Leichtathletik
: Schnupperkurs bei der Elite

Carolin Mattern ist beim Rekordlauf von Konstanze Klosterhalfen über 5000 Meter im Berliner Olympia-Stadion dabei.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Häufiger Gast bei Wettbewerben in der Region: Carolin Mattern beim Müllroser Frauenlauf  vor zwei Jahren. Sie ist Deutsche Meisterin über 5000 Meter in der W 35.

MICHAEL BENK

Vor drei Jahren war sie bei den Titelkämpfen in Kassel in 16:40,44 sogar Neunte, doch an diese Leistung war dieses Mal nicht zu denken. Schließlich hatte sich die Qualifikation für diesen Jahreshöhepunkt recht zäh angelassen. „Ich reise nicht so gern zu Wettkämpfen. Ich pendel unter der Woche schon genug. Doch dieses Mal wollte ich mich unbedingt qualifizieren, weil sie in Berlin sind.“ Mal abgesehen von der Leistung in Kassel hat Mattern ihre übrigen Bahn-Bestmarken von den 800 bis 10 000 Metern allesamt in der Hauptstadt aufgestellt.

Nachdem sie im Frühjahr bei zwei 5000-m-Wettbewerben die Qualifikation mehr oder wenig klar verpasst hatte, war sie am 28. Juni mit 17:00,04 Minuten in Borgholzhausen die Norm gelaufen. Zwei Wochen später hatte sie sich in Leinefelde-Worbis ihren ersten Deutschen Meistertitel geholt, den über 5000 Meter der W 35. Die Zeit habe für sie eine untergeordnete Rolle gespielt, da nach der vollbrachten Qualifikation die Luft etwas raus war. „Im nächsten Jahr will ich bei den Senioren die 1500 und 5000 Meter laufen. Das haben viele dort gemacht. Die 1500 sind einen Tag vorher. Doch die 5000 werden meine Lieblingsstrecke bleiben“, erklärt Mattern.

So könne sie sich gut vorstellen, auch im nächsten Jahr noch einmal bei den nationalen Titelkämpfen im Konzert der Großen mitzumischen. „Allerdings sind diese mit dem 6. Juni schon sehr früh, viel hängt davon ab, wie ich aus den Winter komme, meistens bin ich im Frühjahr nicht so schnell in Form.“

Persönliche Jahresbestleistung

Dafür im Sommer. In guter Verfassung war sie ohne Zweifel am Sonnabend in Berlin, als sie ihre persönliche Jahresbestleistung erzielte. Dazu seien laut Mattern die Bedingungen nahezu ideal gewesen. „Klar, zehn Grad weniger wären besser gewesen. Aber es war im Olympia-Stadion relativ schattig, nur 150 Meter lagen in der Sonne. Dazu wehte ein leichtes Lüftchen.“ Persönlicher Betreuer im Stadion war ihr Mann Thomas Gogolin. Zwar habe sie beim Einlaufen auch Klosterhalfen gesehen, doch jede Starterin war laut Mattern auf sich fokussiert. Was habe Klosterhalfen anders gemacht als sie? „Die ist so professionalisiert, hat einen so guten Schritt und ein perfektes Last-Kraft-Verhältnis, sie läuft in einer anderen Liga. Während sie das ganze Lauf-A-B-C durchnahm, mache ich bei der Erwärmung viel weniger. Ich bin da nicht vorbildlich“, erklärt Mattern.

Im Lauf selbst habe sie konsequent auf der Innenbahn laufend versucht, ihr eigenes Tempo durchzuziehen. Das war zunächst am Ende des Feldes. „Die sind mir zu schnell angegangen. Ich bin die ersten Kilometer in 3:19 und 3:20 gelaufen, die ersten drei Kilometer in 10:04. Das war zu schnell. Ich musste mich hinten aufhalten in der Hoffnung, dass welche einbrechen. Von einigen habe ich gewusst, die können nie und nimmer das Tempo durchlaufen. Die meisten sind dann ja auch eingebrochen. Leider habe ich mich verleiten lassen, dann mitzutrudeln. Darüber ärgere ich mich. Drei, vier Sekunden hätte ich schneller sein können.“

Nun steht eine dreiwöchige Kreuzfahrt in Island, Grönland und Schottland an. Am 31. August ist sie mit ihrer Familie wieder zurück, einen Tag später will sie beim 16. Müllroser Frauenlauf um Oder-Spree-Cup-Punkte über zehn Kilometer starten. Mit großer Sicherheit an der Spitze des Feldes. Schließlich hat sie dort siebenmal gewonnen, zuletzt dreimal in Folge. Mit 36:10 Minuten hält Mattern den Streckenrekord, nahezu folgerichtig stammt er aus ihrem Rekordjahr 2016.