Was für ein Jahr für Familien. Erneut war es vor allem geprägt von Corona. Denn einen normalen Schulalltag wie vor der Pandemie gab es auch 2021 nicht. Und dennoch haben es die Kinder und Jugendlichen gemeinsam mit den Eltern, Großeltern sowie den Lehrkräften und Erziehern geschafft, für den einen oder anderen Höhepunkt zu sorgen. Ob es nun der gemeinsame Urlaub im fast normal anmutenden Sommer war, der Schulabschluss oder aber das eine oder andere Projekt in oder außerhalb der Schule. Und natürlich gab es auch Ereignisse, die fast alle Menschen in und um Eisenhüttenstadt bewegt haben. Aber auch Wut und Angst waren spürbar. Wir haben das Jahr für die Familien Revue passieren lassen.

Homeschooling geht weiter

Zu Beginn des Jahres bleiben die Schulen für die meisten geschlossen – lediglich eine Notbetreuung findet statt. Es wird daheim gelernt, und zwar länger als gedacht. Eine Herausforderung und ein Kraftakt: für die Kinder und deren Eltern, aber auch für Lehrkräfte. Denn der Distanzunterricht wird hier und da durchs langsame Internet ausgebremst – wobei das vor allem auf die weiterführenden Schulen zutrifft. In den meisten Grundschulen werden Aufgaben verschickt und die Lehrer stehen für Gespräche bereit.
Ende Februar gibt es Wechselunterricht an den Grundschulen – die Kinder müssen Masken tragen. Die katholische Grundschule in Neuzelle ist bereits zurück im Regelbetrieb. Wie ist das möglich?

Stiller Protest vor dem Rathaus Eisenhüttenstadt

Vor dem Rathaus in Eisenhüttenstadt findet ein sogenannter stiller Protest der Kinder statt. Eltern machen mit Botschaften klar, dass die Jüngsten am meisten unter der Pandemie leiden.
Die Schüler der weiterführenden Schulen müssen länger warten, um wieder einen Klassenraum zu betreten. Und das große Testen beginnt. Zweimal in der Woche müssen die Kinder daheim auf Corona getestet werden, ansonsten dürfen sie die Schule nicht betreten. Ab 26. April gibt es in Oder-Spree nur noch eine Notbetreuung für die Kinder. Sämtliche Schulen, Kindertagesstätten und Horte im Landkreis Oder-Spree werden geschlossen.
Damit wird die bundesweite Corona-Notbremse in Oder-Spree aufgrund des Inzidenzwertes umgesetzt. Dieser liegt zwar am 23. April unter dem maßgeblichen Wert von 165, wichtig seien aber die drei Tage, vor dem 23. April, als das Gesetz beschlossen wurde. Ausnahmen gelten für Abschlussklassen und Förderschulen mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „geistige Entwicklung“.

Corona kann Party nicht stoppen

Im Mai geht der Präsenzunterricht wieder los. Am Albert-Schweitzer-Gymnasium gibt es beispielsweise eine Test-Schleuse. Durch die Schnelltests konnte an der Schule möglicherweise Schlimmeres verhindert werden. Dafür gibt es Probleme bei den Impfungen fürs Personal. Es mangelt an Terminen in Impfzentren und bei Hausärzten.
Trotz des turbulenten Schuljahres mit Corona und all den Regeln haben die Abiturienten in Eisenhüttenstadt ihren Abschluss gemeistert. Die Note 1,0 gibt es nicht nur einmal. Abiturient Tom Wernicke macht in seiner Rede klar: „Schule war für mich immer ein Teamsport, aber das Homeoffice war knallharter Einzelsport.“ Die letzten zwei Jahre seien eine große Herausforderung für alle gewesen – vor allem anfangs als es Probleme mit der Schul-Cloud gegeben habe. „Aber unsere Eltern haben uns nie im Stich gelassen.“ Ein Geschenk haben sich die Absolventen selbst gemacht. Nahezu in Rekordzeit haben sie etwas geschafft, womit niemand gerechnet hat.

