Schulfest: Eine Frage des Geschlechts
Eine Sache lief in diesem Jahr anders als bei den 25 Malen zuvor. Einen Traditionsbruch nennt das Ben Köhler. Der Siebtklässler war an diesem Vormittag der jüngste von insgesamt fünf Moderatoren, die durch das Programm des 26. Schulfests im Friedrich-Wolf-Theater führten. Ein Bruch deswegen, weil die Show in diesem Jahr mit einer Einlage der Schüler aus der 13. Klasse begann. Die treten normalerweise erst zum Schluss auf, wie Schulleiterin Ute Tupy erläuterte. Doch weil der letzte Jahrgang sich mit einer Hobbyband präsentiert, macht es laut Ute Tupy aus organisatorischen Gründen mehr Sinn, dass sie den Anfang machen.
Und das taten die vier Bandmitglieder – ein Schlagzeuger, zwei Bassgitarristen und ein Gitarrist – mit dem Song einer britischen Indie-Rock-Band. Den Text dazu, der von zwei Menschen handelt, die nur noch zusammen sind, um nicht allein zu sein, sangen im Hintergrund die Klassenkameraden der Musiker. Behandelt wurden auch in den anderen Darbietungen der Schüler vor allem die Themen Liebe, Zweisamkeit sowie Geschlechterrollen.
So stellten die Schüler der 13. Klasse in ihren Sketchen verschiedene Alltagssituationen dar, in denen die gesellschaftliche Rolle von Man und Frau überzeichnet wird. In einem Sketch versucht eine Standesbeamten, dem Mann die Hochzeit auszureden. Sie sagt: „Wer sich bindet, der prüfe, ob sich nicht noch was Besseres findet.“ Zwischen den kurzen Sketchen präsentierten die Jungen und Mädchen ihre künstlerischen Darbietungen. Getanzt wurde in neon-orangenen Kleidern, in Hotpants und zusammengebundenem Holzfällerhemden. Gesungen wurde klassische Musik oder Popsongs, manchmal in Begleitung eines oder mehrerer Instrumente. Die Achtklässlerin Melina Tursch sang zum Beispiel in Begleitung der Gitarrenprojektgruppe den Titel „My heart will go on“.
Gearbeitet wurde an den Auftritten im Rahmen von Arbeitsgemeinschaften oder des Projektunterrichts. Dieser ist in den Klassen 7 bis 9 fester Bestandteil des Unterrichts. Wählen können die Schüler etwa zwischen Tanz, Chor, einem Instrument oder dem Keramikkurs. Das Schulfest, bei dem sie ihr Können dann einem größeren Publikum zeigen, ist auch aufgrund der musisch-künstlerischen Ausrichtung der Gesamtschule in den Augen von Ute Tupy ein Höhepunkt des Jahres.
Besonders gespannt ist die Schulleiterin an diesem Vormittag auf den Auftritt der Robotnik AG, die sich zum ersten Mal auch auf dem Schulfest präsentierte. „Da lass ich mich mal überraschen.“ Als die Gruppe der Tüftler an der Reihe ist, wird ein Countdown heruntergezählt, dann kommen zwei Schüler mit einem kleinen Roboter auf die Bühne. Mit Beginn der Musik tanzen nicht nur sie in rot glitzernden Masken zum Takt eines Rocksongs, sondern auch die kleine Maschine zwischen ihnen. Darüber, wie die Schüler der AG den aus Legosteinen gebauten Roboter mit mechanischem Antrieb programmiert haben, zeigte sich der Chemie- und Biologielehrer Norbert Pöthke nach der Show sehr begeistert. Besonders gefallen hat dem Pädagogen auch die Moderation in diesem Jahr. Selbst auf der Bühne stehen wollte er hingegen nicht – das überließ er seinen Kollegen.
Denn als Höhepunkt der Vorstellung schlüpften auch die Lehrer der Gesamtschule in Jogginghose oder Kleid und repräsentierten jeweils die Männer- und die Frauenseite, die sich im Tanzen und Singen duellierte. Gespielt wurde – passenderweise – Herbert Grönemeyers „Männer“ und „Weil ich ein Mädchen bin“ von Lucilectric.
Nachdem die Aufführung am Vormittag den eigenen Mitschülern vorbehalten war, zeigten die Schüler ihre Show am Abend dann in einer öffentlichen Veranstaltung.

