Konzert in Eisenhüttenstadt
: Steelbruch feiert Geburtstag – Party für alle gratis

Eisenhüttenstadt hat mit dem Club Steelbruch ein „Tor zur Welt“. In der Subkultur-Szene hat sich das herumgesprochen. Zehn Jahre Bestehen werden gefeiert – auch mit dem nächsten Konzert.
Von
Janet Neiser
Eisenhütenstadt
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Questions

Questions heißt die Band aus Brasilien, die in Eisenhüttenstadt ein Konzert geben wird. Sie sorgen aber nicht alleuin für Stimmung im Club Steelbruch: Auch eine Band aus Cottbus ist an Bord.

Mazzel
  • Steelbruch feiert 10 Jahre: Konzert am 1. Juli 2025 mit Questions (Brasilien) und Offside (Cottbus).
  • Eintritt frei, Spenden erwünscht; Event fördert Kultur und baut Vorurteile ab.
  • Club seit 2015 aktiv, über 100 Konzerte, ca. 350 Bands, auch Aikido-Training vor Ort.
  • Gründer setzen auf Dialog, Haltung und Subkultur als Bollwerk gegen rechte Tendenzen.
  • Steelbruch bleibt ein Gemeinschaftsprojekt mit Zukunftsplänen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Die ganze Stadt kann kommen. Der Eintritt ist frei. Wir werden bloß mit dem Hut rumgehen und Spenden einsammeln.“ Thomas Zimmermann sieht komplett ruhig aus, als er das erzählt, aber innerlich dürfte es in ihm brodeln. Denn das Event am 1. Juli 2025, von dem er redet, ist ein besonderes, so wie alle Konzerte im Steelbruch in diesem Jahr besondere sind.

Der Club in Eisenhüttenstadt, den Thomas Zimmermann mit seiner Frau Maria aufgebaut hat, feiert nämlich sein zehnjähriges Bestehen. 2015 gab es das Angebot, Räumlichkeiten an der Werkstraße vor den Toren von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt zu mieten. Da haben die zwei Lebenskünstler und Eltern, die bereits den gleichnamigen Verein Steelbruch etabliert hatten, zugeschlagen. Was sie erschaffen haben, ist alles andere als selbstverständlich, und es füllt sie auch ein bisschen mit Stolz und Zufriedenheit.

„Ja, definitiv“, sagt der Clubbetreiber, „wir sind mit dem Steelbruch gewachsen. Unseren Verein gibt es ja auch schon 20 Jahre, aber keiner von uns wusste damals, wie man einen Verein, geschweige denn später einen Club führt.“

Club in Eisenhüttenstadt ist Zentralorgan für Subkultur

Ein eigener Club sei für beide immer ein Traum gewesen, aber zunächst habe man sich davor gedrückt, selbst einen aufzumachen. „Wir hatten ein bisschen Angst davor, die ganzen Kosten zu stemmen. Und keiner wusste halt, wie und ob das funktioniert, hier in der Gegend“, gibt Thomas Zimmermann zu.

Es hat funktioniert: In zehn Jahren hat es gut 100 Konzerte gegeben – und es wären mit Sicherheit mehr gewesen, wenn die Corona-Pandemie nicht für einen kompletten Stillstand über etwa zwei Jahre gesorgt hätte. Und da bei den Konzerten im Steelbruch meist mehrere Bands spielen, schätzt der Clubbetreiber, dass schon gut und gerne 350 Bands auf der Bühne des Clubs gerockt haben könnten.

Die Musiker treten aber nicht nur im Club auf, sondern erhalten von Thomas und Maria auch Unterstützung darüber hinaus. Die Steelbruch-Gründer, die oft selbst auf Tour mit verschiedenen Bands sind, kümmern sich um Übernachtungen, Equipment und sogar ein Kulturprogramm in Eisenhüttenstadt. Der Steelbruch sei zu so etwas wie einem „Zentralorgan für die weltweite Subkultur“ geworden, sagt der 45-Jährige schmunzelnd. Bands aus aller Welt – außer vom afrikanischen Kontinent – seien bereits zu Gast gewesen. „Deswegen sagen wir auch manchmal liebevoll, der Steelbruch ist das Tor zur Welt.“ Mittlerweile seien nach dem Vorbild aus Eisenhüttenstadt anderswo Clubs aufgebaut worden.

Questions aus Brasilien und Offside aus Cottbus zur Party

Gerade jetzt im Jubiläumsjahr schauen sich Thomas und Maria immer wieder auch Filmschnipsel der vergangenen Jahre an, da kommen beispielsweise auch In The Whale zu Wort und sprechen davon, dass ihr Auftritt im Steelbruch die beste Show auf der Tour gewesen sei. So etwas bestätigt das Duo, da hat selbst der harte Kerl Thomas Herzchen in den Augen und das steigert die Vorfreude auf das Konzert am 1. Juli 2025.

