Nesthocker
: Storchenvater rettet Brut im Sturzflug

Anwohner in Wiesenau und Brieskow-Finkenheerd freuen sich über den Nachwuchs der Weißstörche.
Von
Dietmar Puttins
Brieskow-Finkenheerd
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  • Mutter bringt das Fliegen bei: hier im Nest in Brieskow-Finkenheerd. Die Weißstorch-Bestände nehmen im Westen Brandenburgs zu, weiter östlich sinken sie stetig. 2017 zählte der Nabu 1274 Paare (2016: 1284). Bei 858 Brutpaaren wurden flügge Jungen erfasst. (2016: 1831).

    Mutter bringt das Fliegen bei: hier im Nest in Brieskow-Finkenheerd. Die Weißstorch-Bestände nehmen im Westen Brandenburgs zu, weiter östlich sinken sie stetig. 2017 zählte der Nabu 1274 Paare (2016: 1284). Bei 858 Brutpaaren wurden flügge Jungen erfasst. (2016: 1831).

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  • Vom Balkon im Steinweg genießen sie den Blick auf den Horst: Cornelia Fitsch, Krankenschwester im Frankfurter Klinikum, und ihr Lebensgefährte Norman Henschel, einst Anlagenfahrer im EKO

    Vom Balkon im Steinweg genießen sie den Blick auf den Horst: Cornelia Fitsch, Krankenschwester im Frankfurter Klinikum, und ihr Lebensgefährte Norman Henschel, einst Anlagenfahrer im EKO

    Dietmar Puttins
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Lebhaft fiepen  die Weißstorch-Jungen in ihren Nestern im Oderland. Sei es in Wiesenau, Ziltendorf oder Brieskow-Finkenheerd: Meister Adebar muss jetzt die hungrigen Schlünde seines Nachwuchses stopfen, damit die Kleinen stark genug für den Flugunterricht ihrer Mutter werden. Doch die Nahrungssuche gestaltet sich schwieriger und die Überlebensrisiken sind für die Jungstörche noch hoch. Grund: Neben zu einseitiger Landwirtschaft und Insektensterben schränken zusätzlich Hitzewellen und Trockenheit die Speisenkarte der Störche ein. Kein Regen, keine Würmer. Keine Pfützen, keine Frösche. In Zeiten des Klimawandels droht der Nachwuchs zudem bei Starkregen in den Nestern zu verenden.

Marianne Schaar aus der Kirchstraße in Wiesenau kennt solche Situationen. „Bei der Oderflut 1997 ertrank uns einer der Weißstörche und nach 1997 verunglückte ein Storch beim Anflug auf der Straße.“ Ein Förster päppelte ihn wieder auf. Seit mehr als 30 Jahren verfolgt die frühere Mitarbeiterin der Stadtwerke Frankfurt (Oder) live das Treiben der Störche hinter dem Wohnhaus ihrer Familie. Dort, beim Nachbarn, befindet sich ein Horst auf einem einstigen hölzernen Strommast. Marianne Schaar zählte bisher drei Jungtiere: „Unsere Störche sind  zeitig eingetroffen, am 24. März.“ Um den 26. August treten die Störche ihren Rückweg in den Süden an.

Unsicheres Flügelschwingen sieht man auch in Brieskow-Finkenheerd – in der Nachbarschaft bei Cornelia Fitsch (57) und Norman Henschel (65) im Steinweg. Von ihrem Balkon aus blicken sie auf ein Nest, das auf einem  Betonmast im Steinweg 8. Vater Storch traf am 24. März ein, die Störchin einen Tag später.

Norman Henschel: „Anfang Mai griff ein fremdes Storchenpaar die brütende Mutter an, hackte auf sie ein, dabei zerbrach ein Storchenei." Vater Storch kehrte im Sturzflug zurück und verjagte die Eindringliche. Seit zwei Jungstörche geschlüpft sind, ist im Steinweg mehr los als sonst. „Senioren- und Kitagruppen  kommen vorbei. Auto-, Fahrradfahrer und Spaziergänger schauen nach“, erzählt Cornelia Fitsch.

Hans Jürgen Fetsch von der Fachgruppe Ornithologie im Regionalverband Frankfurt (Oder) des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) versteht die Freude, bleibt aber kritisch angesichts der Nahrungsknappheit für die Störche. „Unsere sterile Landwirtschaft ist das Hauptproblem“, sagt er. „Es wird alles vernichtet – bis auf die eine Nutzpflanze, die man braucht.“ In den Wäldern gehe das noch, aber in Feld und Flur sei kaum noch artgerechtes Futter zu finden. Der Vogelkundler sieht jeden  einzelnen Bürger gefordert. Wer etwa mit Chemikalien oder Giften seine Privatgrundstücke bearbeite, solle innehalten und umdenken. Hans Jürgen Fetsch betont: „Wenn wir uns mit belasteten Lebensmittel schädigen, können wir noch zum Arzt gehen. Die Lebewesen in der Natur jedoch haben keine Apotheke.“