Kita-Drama in Eisenhüttenstadt im Juni

Zu einem Kita-Drama kommt es im Juni in Eisenhüttenstadt. Ein anderthalbjähriges Mädchen fällt beim Spielen in einen Wassertrog und ertrinkt beinahe. Das Kind wird auf eine Intensivstation nach Potsdam gebracht. Tage des Bangens – vor allem für die Familie des Kindes. Doch die Kleine kämpft und überlebt. Die Polizei hat nach dem Unfall eine Anzeige wegen Verletzung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht und wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen. Der Unfallhergang wird zudem durch die für private Kita-Träger zuständige Berufsgenossenschaft in Kooperation mit der Unfallkasse Brandenburg ermittelt.
Der Corona-Lockdown und andere Pandemie-Einschränkungen haben zum Teil verheerende Auswirkungen auf die Bildung. Auch die Musikschule in Eisenhüttenstadt braucht einen langen Atem. Die Lockdowns haben Spuren hinterlassen. Online-Unterricht wurde zwar angeboten, aber nicht jeden hat man damit erreicht. Die Gründe? Mangelnde Motivation, schlechte Internetverbindung, keine Möglichkeit zum Üben daheim. Das sei bei vielen Erwachsenen der Fall gewesen. Die hatten Homeoffice, Homeschooling, da war für ein Instrument schlicht kein Platz. Manche haben den Plan, ein Instrument zu lernen aufgegeben und die Schule verlassen.
In den Grundschulen und den weiterführenden Schulen beginnt derweil das neue Schuljahr. Mit Maskenpflicht und strengen Testvorgaben.

Sexualstraftäter hält Eltern in Atem

Im September ist es dann nicht Corona, sondern ein vorbestrafter Sexualstraftäter, der den Eltern und Kindern Angst macht. Mehrere Zeugen haben berichtet, dass der Mann Kinder angesprochen habe. Als dieser dann auch noch zwei Minderjährige in seiner Wohnung empfängt und offenbar sexuell missbraucht – ohne Körperkontakt – ziehen Polizei und Staatsanwaltschaft die Notbremse. Der Mann, der damit auch seine Bewährungsauflagen verletzt hat, wird verhaftet und sitzt seitdem in U-Haft. Im Dezember gibt die Staatsanwaltschaft bekannt, wie sich der Gutachter zur Schuldfähigkeit geäußert hat. Zwischenzeitlich gibt es zudem Berichte, dass der Mann vor seiner Verhaftung auch versucht habe, einen Jungen auf der Kinderstation des Städtischen Krankenhauses zu besuchen.
Je mehr sich das Jahr dem Ende entgegen neigt, desto häufiger kommt es an den Schulen wieder zu Corona-Fällen. Mittlerweile können sich aber Kinder ab 12 Jahren ebenfalls gegen Corona impfen lassen. Erst im Dezember kommt eine Impfempfehlung für die noch Jüngeren ab 5 Jahren. Doch in Eisenhüttenstadt haben die Kinderärzte die erste Bestellmöglichkeit des geringer dosierten Impfstoffs vorbeiziehen lassen, weil die Empfehlung der Ständigen Impfkommission auf sich warten ließ.

Impfung für Kinder umstritten

Doch spätestens im Januar sollen auch die Kinderärzte im Medizinischen Versorgungszentrum Kinder impfen – jedenfalls wenn Bedarf besteht. Apropos Krankenhaus: Die Station für Kinder- und Jugendmedizin hat einen neuen Chefarzt. Und drei Ärzte der Station sorgen abwechselnd dafür, dass der Praxisbetrieb im Medizinischen Versorgungszentrum funktioniert.
Bei den Eltern ist die Corona-Impfung für Kinder umstritten. Leicht macht sich die Entscheidung kaum keiner. Doch das Thema spielt auch bei den sogenannten Abendspaziergängen in Eisenhüttenstadt eine Rolle, bei denen gegen die Corona-Regeln protestiert wird.
Das Jahr endet, wie es begonnen hat. Die Präsenzpflicht wird Ende November ausgesetzt, doch die meisten Eltern schicken ihre Kinder weiterhin zum Unterricht. Doch das Land verfügt, dass die Weihnachtsferien drei Tage früher starten. Im Notfall wird eine Notfallbetreuung gewährleistet. Und für die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel gibt es erneut strenge Auflagen – für Geimpfte und Ungeimpfte.