Am Dienstag gibt es in Hütte ein Konzert mit der brasilianischen Hardcore Band Questions, die von den Cottbusern von Offside unterstützt werden, sagt Thomas Zimmermann und verrät auch, dass man mit diesem Event die alte Reihe „Music Loves All Colours“ wieder frisch auflegen wird, deshalb sei der Eintritt auch frei. Warum? „Um Kultur im schwachen Raum zu fördern und Vorurteile abzubauen.“

Zimmermann, der rein äußerlich, aber auch innerlich in keine Schublade passt und passen will, setzt nach eigenen Aussagen immer auf „Dialog statt Hetze“. Musik sei so etwas wie Balsam für die Seele und helfe im Alltag, „nicht zu verbittern und zu resignieren“.

Auch japanische Kampfkunst wird gelehrt

Resignieren, das klingt in den Zimmermannschen Ohren total falsch. An diesen Punkt wollen beide nie kommen, auch wenn die vergangenen Jahre alles andere als leicht gewesen sind. Denn natürlich wirkt so ein Club, der dazu auch noch Subkultur bedient, in einer Stadt wie Eisenhüttenstadt fast schon außerirdisch. Und Krisen gab es – nicht nur Corona. Schon vor der Pandemie wäre der Club fast gestorben wegen verschiedener Auflagen, die auf den Schreibtisch geflattert waren.

Im größten Aikido-Verein im Land Brandenburg üben mittwochs 16.30 bis 20.30 im Steelbruch-Club in Eisenhüttenstadt Erwachsene und Kinder in verschiedenen Altersgruppen die japanische Kampfkunst Aikido.

Im größten Aikido-Verein im Land Brandenburg üben mittwochs 16.30 bis 20.30 im Steelbruch-Club in Eisenhüttenstadt Erwachsene und Kinder in verschiedenen Altersgruppen die japanische Kampfkunst Aikido.

Rico Kuhles

Damals gab es Solidaritäts- und Liebesbekundungen aus der ganzen Welt. Kommentare wie: „Macht weiter. Es wäre schade, wenn solche Orte den Bach runtergehen“ und „Geiler Club – muss bleiben! Bitte teilen, sonst ist Hütte bald richtig tot!“ wurden damals auf Social Media gepostet.

Subkultur

Subkultur bezeichnet die sozialen, kulturellen Werte, Stile und Ausdrucksformen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen, die sich bewusst von der Mehrheitskultur abgrenzen. Oft sind das Musikrichtungen, Kleidungsstile oder Lebensweisen, die nicht dem Mainstream entsprechen. Beispiele sind Hip-Hopper oder auch Hippies, Punks, Goths und Emos.

Subkulturen bieten Menschen eine Gemeinschaft und Identität, die sie in der breiten Gesellschaft manchmal nicht finden. Sie sind oft auch Orte für kreative und politische Ausdrucksformen.

Quellen: Bundeszentrale für politische Bildung, Kulturnews

Der Verein und der Club haben überlebt und das Angebot sogar erweitert. Neben Ska-, Punk- und Oi-Konzerten ist der Steelbruch auch offen für Lesungen und Arbeitsgruppen. Mittlerweile findet dort sogar das Training einer Aikido-Gruppe statt – für Kinder und Erwachsene.

Steelbruch in Eisenhüttenstadt – stabil wie nie

„Ja, der Steelbruch ist für uns nach wie vor ein gelebter Traum – und vor allem ein echtes Gemeinschaftsprojekt“, betont Maria (37). „Trotz aller Widerstände haben wir das durchgezogen – und die Zeit gibt uns recht: Während andernorts immer mehr Veranstaltungsorte für Live-Musik verschwinden, steht der Steelbruch heute stabil wie nie. Das erfüllt uns nicht nur mit Stolz, sondern auch mit Verantwortung.“

Für beide steht fest: „Wir ruhen uns nicht aus. Wir arbeiten schon an zukünftigen Projekten, um den Ort weiterzuentwickeln.“ Dabei wollen sie nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich relevante Impulse setzen. Maria Zimmermann macht klar: „Gerade in Zeiten, in denen rechte Tendenzen und menschenfeindliche Ideologien wieder lauter werden, sehen wir es als unsere Aufgabe, mit dem Steelbruch ein festes Bollwerk in der Region zu sein. Nicht durch leere Versprechen, sondern durch gelebte Soziokultur – offen, solidarisch, unbequem, wenn nötig – aber immer mit Haltung.“

Konzert mit Questions und Offside am 1. Juli 2025, Steelbruch Eisenhüttenstadt, Werkstraße 1, 19 Uhr, Eintritt frei, Biergarten geöffnet