30 Kitten, Vermittlungen reichen derzeit nicht aus.
- Chippen erleichtert Rückführung vermisster Tiere – Kosten etwa 45 Euro, Spenden und Pflegestellen nötig.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wildlebende Katzen sind in Teilen der Region Eisenhüttenstadt zu einer Plage geworden. Auch wenn entlaufene oder verwilderte Katzen meist ein deutlich kürzeres Leben haben als Tiere in menschlicher Obhut, vermehren sie sich rasant.
„Aus zwei Katzen können beispielsweise in drei Jahren über 300 werden“, sagt Jana Feister. „Wenn wir nichts unternehmen, bekommen wir hier bei Katzen Verhältnisse wie in Rumänien mit wildlebenden Hunden.“ Jana Feister leitet das Tierheim am See in Eisenhüttenstadt. Gemeinsam mit acht Angestellten, zwei Bundesfreiwilligendienstleistenden und zwei Mitarbeitern der Lebenshilfe stemmt sie die tägliche Arbeit. Doch derzeit ist die Belastung größer denn je.
Vor allem die vielen Fundkatzen bringen das Tierheim an seine Grenzen. „Die im Mai geborenen Kitten fallen anfangs kaum auf. Aber nach sieben oder acht Wochen gehen sie selbst auf Futtersuche – und dann werden sie plötzlich sichtbar“, erklärt Feister. Besonders viele Tiere kommen aktuell aus Ziltendorf. Doch auch aus Orten wie Wiesenau oder Brieskow-Finkenheerd häufen sich die Meldungen.
Fundkatzen belasten das Tierheim
Seit Jahresbeginn ist das Tierheim am See hinsichtlich Fundtiere auch für das Amt Brieskow-Finkenheerd zuständig. Dafür zahlt das Amt eine jährliche Pauschale.
Für Amtsdirektorin Annett Köhne stand dabei vor allem die wachsende Zahl wildlebender Katzen im Fokus. Als Vorbild gilt das benachbarte Amt Neuzelle, das seit Jahren mit dem Tierheim zusammenarbeitet. Dort konnte die Zahl an aufgefundenen wilden Katzen innerhalb von zwei Jahren von 41 jährlich auf 18 im Jahr 2025 gesenkt werden – vor allem durch konsequente Kastrationen. Bereits kastrierte Tiere können jetzt auch am Chip ausgelesen werden.
So sinkt die Katzenpopulation
Die Gründe für das Eingreifen liegen auf der Hand: Wildlebende Katzen erkranken häufiger als betreute Haustiere, können eher Krankheiten wie Katzenaids übertragen und gefährden zudem heimische Vogelarten, vor allem jene, die in Bodennähe brüten. Besonders unkastrierte Freigängerkatzen und verwilderte Tiere sorgen für die wachsende Zahl an freilebenden Katzen.
Was für die Amtsverwaltung eine gute Lösung ist, bedeutet für das Tierheim allerdings vor allem eines: mehr Arbeit, mehr Aufwand, mehr Kosten. „So eine jährliche Pauschale ist erst einmal schön, weil sie Bürokratie reduziert. Aber wenn man ein neues Gebiet übernimmt, bringt das zunächst einen enormen Mehraufwand mit sich“, sagt Jana Feister.
Während die Lage in Frankfurt (Oder), das seit acht Jahren vom Tierheim betreut wird, ausnahmslos unter Kontrolle ist und sich auch die Situation in Neuzelle verbessert, kommen aus dem Amt Brieskow-Finkenheerd fast täglich neue verwilderte Katzen beziehungsweise auch Fundkatzen.
Besonders frustrierend ist für Jana Feister, dass viele Menschen zunächst nur helfen wollen – und damit das Problem oft ungewollt vergrößern. „Leider füttern einige die freilebenden Katzen und melden sich erst bei uns, wenn ein Tier schon einen dicken Bauch hat“, sagt sie.
Tierheim kämpft mit Kitten und hohen Kosten
Gerade trächtige Katzen bedeuten für das Tierheim eine enorme zusätzliche Belastung. Sie können nicht sofort kastriert werden und brauchen besondere Betreuung. Aktuell beherbergt das Tierheim rund 100 Katzen und etwa 30 Kitten. Zwar gelingt es immer wieder, Tiere zu vermitteln. Doch zurzeit überwiegt die Aufnahme die Vermittlung.
Auch finanziell ist die Situation angespannt. Für die Kastration einer wilden Katze fallen laut Jana Feister zwischen 90 und 160 Euro an. Fördermittel aus EU-Töpfen gibt es derzeit nicht, sie hofft jetzt auf das Jahr 2027. Zwar erhält das Tierheim Preisnachlässe, doch Kosten für Chip, Impfungen und notwendige Zusatzbehandlungen kommen oft hinzu.
Katzen chippen und damit Tierheim unterstützen
Trotzdem hofft Jana Feister, dass sich die Lage in Brieskow-Finkenheerd in den kommenden zwei bis drei Jahren entspannt, wenn die Population durch Kastrationen eingedämmt wird.
Ein weiteres Problem: Immer wieder werden vermisste Katzen gemeldet. Jana Feister appelliert deshalb an alle Halter, ihre Tiere chippen zu lassen. „Oft springen Katzen in einen Transporter und tauchen plötzlich in einem anderen Ort wieder auf. Wenn das Tier gechippt ist, können wir den Halter schnell finden. So war kürzlich eine Katze aus Eisenhüttenstadt in Flensburg aufgefunden worden.“
Der Chip sitzt an der linken Halsseite unter der Haut, ist etwa so groß wie ein Reiskorn und kann vom Tierheim oder Tierarzt ausgelesen werden. Die Kosten für das Chippen liegen bei etwa 45 Euro. Etwa drei Anrufe wegen vermisster Katzen erreichen das Tierheim täglich. Da etwa jährlich 400 Fundkatzen anfallen und viele Tiere auch nicht genau lokal einzugrenzen sind, sei die Anfrage nach einer ungechippten Katze oft ergebnislos.
Um die vielen Tiere weiter versorgen zu können, ist das Tierheim auf Spenden angewiesen. Dringend gesucht werden auch Pflegestellen – Menschen also, die vorübergehend Hunde oder Katzen bei sich aufnehmen, bis diese vermittelt werden können. Bei Katzen sind es vor allem Kitten.


