Konzert in Eisenhüttenstadt
: Puhdys-Legende und Silly-Stars rocken DDR-Klassiker

Dieter Birr von den aufgelösten Puhdys sowie die Silly-Interpreten Toni Krahl und Julia Neigel wecken in Eisenhüttenstadt beim Publikum viele Erinnerungen.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Interpretieren auf der Freilichtbühne Eisenhüttenstadt gemeinsam viele Ost-Klassiker: Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker (links) und Puhdys-Urgestein Dieter Birr

Interpretieren auf der Freilichtbühne Eisenhüttenstadt gemeinsam viele Ost-Klassiker: Silly-Gitarrist Uwe Hassbecker (links) und Puhdys-Urgestein Dieter Birr

Hagen Bernard

„Das Wetter passt, die Leute hier passen, alles ist schön, hammermäßig genial“, schwärmt Carla Kühnöhl. Die 66-Jährige hört gerade etwas orientalisch anmutende Klänge der Gruppe Silly.

Da ist es am Freitag (16. August) eine Stunde vor Mitternacht und das dreistündige Konzert mit Puhdys-Legende Dieter Birr und Silly-Mitglied Uwe Hassbecker als „Lieder der Generationen“ und im zweiten Teil die Band Silly mit Ex-City-Sänger Toni Krahl und Julia Neigel nähert sich unweigerlich ihrem Ende.

Wiedersehen nach 50 Jahren im Rahmen einer Zeitreise

In der gut besuchten Freilichtbühne überwiegt deutlich das etwas ältere Publikum, das viele Hits der Puhdys und von Silly aus seiner Jugendzeit vernahm. So wie bei Carla Kühnöhl und ihrem Mann Jürgen. Doch das für sie einschneidende Erlebnis hatte sie bereits unmittelbar vor dem Konzert kurz vor 20 Uhr.

Voller Einsatz: Silly-Sängerin Julia Neigel

Voller Einsatz: Silly-Sängerin Julia Neigel

Hagen Bernard

Da hatte ihr Mann beim Hochgehen auf die Anhöhe zur Freilichtbühne am Rande der Diehloer Berge sich kurz mal umgedreht und ihre Jugendfreundin Ilona Schramm entdeckt. „Welch ein Zufall. Unter den vielen Besuchern vor der Freilichtbühne hätten wir uns nie gesehen.

Das war früher meine beste Freundin. Wir beide haben im Eko-Ensemble Ballett getanzt und sind auch auf dieser Freilichtbühne aufgetreten. Bloß damals war hier die Akustik nicht so gut. Seit 1977 haben wir uns nicht mehr gesehen. Schließlich gab es damals kaum ein Telefon. Sie ging zum Lehrer-Studium nach Dresden.“

Zeitreise mit der Musik von damals

Natürlich tauschten die beiden umgehend ihre Handynummern aus. „Ich bin seitdem nur noch sporadisch hier. Mit meinem Mann bin ich jetzt drei Tage in Eisenhüttenstadt. Zum Geburtstag habe ich ihm eine Zeitreise geschenkt. Das beinhaltet auch dieses Konzert mit der Musik von damals. Außerdem übernachten wir in der Gäste-Wohnung der Gebäudewirtschaft“, erklärt Ilona Schramm.

Wer sich wie Ilona Schramm auf eine musikalische Zeitreise auf der Freilichtbühne begeben wollte, wurde nicht enttäuscht. So präsentierte Dieter „Maschine“ Birr etliche Puhdys-Klassiker, die zum Mitsingen, schunkeln und tanzen anregten.

Beispielsweise als Hommage an ihre Vorbilder, den Beatles und den Stones, „Hey John“ oder die Ur-Klassiker „Geh zu ihr“ und „Alt wie ein Baum“, wobei beim letzteren sich beim Refrain das Publikum nicht ganz so textsicher zeigte wie es Dieter Birr erwartet hatte. Dafür war es beim Stimmungs-Hit „Hey, wir woll'n die Eisbären seh'n“ dann auch textlich voll auf Höhe.

Die wilde Mathilde in der harten Version

Bereits beim gemeinsamen Auftritt von Birr und dem Silly-Gitarristen Uwe Hassbecker wirkte auch schon Julia Neigel mit ihrer markant rauchigen Stimme mit wie beim „als du kamst in mein Leben“. Ihre ganz großen und mit viel Beifall bedachten Auftritte hatte die blues-erfahrene Sängerin dann als Frontfrau der Gruppe Silly, unter anderem bei „verlorene Kinder“, „Mont Klamott“ oder „Alles Rot“.

Im Duett und auch im Wechsel mit ihr wartete City-Legende Toni Krahl unter anderem mit Silly-Songs wie „Paradiesvögel“ und auch zusammen mit ihr in einer härteren Version als damals von Tamara Danz interpretiert „die wilde Mathilde“ auf.

Wiedersehen an der Freilichtbühne nach fast einem halben Jahrhundert: Ilona Schramm (links) und Carla Kühnöhl. In den 1970er-Jahren waren beide dort im Rahmen des EKO-Ensembles selbst auf dieser Bühne aufgetreten.

Wiedersehen an der Freilichtbühne nach fast einem halben Jahrhundert: Ilona Schramm (links) und Carla Kühnöhl. In den 1970er-Jahren waren beide dort im Rahmen des EKO-Ensembles selbst auf dieser Bühne aufgetreten.

Hagen Bernard

Das alles fand seinen Applaus, sodass auch Veranstalter Marc Wiedemann ein gelungenes und vor allem auch gut besuchtes Konzert konstatieren konnte. „Ich bin zufrieden. Die Freilichtbühne liegt in einer schönen Umgebung und hat eine gute Akustik. Wir organisieren hier gern etwas. Für nächstes Jahr haben wir hier bereits mehrere Konzerte eingeplant.“ Dann wollen sich auch Carla Kühnöhl und Ilona Schramm wieder treffen.