Polizei in Eisenhüttenstadt: Drogen, Kinderpornografie – Täter oft minderjährig

Ein Mann schaut sich auf einem Smartphone pornografische Bilder an. Jugendliche geraten wegen der Verbreitung von Kinderpornografie immer häufiger ins Visier der Ermittler. Auch das Polizeirevier in Eisenhüttenstadtstadt hatte bereits damit zu tun.
Silas Stein/dpaViele Garageneinbrüche und ein deutlicher Anstieg bei Drogendelikten. Darüber wurde im vorangegangenen Jahr bei der Polizeistatistik für Eisenhüttenstadt geredet. Für das Jahr 2022 gibt es in anderen Delikt-Bereichen Auffälligkeiten, unter anderem bei den Sexualstraftaten. Darüber hat Olaf Kassube, Leiter des Polizeireviers in Eisenhüttenstadt, Auskunft gegeben.
Bei Rauschgiftdelikten sind die Fallzahlen in der Stadt Eisenhüttenstadt im Jahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr drastisch eingebrochen. Konnte die Polizei 2021 noch 297 Fälle ermitteln, waren es im vergangenen Jahr gerade mal noch 139. Spielen Drogen in Eisenhüttenstadt kaum noch eine Rolle?
Fallzahlen hängen von Kontrollen ab
Allerdings ist gerade bei Drogendelikten die rein statistische Zahl wenig aussagekräftig, um die Kriminalitätslage im Bereich Drogen einzuschätzen. Olaf Kassube beschreibt es so: „Das ist immer ein Kontrolldelikt. Je mehr Zeit ich habe und kontrolliere, desto mehr finde ich.“ Trotzdem gibt es auch in Eisenhüttenstadt eine Drogenszene. Der Revierleiter schätzte ein: „Es zeigt sich aber nicht so, dass wir einen Schwerpunkt und Angst haben müssten.“ Eisenhüttenstadt sticht nicht heraus.
Auch in einem anderen Delikt-Bereich, der vor allem 2021 die Kriminalpolizei in Atem hielt, gibt es einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen und in diesem Fall, weil es tatsächlich weniger Fälle gibt. Es handelt sich um Einbrüche in Garagen und Carports. 114 Fälle gab es 2021, ein Jahr später 77. Schwerpunkt war 2021 unter anderem der Garagenkomplex an der Beeskower Straße. Es konnte auch eine Tätergruppe ermittelt werden, was sicherlich zum Rückgang der Fälle beigetragen hat.
Mehr Sexualdelikte
Es gibt aber auch Zunahme von Fällen in bestimmten Delikt-Bereichen. Das betrifft den Delikt-Bereich der „Straftaten gegen das sexuelle Selbstbestimmungsrecht“. Die angezeigten Fälle sind von 37 (2021) auf 67 (2022) hochgegangen. Olaf Kassube spricht von einem deutlichen Anstieg.
Zunächst ist festzustellen: Der Anstieg der Fallzahlen ist nicht auf Eisenhüttenstadt beschränkt, sondern lässt sich auch im Bereich der Polizeidirektion Ost (von 614 Fällen in 2021 auf 818 Fälle in 2022) sowie auf Landesebene (ein Anstieg um 332 Fälle auf 2628 Fälle) feststellen.
Es gibt viele Gründe für den Anstieg. Einen der Hauptgründe wurde bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik für das Land genannt: „Ursächlich für die Gesamtentwicklung war die Zunahme von Delikten der Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung kinderpornografischen Inhalts.“
Täter unter 18 Jahren
Dabei macht die Polizeidirektion Ost in einer Pressemitteilung bei der Feststellung des Verbreitens und Besitzes von Kinderpornografie auf eine Auffälligkeit aufmerksam. Fast die Hälfte aller Tatverdächtigen in diesem Phänomenbereich sind unter 18 Jahre alt.
Und dann gibt es einen Delikt-Bereich, der häufig in den Polizeimeldungen auftaucht, aber sich auf den ersten Blick nicht in der Kriminalitätsstatistik von Eisenhüttenstadt niederschlägt, nämlich Betrug. Darunter zählen die Schockanrufe oder Schocknachrichten, mit denen vor allem Senioren um ihr Geld gebracht werden sollen. Die Fallzahlen im Bereich Betrug sind in Eisenhüttenstadt nahezu gleich geblieben. Olaf Kassube macht auf eine Besonderheit aufmerksam: Die Taten fließen dort in die Statistik, wo die Tatorte sind, dort, von wo die Täter anrufen, was in den seltensten Fällen Eisenhüttenstadt ist.
Zahl der Straftaten gehen insgesamt zurück
Insgesamt ist die Zahl der Straftaten in Eisenhüttenstadt zurückgegangen von 4426 (2021) auf 3982 (2022), obwohl es in Eisenhüttenstadt eine Besonderheit gibt, die sich 2022 wieder deutlich bemerkbar gemacht hat und die dazu führt, dass 1186 der insgesamt 2074 ermittelten Tatverdächtigen Ausländer sind, also mehr als die Hälfte. Grund dafür sind Verstöße gegen das Asyl- und Freizügigkeitsgesetz.
Inzwischen passiert es ja fast jeden Tag, dass an der Grenze zu Polen Menschen festgestellt werden, die illegal einreißen. Viele von ihnen kommen in die Erstaufnahmeeinrichtung nach Eisenhüttenstadt und dort wird auch die Anzeige wegen des Gesetzesverstoßes aufgenommen. Die Fälle sind wieder deutlich gestiegen um 238 auf 906 im vergangenen Jahr. In diesem Jahr werden die Zahlen noch höher liegen, wenn die Entwicklung so weitergeht. Immerhin liegt die Aufklärungsquote, die bei allen Delikten bei 58,9 Prozent liegt, in diesen Fällen bei nahezu 100 Prozent.
Insgesamt schätzt Olaf Kassube die Kriminalitätslage in Eisenhüttenstadt als nicht außergewöhnlich ein. „Es ist ein ruhiges Städtchen.“ Schwere Straftaten wie Raub, Rohheitsdelikte und Gewalt sind rückläufig, teilweise deutlich, entgegen dem überregionalen Trend.
Auch bei Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, die teilweise in anderen Städten deutlich gestiegen sind im Zusammenhang mit Protesten gegen die Coronamaßnahmen, ist Eisenhüttenstadt eine Ausnahme. Hier waren die Montagsdemonstrationen von Anfang an angemeldet.




