Eisenhüttenstadt zählt gerade einmal 23.000 Einwohner. Dennoch hat diese Kleinstadt etwas aufzuweisen, was sich selbst in einer Großstadt in dieser Form wohl kaum anzutreffen ist. Damit dürfte jedoch bald Schluss sein.
Denn am 19. November wird ab 19 Uhr im Fürstenberger Kunsthof der Vorhang fallen. Dann stellt sich als Letzter aus einer illustren Schar von drei Dutzend prominenter Sportler das 62-jährige Radsport-Ass Olaf Ludwig vor. Moderieren wird entweder Kristin Lenk oder die Eisenhüttenstädterin Petra Mai. Die Veranstalter planen mit etwa 50 Besuchern.

Olaf Ludwig das letzte Sport-Ass dort

Nach jetzigem Stand dürfte jedoch Olaf Ludwig dort erst einmal das letzte Sport-Ass sein, das Rede und Antwort steht. Denn Geschäftsführer Wolfram Philipp zieht sich aus Altersgründen nach einem Jahrzehnt aus dem privat betriebenen Kunsthof zurück, ein Nachfolger hat sich noch nicht gefunden.

Eisenhüttenstadt

Dabei hat sich die im März 2013 mit dem einst alkoholabhängigen Bundesliga-Spieler Uli Borowka eröffnete Talk-Serie in der Szene herumgesprochen. Neben Fußballern wie „Paule“ Seguin, Jürgen Croy, Peter Ducke, Joachim Streich, Hans-Jürgen Dörner, Lutz Lindemann, Frank Rohde, Dragoslav Stepanovic, Norbert Nachtweih, Werner Lorant, Klaus Fischer, Eduard Geyer, Schiedsrichter Babak Rafati hatte dort Moderator-Legende Werner Hansch ebenso seine Visitenkarte abgegeben wie die Wintersport-Asse Jens Weißflog, Hans-Georg Aschenbach, Frank Ullrich, Sven Fischer oder die Leichtathletik-Olympiasieger Waldemar Cierpinski und Udo Beyer.

Mehr Talkrunden wahrscheinlich nur in der Sportschau

„Mehr Sport-Prominenz zu Talkrunden in solch kurzer Zeit gibt es wohl nur noch in der ARD-Sportschau“, hatte Wolfram Philipp anlässlich der Feier zum zehnjährigen Jubiläum auf diesen Sonderstatus des Kunsthofes hingewiesen.
In der Regel reisen die Talkgäste an, liefern im Kunsthof ab und übernachten in seinen Gästezimmern in Lawitz. Wahrscheinlich verlassen sie mit angenehmen Eindrücken die Region.
So dürfte es wohl auch dem von DDR-Oberen um seine Olympia-Karriere gebrachten radsportlichen „Jahrhunderttalent“ Wolfgang Lötzsch ergangen sein. Jedenfalls hatten die Organisatoren um Wolfram Philipp und Frank Ganskow beim seit einigen Jahren wieder in Thüringen wohnenden Olaf Ludwig leichtes Spiel, um ihn zu einer Stippvisite nach Eisenhüttenstadt zu überreden. Laut Frank Ganskow hatte er durch Wolfgang Lötzsch bereits von dieser Veranstaltung im Kunsthof gehört.

Talkrunde artet nicht zur Tortur aus

Wahrscheinlich auch den Sachverhalt, dass diese auch durch die einfühlsame Moderation geprägte Veranstaltung für die Promis nicht zur Tortur ausartet, wozu auch ein verständnisvolles und dankbares Publikum beiträgt. So ist es auch zu erklären, dass in dieser eher familiären Atmosphäre bereits so manche bislang unveröffentlichte Begebenheit und Anekdote zum Besten gegeben wurde.
Dazu könnte auch der Olympiasieger und zweifache Friedensfahrtsieger Olaf Ludwig beitragen. Vielleicht plaudert der als Amateur und Profi erfolgreiche Geraer aus dem Nähkästchen, zumal er im Publikum einige Radsport-Asse weiß. So hat der in Wiesenau wohnhafte Friedensfahrtdritte von 1976 Gerhard Lauke bereits sein Kommen zugesagt, auch mit dem etwas jüngeren einstigen Friedensfahrer Dan Radtke ist bereits gesprochen worden. Um den im Frankfurter Sportinternat als Erzieher arbeitenden Friedensfahrtsieger von 1983 Falk Boden bemühen sich die Organisatoren noch.

Als Neoprofi bei der Tour ins grüne Trikot

Eigentlich hatte Olaf Ludwig ein Jahr nach seinem Olympiasieg die Amateur-Karriere beenden wollen, doch im Zuge der Wende sattelte er zu den Profis um. Als Neoprofi hatte er sich 1990 das Grüne Trikot bei der Tour de France geholt und war 1993 bei der Weltmeisterschaft im Straßenfahren Dritter geworden. Nach der Aktiven-Karriere führte er das T-Mobile-Profiteam, sein Vertrag wurde jedoch nach dem Doping-Skandal um Jan Ullrich im Jahr 2006 nicht verlängert. Seither veranstaltet Olaf Ludwig gemeinsam mit Friedensfahrt-Organisator Jörg Strenger Radtouristik-Fahrten. hb