Der Countdown für das Stadtfest Eisenhüttenstadt läuft. Neben vielen Attraktionen werden drei Hauptacts vom 26. bis 28. August die Hauptbühne zum Beben bringen. Vorab hat sich Uwe Hassbecker von Silly Zeit genommen und MOZ ein Interview gegeben.

Herr Hassbecker, 2008 waren Silly, damals noch mit Anna Loos, schon einer der Hauptacts beim Stadtfest in Eisenhüttenstadt. Können Sie sich noch an Ihren Auftritt, das Publikum, die Stadt erinnern?

Wir waren 2008 nicht das erste Mal in Eisenhüttenstadt, sondern hatten im Laufe der Zeit einige Konzerte und Veranstaltungen dort. Man kann ja inzwischen schon von Generationen sprechen, für die wir da gespielt haben und spielen. In meiner Erinnerung wurden wir immer herzlich empfangen und gefeiert.

Nun sind 14 Jahre vergangen. Wie hat sich die Band Silly – abgesehen von den beiden neuen Frontfrauen AnNa R. und Julia Neigel – in dieser Zeit verändert?

In dieser Zeit ist extrem viel bei uns passiert. Man kann getrost von einem neuen Kapitel unserer Bandgeschichte sprechen. Vor allem nach der Veröffentlichung unseres Albums „Alles Rot“ im Jahr 2010 nahm die Fahrt an Geschwindigkeit zu. Es folgten etliche Konzerte und viele TV-Shows und mit „Kopf an Kopf“ und „Wutfänger“ zwei weitere erfolgreiche Alben zusammen mit Anna Loos, mit der wir zwölf intensive gemeinsame Jahre hatten. Diese Jahre sind wie im Flug vergangen, aber zum Verschnaufen sind wir in dieser Zeit zu selten gekommen. Der Rest ist bekannt.

Viele verbinden Silly auch nach mittlerweile 44 Jahren Bandgeschichte nach wie vor mit Tamara Danz. Wie viel von ihr steckt noch in Silly von heute?

Nach solch einer langen, intensiven Bandgeschichte gibt es natürlich jede Menge Songs und einige davon sind auch Hits geworden. Viele der Lieder, die wir heute noch spielen, sind in den gemeinsamen Jahren mit Tamara entstanden und so verbinden sie sich natürlich auch mit ihrer Stimme, mit ihrer Persönlichkeit. Tamara hat Silly entscheidend mitgeprägt und insofern wird sie immer ein Teil von uns sein. Aber die Zeit ist auch weiter gegangen und wir haben neue Lieder geschrieben und Platten veröffentlicht und wir haben wieder wunderbare Erfolge feiern dürfen.

Tamara Danz (1952-1996) beim Konzert von Silly" am 11. Januar 1986 im Ost-Berliner Palast der Republik anlässlich der Veranstaltung "Rock für den Frieden".
Tamara Danz (1952-1996) beim Konzert von Silly" am 11. Januar 1986 im Ost-Berliner Palast der Republik anlässlich der Veranstaltung „Rock für den Frieden“.
© Foto: dpa

Mit AnNa R. und Julia Neigel gehören seit 2019 erneut große Namen der deutschen Musik zur Band. Wie gelingt der Spagat, das Erbe von Tamara Danz zu wahren, gleichzeitig aber auch den künstlerischen Identitäten von AnNa R. und Julia Neigel – beide sind gestandene Musikerinnen – Raum zu geben?

Das ist keine Selbstverständlichkeit und gelingt nur mit dem entsprechenden Verantwortungsbewusstsein der eigenen Bandgeschichte gegenüber. Das Erbe von Tamara ist eben auch unser Erbe und wir achten sehr darauf, es nicht zu beschädigen. Das alles würde aber nicht ohne das Einfühlungsvermögen der jeweiligen Sängerinnen, also jetzt AnNa und Julia funktionieren. Jede für sich singt die Lieder auf ihre ganz eigene Art und doch ist es am Ende die Band Silly, die man hört. Wir sind beiden sehr dankbar, dass sie diese Reise mit uns machen.

