MS Goldberg Eisenhüttenstadt: Erstmals DDR-Filme und Musik auf dem Kulturschiff

Das Jüdische Kulturschiff „MS Goldberg“ aus Berlin ist wieder auf Tour. Diesmal geht es nach Eisenhüttenstadt (hier ein Bild aus dem Jahr 2024), Oranienburg und Brandenburg/Havel. Erstmal werden auch DDR-Filme gezeigt.
Janet Neiser- Das jüdische Kulturschiff MS Goldberg tourt 2025 durch Brandenburg, Start in Eisenhüttenstadt.
- Ziel: Mit jüdischer Kunst und Kultur gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wirken.
- Neu: DEFA-Filme erstmals im Programm.
- Weitere Highlights: Lyrik von Selma Merbaum, Konzerte und Geschichten über außergewöhnliche Frauen.
- Eintritt frei, keine Reservierung nötig – weitere Stopps: Oranienburg und Brandenburg/Havel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Jüdische Kulturschiff „MS Goldberg“ tourt wieder durch Brandenburg. Und der verantwortliche Verein Discover Jewish Europe hat sein Versprechen gehalten. Eisenhüttenstadt ist nicht nur einer der Stopps, sondern erneut die erste Station, bevor es weiter nach Oranienburg sowie Brandenburg/Havel geht.
Noch im Frühjahr 2025 war nicht klar, ob das Schiff überhaupt ablegen kann oder im Heimathafen in Berlin-Spandau verbleiben muss – wegen der noch nicht gesicherten Finanzierung. Denn Tourneen und der gesamte Betrieb des jüdischen Kulturschiffes seien kostenaufwändig, erklärt Peter Sauerbaum, Intendant der Goldberg und Vorsitzender von Discover Jewish Europe.
Ohne Sponsoren funktioniere das nicht. Die wurden aber erneut gefunden. „Wir danken Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Woidke, dass er Lotto-Mittel zur Verfügung stellt, und wir danken der Krupp-Stiftung, der Bischoff-Stiftung und der Stiftung ‚Weißt Du Wer Ich Bin?‘ für ihre Unterstützung“, erklärt Sauerbaum. Und er verkündet erfreut: „Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist kostenlos.“
MS Goldberg: Das ist das Ziel des Kulturschiffs
Ziel des Vereins Discover Jewish Europe ist es, mit jüdischer Kunst und Kultur gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu wirken, ohne den Zeigefinger zu heben. Unterhaltsam soll das Programm sein, aber eben nicht nur. Es soll bilden, aufklären und zum Nachdenken sowie zum Diskutieren ermuntern – auch jetzt in Zeiten des Gaza-Kriegs, der dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 folgte.
In Eisenhüttenstadt hat die „MS Goldberg“ bislang zweimal angelegt. Und das Interesse an den Veranstaltungen war sehr groß. „Ich hoffe, dass es wieder richtig voll wird“, sagt Michaela Schramm vom MS-Goldberg-Team und verweist darauf, dass diesmal alles sehr kurzfristig sei. Aber am Bollwerk im Ortsteil Fürstenberg wollte man unbedingt wieder festmachen.
„Da wir unsere Veranstaltungen auch als Mittel gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit verstehen, ist es ganz natürlich, dass wir überall dort unterwegs sind, wo wir für die ‚MS Goldberg‘ eine Handbreit Wasser unter dem Kiel vorfinden“, betont der Sauerbaum, der auch einige Jahre Intendant beim Brandenburgischen Staatsorchester in Frankfurt (Oder) gewesen ist.
MS Goldberg zeigt jetzt auch DDR-Filme
Mittlerweile hat sich Konzept der „MS Goldberg“ herumgesprochen, nicht nur in den überregionalen deutschen, sondern sogar in den US-amerikanischen Medien wurde darüber berichtet.
Und in diesem Jahr hat sich der Verein Discover Jewish Europe etwas Besonderes und etwas Neues einfallen lassen. Denn das Programm besteht eben nicht ausschließlich aus jüdischen Kultur- und Kunstbeiträgen, sondern auch aus der Rezeption jüdischen Lebens in verschiedenen Kulturgenres.
Erstmals werden auf der „Goldberg“ DDR-Filme gezeigt. „Entgegen der landläufigen Vorstellung spielten jüdisches Leben und Erfahrungen im Film der DDR-Filmproduktion, bei der Defa und im Fernsehen, immer wieder eine Rolle, vor allem in bemerkenswerten Filmen über die Shoah“, teilt der Verein mit.
Im Verlauf der DDR-Geschichte hätten sich die Erzählweisen verändert, die Filme seien persönlicher geworden und hätten auch die direkte Verantwortung der Deutschen aufgenommen. „Wie in der DDR-Literatur war auch die Filmkunst der offiziellen Propaganda weit voraus, sie differenzierte und schaffte einen emotionalen Zugang zur Geschichte.“
MS Goldberg zeigt in Eisenhüttenstadt Defa-Filme
Zwei Filme in der Reihe „Jüdisches im Defa/DDR-Film“, kuratiert von Knut Elstermann, wurden bislang im Heimathafen in Berlin-Spandau gezeigt: Da könne man noch nicht so viel über die Resonanz sagen, erklärt Peter Sauerbaum. Aber man habe ein aufmerksames Publikum vorgefunden. „Wenn wir auf dem jüdischen Kulturschiff jüdische Geschichte sowie jüdisches Wirken und deren Rezeption präsentieren, dann gehört es einfach dazu, wie in der DDR das Filmschaffen mit dieser Thematik umging“, betont Sauerbaum.
