Kunsthof in Eisenhüttenstadt
: Diese Rätsel löst Namensforscher Jürgen Udolph

Statt Sportstars setzt der Kunsthof Fürstenberg in Eisenhüttenstadt bald auf Namensforscher Jürgen Udolph. Im Fokus stehen Familiennamen, Orts- und Flurnamen.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Deutschlands einziger Professor für Namenkunde (Onomastik), Jürgen Udolph, erforscht an der Universität in Leipzig mit Hilfe von alten Karten und vielen Literaturunterlagen die Herkunft von Ortsnamen, ihre gesellschaftliche Entwicklung und die ursprüngliche Bedeutung von Orten in Niedersachsen und Sachsen, Foto vom 13.01.2004. Bei dem promovierten Slawistik-Forscher treffen jede Woche auch Dutzende E-Mails, Anrufe und Briefe aus aller Welt ein, denn viele wollen die genaue Herkunft ihres Names erfahren. Binnen zehn Minuten deutet er meist die Herkunft des Namens. Hinter seiner Arbeit steckt harte Faktenrecherche. Mehr als hundert Bücher unterschiedlichster Sprachen säumen die Wände seines Büros. Foto: Waltraud Grubitzsch dpa/lsn (zu Korr.-Bericht lsn "Namenforscher deutet Anrufern in zehn Minuten Herkunft ihres Namens" vom 19.01.2004) +++ dpa-Bildfunk +++

Deutschlands einziger Professor für Namenkunde Jürgen Udolph (hier ein Archiivoto) kommt in den Kunsthof nach Eisenhüttenstadt.

Waltraud Grubitzsch/dpa
  • Kunsthof Fürstenberg lädt am 30. Oktober 2026 den Namensforscher Jürgen Udolph ein.
  • Thema sind Familien-, Orts- und Flurnamen – Einlass ab 18 Uhr, Beginn 19 Uhr, Eintritt 25 Euro.
  • Udolph analysiert seltene Namen, vorab wurden 20 Beispiele gesammelt, etwa Lungfiel und Unbehau.
  • Auch regionale Flurnamen kommen vor, Bezug zu Arbeiten von Klaus-Dieter Gansleweit.
  • Der Saal fasst über 60 Besucher. Für den 13. November 2026 ist Ex-Profi Heiko Scholz angekündigt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Kunsthof Fürstenberg in Eisenhüttenstadt ist bundesweit für seine Talkrunden mit prominenten Sportlern bekannt. Für den 13. November 2026 hat sich bereits Ex-Profi Heiko Scholz angekündigt, heute Mitglied im Trainerstab des Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden.

Doch vorher steht ein Abend an, der aus dem gewohnten Programm deutlich herausragt. Am 30. Oktober 2026, einen Tag vor Halloween, geht es im Kunsthof ausnahmsweise nicht um Tore, Bestzeiten oder Medaillen. Stattdessen rückt etwas in den Mittelpunkt, das jeder trägt, über das aber die wenigsten etwas wissen: der eigene Name.

Ab 19 Uhr ist der bekannte Namensforscher Professor Dr. Jürgen Udolph zu Gast. Einlass ist ab 18 Uhr, der Eintritt kostet 25 Euro.

Wie Nachnamen entstanden

Der Stoff für den Abend ist enorm. Immerhin gibt es allein in Deutschland rund 850.000 verschiedene Familiennamen – und es werden durch die Zuwanderung eher mehr als weniger. Die meisten im deutschsprachigen Gebiet entstanden zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert, als ein Vorname allein in der zahlenmäßig wachsenden Bevölkerung nicht mehr genügte. Schließlich wurden nach beigefügten Hinweisen auf Herkunft, Beruf oder besondere Merkmale letztlich feste Familiennamen. Verbindlich festgeschrieben wurde ihre Schreibweise allerdings erst 1875 mit der Einführung der staatlichen Standesämter.

Bei einigen Namen liegt die Herkunft noch auf der Hand: Müller, Schmidt, Schneider, Fischer, Meyer, Weber, Schulz, Wagner, Becker, Hoffmann, Schäfer, Koch, Bauer oder Schröder erzählen ihre Geschichte fast von selbst. Es sind gleichzeitig in dieser Reihenfolge die häufigsten Nachnamen in Deutschland. Doch bei vielen anderen endet jedes Rätselraten schnell. Denn Namen leiten sich eben nicht nur von Berufen und Orten ab, sondern auch von Eigenarten, Landschaften oder ethnischer Herkunft.

Seltene Familiennamen im Fokus

Genau darin ist Jürgen Udolph seit Jahrzehnten Experte. Der 83-jährige Sprachforscher hat Tausende Nachnamen untersucht und seine Erkenntnisse in unzähligen Vorträgen und Publikationen vorgestellt.

Auch er möchte sich im Kunsthof Fürstenberg allerdings nicht auf bloße Spontaneinfälle verlassen. Deshalb bat er die Organisatoren laut Mitveranstalter Frank Ganskow vorab um 20 außergewöhnliche Namen, die sich nicht einfach im Lexikon nachschlagen lassen. „Die haben wir bereits gefunden, unter anderem Lungfiel, Unbehau und Schinderkeite“, sagt der 63-jährige Organisator.

Während des gut zweistündigen Abends wird Jürgen Udolph nicht nur Familiennamen beleuchten. Auch Orts- und Flurnamen sollen eine Rolle spielen – also jene Begriffe, die oft tief in der Geschichte einer Region verwurzelt sind.

Regionale Sprachgeschichte im Kunsthof

Dass das Thema gerade hier in Eisenhüttenstadt auf Interesse stößt, dürfte kein Zufall sein. In der Region gibt es mit dem Henzendorfer Sprachspezialisten Klaus-Dieter Gansleweit einen weiteren ausgewiesenen Experten. Er veröffentlichte 2025 ein umfangreiches Flurnamenbuch für Neuzelle und Umgebung. Darin dokumentiert er mehr als 6000 Flurnamen aus 37 Orten des ehemaligen Klostergebiets Neuzelle sowie aus dem Raum Eisenhüttenstadt – samt Herkunft, Bedeutung und sprachgeschichtlicher Entwicklung. Immerhin sind rund 15 Prozent der Namen sorbischen Ursprungs, also beispielsweise für nichtsorbische Muttersprachler teilweise schwer nachvollziehbar.

Klaus-Dieter Gansleweit hat sich für den Abend im Kunsthof übrigens schon eine Karte gesichert. Viel Zeit zum Zögern bleibt Interessierten ohnehin nicht: Mehr als 60 Besucher finden dort nicht Platz.