Porträt: Von Oklahoma nach Eisenhüttenstadt
In Oklahoma geht der Zwölfjährige momentan in die sechste Klasse einer Privatschule. Mit seinen Deutschkenntnissen kann er hier aber nur selten glänzen. "Die meisten Amerikaner lernen kein Deutsch. Als Fremdsprache lernen sie meistens Spanisch, wie wir auch“, erklärt Odin. Ein Lieblingsfach habe er in der Schule nicht, kann sich aber für seine Zukunft schon vorstellen, in technischen Berufen zu arbeiten.
Auch nach der Schule bleibt Odin aktiv. Wenn die Schulglocke um 15 Uhr klingelt, geht er zum Taekwondo–Training oder nimmt Klavierunterricht mit seinem besten Freund Maoi. Anders als von einem amerikanischen Jungen erwartet, findet er den Nationalsport American Football gar nicht so spannend wie andere Klassenkameraden. Er bleibt lieber Fußballfan, teilt er mit einem Schmunzeln mit. Leider wird dieser Ballsport in seiner Heimat so gut wie gar nicht angeboten. Das holt er dann bei seinen Deutschlandbesuchen nach.
Mentalitäten sind verschieden
Bei der Frage, was seiner Meinung nach Deutschland und Eisenhüttenstadt noch von Oklahoma unterscheide, muss Odin nicht lange überlegen: „In Oklahoma gibt es nur Großstädte, hier gibt es Felder und Wiesen. Außerdem ist es dort nicht üblich mit dem Fahrrad zu fahren. Die Leute fahren nur mit Autos“, erzählt der junge Amerikaner. In der Tat habe er erst in Deutschland das Fahrradfahren vor ein paar Jahren richtig gelernt. Doch nicht nur die Landschaft, auch die Mentalität der Menschen würde sich seiner Meinung nach stark unterscheiden. „In Deutschland kennt fast jeder jeden. In den USA kennt man vielleicht noch den Nachbarn, aber mehr nicht“, bedauert der junge Amerikaner.
Neugier ließ sie auswandern
Vor 19 Jahren sind Odins Eltern aus Deutschland ausgewandert. Warum, kann der Zwölfjährige selbst nicht mehr nachvollziehen. Sein Onkel verrät jedoch, dass ein guter Freund der Familie damals die Idee zu einem Tapetenwechsel hatte. Sein Vater Christoph Schieche arbeitete damals als angesehener Arzt im Klinikum Bad Saarow, seine Mutter Ina als Kinderkrankenschwester in Berlin. Eigentlich waren die beiden in Deutschland glücklich. Aber die Neugier, so vermutet Jorg Bartz, habe sie dann doch nach Amerika getrieben.
Die deutschen Wurzeln haben die Eltern allerdings nie zurückgelassen, nutzen auch weiterhin jede Gelegenheit eines Besuchs. In den nächsten zwei Wochen möchten beide ebenfalls nach Deutschland kommen, um die letzten zwei Wochen hier gemeinsam zu verbringen. Geplant ist zum Beispiel ein Ausflug nach Potsdam. Dann kann Odin auch seine Großcousine und seinen Großcousin wiedersehen.

