Leichtathletik: Kenianer fühlt sich als Sportler in Eisenhüttenstadt wohl

Ein stark ausgedünntes Feld stellt sich bei unangenehmer Witterung dem Diehloer Hügellauf.
Bernd PflughöftAllen voran stürmte die 37–jährige Berlinerin Carolin Mattern den ersten Anstieg über gut hundert Meter hoch, der die Teilnehmer zu Beginn herausforderte. Aufpassen mussten alle jedoch auf dem teilweise aufgeweichten Geläuf vor allem bergab. Mattern, die wie die anderen weiblichen Starter am Vorabend des Internationalen Frauentages von der Vorsitzenden des organisierenden Eisenhüttenstädter Friedenshauses Mechthild Tschierschky eine Rose erhielt, erreichte in Abwesenheit ihres Mannes Thomas Gogolin, bei den ersten vier Wettbewerben jeweils der Schnellste, das Ziel nach 22:45 Minuten.
Zweitbester war der 20–jährige Eisenhüttenstädter Marius Ziems (23:57) vor Charles Kimingi Thaiya aus Kenia. Allerdings war der 47–jährige Asylbewerber mit gehörigem Rückstand hinterhergestürmt, die Veranstalter hatten seine tatsächlich benötigte Zeit gewertet. Dem gelernten Friseur hatten die drei von ihm bestrittenen Läufe auf der Eisenhüttenstädter Insel so gut gefallen, dass er trotz seiner Verlegung nach Doberlug–Kirchhain auf eigene Kosten per Zug anreiste. Allerdings hatte er nicht gewusst, dass dieses Mal unweit seiner ehemaligen Unterkunft der Start erfolgte. Zwar erreichte er nach einem kurzen Telefonat per Handy noch den Neuzeller Landweg, aber etwas zu spät. Unaufgewärmt stürmte der Trainer der philipinischen Landesmeisterin im Langstreckenlauf hinterher, humpelte jedoch im Ziel gehörig, da seine linke Achillessehne nach der abrupten Belastung sich gemeldet hatte.
Hilfe fand er bei Zeitnehmerin Jaqueline Müller. Dieses Mal hatte sie und ihren laufenden Mann Andreas Müller (1. M 60/27:07) der Ghanaer Ibrahim Ngum begleitet, der sonst für den FC Eisenhüttenstadt Fußball spielt. Andreas Müller betreut im Autohaus König Ibrahim Ngum. Allerdings war es dem Afrikaner zum Laufen zu kalt, doch er fand schnell einen Draht zu Thaiya. Der hatte sich lediglich mit einem weißen Unterhemd nach Eisenhüttenstadt aufgemacht.
Stahlstadt ist für Sportler gut
Thaiya dürfte alles in bester Erinnerung behalten, da ihm Jaqueline Müller wegen seiner Achillessehne zum Einreiben mit Voltaren und Finalgon ausstattete und ihrem Mann noch ein Laufhemd abluchste, das sie neben etwas Verpflegung am Eisenhüttenstädter Bahnhof mitgab. „Die Unterkunft in Doberlug–Kirchhain ist besser, doch für einen Sportler ist es in Eisenhüttenstadt viel schöner“, bekennt Thaiya.
Schnellster über 2,5–Kilometer war der 13–jährige Beeskower Jannis Bullack in 11:43 Minuten, bestes Mädchen erneut die gleichaltrige Eisenhüttenstädterin Marie Luise Ledwig (11:50).
