Niedriger Dieselpreis
: Guter Start in ein neues Tankjahr

Ende 2018 gingen die Preise an den Zapfsäulen erstmals zurück. Dass der Trend weiter anhält, freut Tankstellenpächter.
Von
Patrizia Czajor
Eisenhüttenstadt/Guben
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Erstmals fallende Preise: Fahrer von Dieselfahrzeugen können vielerorts in der Grenzregion günstiger tanken als in Polen. Hauptverdiener ist zwar der Staat, doch auch die Tankstellenpächter dürfen sich freuen.

Gerrit Freitag

Beschweren kann sich Stephanie Wellnitz-Kuhrau derzeit nicht. Seit über einem Monat ist der Dieselpreis an den SB-Tankstellen in Eisenhüttenstadt und Frankfurt, deren Pächterin sie ist, der Preis so niedrig wie schon lange nicht mehr. Das macht sich auch im Umsatz bemerkbar. „Das tut uns ganz gut“, so drückt es Stephanie Wellnitz-Kuhrau aus. Ein Liter Diesel kostete etwa an der SB-Tankstelle in Eisenhüttenstadt am Freitag 1,16 Euro. Zum Vergleich: Mit Ausnahme einer Tankstelle kostete der Liter Diesel am selben Tag in Slubice zwischen 1,19 und 1,26 Euro. Beim Benzinpreis hingegen hat es laut Stephanie Wellnitz-Kuhrau in den vergangenen Wochen keine großen Ausschläge gegeben.

Auch wenn sich Tankstellenpächter in der Region freuen – selbst auf den Preis Einfluss nehmen können sie nicht. „Das steht nicht in unserer Macht“, sagt Stephanie Wellnitz-Kuhrau. Es sind die Tankstellengesellschaften – im Fall der SB-Tankstellen eine Mineralölgesellschaft mit Sitz in Gelsenkirchen –,  welche die Preise vorgeben. Ausschlaggebend sind Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt oder der Euro/Dollar-Wechselkurs. Auch politische Faktoren können beeinflussen, wie viel Autofahrer für Treibstoff zahlen müssen.

An den Zapfsäulen der Aral-Tankstelle an der Karl-Marx-Straße in Eisenhüttenstadt sind die Preise sogar schon Anfang November gefallen. Zum ersten Mal seit langem erlebten die Autofahrer, dass der Preis dauerhaft niedrig ist, sagt Dietmar Adolph. Im Schnitt sei der Diesel seitdem 15 Cent günstiger geworden. So groß sei, sagt der Pächter der Aral-Tankstelle, auch immer der Preisabstand zu den polnischen Tankstellen gewesen, der somit aufgehoben worden sei. Auch wenn Eisenhüttenstadt nicht direkt im Grenzgebiet liegt, bemerkt der Pächter immer häufiger, dass Transporter polnischer Unternehmen vor ihrer Rückfahrt noch bei ihnen tankten.

Doch eigentlich ist es nicht der Verkauf des Kraftstoffs, der den größten Teil seines Umsatzes ausmacht. „Der größte Verdiener ist hier der Staat“, erläutert Dietmar Adolph. Rund 75 Prozent der Einnahmen generiert er aus dem Tankstellenshop sowie der Waschanlage. Und wenn mehr zum Tanken kommen, nimmt der eine oder andere vielleicht noch einen Kaffee mit, wie der Pächter die aktuelle Situation beschreibt.

Sollte es in absehbarer Zeit zu einer Angleichung der Mineralölsteuer in allen EU-Staaten kommen, werde sich die Preissituation ohnehin anders gestalten, glaubt er. Denn derzeit sei die vom Staat erhobene Abgabe auf Diesel und Benzin in Polen, Ungarn und Rumänien noch deutlicher niedriger als in Deutschland. Im Moment freut sich Dietmar Adolph jedoch, dass sich die Tankstellen in der Grenzregion, wo in der Regel ein harter Wettbewerb herrscht, dadurch „ein bisschen erholen können“.

Ein bisschen anders sieht die Situation jedoch einige Kilometer weiter südlich aus. In Guben zahlen die Autofahrer für den Dieselkraftstoff immer noch mehr als jenseits der Grenze in Gubin. Was, wie Fritz Ludwicki beobachtet, viele Polen nicht davon abhält, trotzdem in Deutschland zu tanken. Der Autofahrer aus Guben hat eine Polin kürzlich sogar darauf angesprochen. Sie habe ihm geantwortet, dass sie die Qualität des Treibstoffs in Deutschland für besser hält.

Die Geschichte der Tankstelle

Als die ersten Verbrennungsmotoren konstruiert wurden, gab es Benzin und andere Treibstoffe nur in Apotheken. In der Stadt-Apotheke in Wiesloch kaufte Bertha Benz bei ihrer Automobil-Überlandfahrt Anfang August 1888 von Mannheim nach Pforzheim das Leichtbenzin Ligroin ein. Das Petroleum-Benzin-Gemisch diente damals in erster Linie der Reinigung von Kleidung. In der Zeit ab 1900 konnte man Treibstoff dann auch bei Kolonialwarenhändlern oder in Gaststätten in Kanistern besorgen.

Erst nachdem Motorwagen sich immer weiter verbreiteten, entstand 1913 in den USA die erste „richtige“ Tankstelle. Diese wurde allerdings noch mit Handpumpen betrieben. In Deutschland wurde die erste Tankstelle im Jahr 1922 eingeweiht. 1930 gab es dann bereits 50.000 Tankstellen in Deutschland.