Schule
: Von Maria bis zum Seelsorger

Schüler der katholischen Grundschule in Neuzelle haben im Rahmen von „Denkmal aktiv“ ein Memory-Spiel entwickelt.
Von
Janet Neiser
Neuzelle
Jetzt in der App anhören

Kreative Köpfe: Jonas (unten links) und Emanuel sowie Mathilde (oben links) und Frida aus den Klassenstufen 5 und 6 der katholischen Grundschule in Neuzelle gehören zu insgesamt 32 Kindern, die ein ökumenisches Memory-Spiel gestaltet haben.

Janet Neiser

Dass Glauben durchaus zu einem Spiel taugt, haben die Kinder der katholischen Grundschule „Pfarrer Florian Birnbach“ bewiesen. Die Jungen und Mädchen der fünften und sechsten Stufen beschäftigten sich das ganze Schuljahr über mit dem Thema Ökumene. Klingt langweilig? Ist es aber nicht. Im Gegenteil. Sie haben nämlich nicht nur in Büchern geblättert und mit ihrem Religionslehrer gesprochen, sondern sie sind tiefer eingedrungen, haben die katholische Kirche in Neuzelle und die evangelische Kirche in Wellmitz genau unter die Lupe genommen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten entdeckt.

Und das haben sie nicht nur im Rahmen des normalen Unterrichts gemacht. Vielmehr hatten sie sich zuvor erneut bei dem Schulprogramm „Denkmal aktiv“ beworben. Erfolgreich. Ihr Vorhaben, sich im Rahmen von Denkmälern mit der Ökumene zu beschäftigen, kam bei der Deutschen Stiftung Denkmalsschutz so gut an, dass es als förderfähig befunden wurde.

Erst nach und nach ist im Laufe des Schuljahres die Idee entstanden, aus dem Gelernten und Erforschten ein Memory-Spiel zu gestalten. Das haben die Kinder in dieser Woche erstmals in Neuzelle präsentiert. Insgesamt 24 Memory-Paare sind entstanden. Ein Paar zeigt jeweils ein katholisches und ein evangelisches Motiv. So wie beispielsweise die Maria. „In der katholischen Kirche war die ganz leicht zu finden“, sagte eine Teilnehmerin. Im evangelischen Gotteshaus hingegen mussten sie ein wenig suchen. Andere Paare bilden die Glocken, die Seelsorger, die Gesangsbücher, die Organisten und die Kirchenbänke. Alle Details wurden von den Kindern fotografiert.

„Wir hatten ganz viele Fotos und haben am Ende entschieden, welche am besten aussehen“, erzählt Mathilde aus der sechsten Klasse. Dass sie mitentscheiden durften, kam bei allen Schülern gut an, genau wie die Ausflüge in die zwei Kirchen.

Doch warum ging es überhaupt bis nach Wellmitz? Schließlich hat Neuzelle selbst in direkter Nachbarschaft zur katholischen Kirche auch eine evangelische, die gern als kleine Schwester bezeichnet wird.

Die Region wurde erforscht

Die Begründung aber ist logisch. Oskar bringt es bei der Präsentation auf den Punkt: „Die heutige evangelische Kirche in Neuzelle war früher eine katholische“, sagt er. Dementsprechend ist der Baustil kein gutes Beispiel für ein evangelisches Gotteshaus, das unter anderem in Wellmitz zu finden ist. Somit haben die Schüler im Rahmen des Unterrichts und des Projektes auch die Region besser kennengelernt.

Informationen erhielten sie nicht nur von Pfarrer Martin Groß und den Neuzeller Mönchen, sondern auch von Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung. Die ist am Tag der Präsentation ziemlich stolz auf die Kinder. Und auch Schulleiterin Dörte Fiedler bekommt das Lächeln nicht mehr aus ihrem Gesicht, als die Plastiktüten mit den selbst gebastelten Memory-Karten geöffnet werden. Manch einer hat sogar ein Lieblingsmotiv: „Ich mag das Bild von Pfarrer Groß und Linus am meisten“, sagt Frida. „Mein Lieblingsmotiv ist die Maria“, betont hingegen Emanuel. Die Auswahl ist groß und Geschmäcker bekanntlich verschieden.

Fakt ist, aktuell gibt es 50 Memory-Sets. Jeder der 32 Schüler bekommt eins und auch die Kirchengemeinden werden beschenkt. Damit die Aufbewahrung genauso geschmackvoll ist wie das Spiel selbst, haben die Jungen und Mädchen noch extra Schachteln gebastelt und gestaltet.

„Ein Set werden wir auch an die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz schicken“, verspricht Dörte Fiedler. Diese ist nicht nur Initiator von „Denkmal aktiv“, sondern auch die größte private Initiative für Denkmalpflege in Deutschland. Sie setzt sich nach eigenen Angaben seit 1985 kreativ und fachlich fundiert sowie unabhängig für den Erhalt bedrohter Baudenkmale ein. Mit „Denkmal aktiv“ fördert die Stiftung schulische Projekte zu den Themen Kulturerbe und Denkmalschutz. Die katholische Grundschule hat sich bereits ein zweites Mal erfolgreich um eine Förderung beworben. Es soll nicht das letzte Mal gewesen sein.