Und welche Filme werden im September in Eisenhüttenstadt gezeigt? „Levins Mühle“ aus dem Jahre 1980 und „Stielke, Heinz, fünfzehn ...“ aus dem Jahr 1987. Beides sind Defa-Filme.
Regisseur Horst Seemann hat mit „Levins Mühle“ den Roman von Johannes Bobrowski (1917-1965) verfilmt, unter anderem mit Erwin Geschonneck (1906-2008) und Rolf Hoppe (1930-2018). Worum es geht? In einem westpreußischen Dorf nahe der unteren Weichsel leben in den 1870er-Jahren Deutsche, Polen, Juden und Sinti und Roma nebeneinander. Ein Konflikt eskaliert und ändert das Leben vieler.
In „Stielke, Heinz, fünfzehn ...“ führte Michael Kann Regie. In der Literaturverfilmung, die auf Motiven von Wolfgang Kellners „Abenteurer wider Willen“ basiert, geht es um den 15-jährigen Berliner Heinz Stielke (gespielt von Marc Lubosch, auch bekannt aus „Grüne Hochzeit“). Heinz ist ein fanatischer Hitlerjunge und stolz auf seinen Vater, der im Krieg gefallen ist. Doch dann kommt heraus, dass er Jude war.
MS Goldberg feiert Lyrik und Frauen
Mit den Filmen startet das diesjährige Programm der „MS Goldberg“ am Bollwerk in Eisenhüttenstadt. An den folgenden vier Tagen wird es lyrisch, melancholisch.
Zunächst werden Gedichte von Selma Merbaum (1924-1942) vertont, die mit 18 Jahren in einem deutschen Arbeitslager starb. Es singt Aviv Weinberg, begleitet von Albrecht Gündel-vom Hofe am Piano und Ben Lehmann am Bass. Judith Kessler berichtet aus dem kurzen Leben der Dichterin.
In „Auf Wiederseh’n irgendwo in der Welt“ erklingen Lieder von jüdische Komponisten wie Kurt Weill, Paul Abraham, Friedrich Hollaender, Mischa Spoliansky und Werner Richard Heymann. Frederike Haas (Gesang) und Nikolai Orloff (Klavier) wollen zeigen, dass diese Musik alles andere als verstaubt ist.

Die MS Goldberg, hier im September 2024 am Bollwerk in Fürstenberg, kommt zum dritten Mal nach Eisenhüttenstadt und präsentiert ein spannendes Programm bei freiem Eintritt. Erstmals werden auch Filme gezeigt.
Janet NeiserWer Lust auf eine wilde jüdisch-iranisch-gospel-amerikanische Mischung hat, der ist bei „Rosenthal & Friends: Cross Culture?“ richtig. Opernsängerin und Multi-Instrumentalistin Shulamit Lubowska aus Sibirien, Soul-, Gospel-, Jazz-, Pop- und Musical-Sänger sowie Entertainer Keith Tynes aus den USA, der Langhalslauten-Spieler Sepehr Lajevardi aus dem im Iran sowie der Ukrainer Boris Rosenthal, der musikalisch im Jazz, Swing und Klezmer zu Hause ist, sorgen für einen unterhaltsamen Abend.
MS Goldberg: Freier Eintritt, freie Platzwahl
Und schließlich in „Wonder Women“ erzählt Judith Kessler, begleitet vom Pianisten Arno Waschk, von erstaunlichen Frauen. Eine war Sternguckerin, eine Verbrecherkönigin, eine Luftschifferin und eine weitere eine stille Heldin.
Fünf Tage volles Programm auf dem jüdischen Kulturschiff. „Dank des umsichtigen Schutzes durch die Brandenburger Polizei können wir und unser Publikum uns auf der MS Goldberg absolut sicher fühlen“, betont Peter Sauerbaum.
Neben freiem Eintritt gibt es an Bord auch freie Platzwahl. Eine Reservierung ist nicht erforderlich. Wer Lust hat, kann einfach kommen. Jeweils eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn öffnet die Bar auf dem Schiff. Aber wer ganz sicher gehen will, kann uns eine Mail mit Namen und der Anzahl der gewünschten Plätze schreiben an ms@goldberg-kulturschiff.de teilt der Verein mit.
Programm der „MS Goldberg“ in Eisenhüttenstadt 2025
- 24.9. (Mi): 17 Uhr – „Levins Mühle“ (DEFA 1980)
- 24.9. (Mi): 19.30 Uhr – „Stielke, Heinz, Fünfzehn …“ (DEFA 1987)
- 25.9. (Do): 19 Uhr – „Gleich einer Symphonie in Grün. Selma Merbaums lyrische Welt“
- 26.9. (Fr): 19 Uhr – „Auf Wiederseh’n irgendwo in der Welt“; musikalisch-literarische Reise
- 27.9. (Sa): 19 Uhr – „Rosenthal & Friends: Cross Culture“; Konzert
- 28.9. (So) 18 Uhr – „Wonder Women“; Geschichten & Musik ganz erstaunlicher Weibsbilder
Nach dem Aufenthalt in Eisenhüttenstadt folgen Stopps in Oranienburg (3.-6.10.2025) sowie Brandenburg/Havel (8.-12.10. 2025). Das gesamte Programm gibt es hier.
Quelle: MS Goldberg