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Corona hat auch eure Tour-Pläne durcheinandergebracht. Nun ist die Band wieder live zu sehen. Wie sehr hat das gefehlt?

Corona hat die gesamte Branche durcheinandergewirbelt. Da steht salopp gesagt kein Stein mehr auf dem anderen und nicht nur wir haben teilweise mit großen Problemen zu kämpfen. Viele der Kollegen, die im Hintergrund arbeiten: Ton- und Lichttechniker, Bühnenbauer, Fahrer, Backliner, Mitarbeiter von Agenturen etc. sind in andere Berufe oder in Festanstellungen abgewandert. Das sind allesamt Spezialisten, die man mal nicht eben so austauschen kann. Und wir haben mitunter echt Probleme gehabt, unsere Crew zusammenzubekommen. Natürlich ist es wunderbar, wenn am Ende alles klappt und wir unsere Konzerte wie geplant und ohne Einschränkungen spielen können.

Konzert als Besucher genossen

Wir alle sind auch gerne im Studio und nehmen neue Lieder auf. Aber das Schönste für uns sind Konzerte vor Publikum zu spielen und direkte Reaktionen oder besser ausgedrückt, die Interaktion zwischen Band und Publikum zu spüren. Man merkt den Fans und auch uns an, wie ausgehungert wir alle sind. Das war bisher bei allen Konzerten so, die wir in dieser Zeit gemacht haben. Ich selbst war erst kürzlich das erste Mal seit Corona wieder auf einem „fremden“ Konzert und ich habe es genossen. Hoffen wir, dass es so bleiben kann.

Eisenhüttenstadt

Ihr habt die Zeit ohne Auftritte kreativ genutzt, ward im Studio. Im September 2021 erschien das Album „Instandbesetzt“. Warum dieser Titel und diese Wortschöpfung?

Instandbesetzt ist ursprünglich ein Begriff, der Ende der 1970er-Jahre von der Westberliner Hausbesetzerszene geprägt wurde. Es ging dabei darum, leerstehende Altbauhäuser und Wohnungen zu besetzen und sie so wieder bewohnbar zu machen und vor dem Abriss zu schützen. Tamara hat dieses Bild für einen Liedtext von unserem Album „Paradies“ (1996) aufgegriffen und daraus ist ein wunderschönes Liebeslied geworden. Bei der Suche nach einem passenden Albumtitel für unser letztes Album fiel mir auf, dass es ja auch ein passendes Gleichnis für unsere Band sein könnte.
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Mir sind dazu folgende Worte eingefallen: „Silly ist wie ein Haus, an dem schon einige Architekten gebaut haben. Ein Haus mit einer guten Substanz, das wir stetig erweitert und erneuert haben. Ein buntes, freundliches und warmes Haus mit knarrendem Parkett und luftigen Räumen und mit einer Geschichte, in der sich immer wieder vieles entdecken lässt. Unser instandbesetztes Haus – für uns ein Schmuckstück und unser zu Hause, bis vielleicht irgendwann wieder jemand Neues einzieht.“ Ich finde, das ist ein schönes Bild und eine Art Hommage an alle, die uns dabei geholfen haben, die Geschichte von Silly nach dem Tod von Tamara weiterzuschreiben. Aktuell und auf dem Album sind damit natürlich vor allem auch Julia und AnNa gemeint.

Enthalten sind auf „Instandbesetzt“ drei gänzlich neue Songs, aber auch zehn neu eingespielte Titel aus der Silly-Vergangenheit. Werden diese Songs beim Stadtfest in Eisenhüttenstadt zu hören sein? Worauf dürfen sich die Besucher freuen?

Wir haben fast alles von diesem Album im Gepäck und natürlich auch andere große Silly-Hits wie „Mont Klamott“, „Bataillon d’amour“ oder „Alles Rot“. Es wird ein emotionaler Abend mit dem Besten, was Silly zu bieten hat und wir hoffen auf volle „Hütte“ in Eisenhüttenstadt. Wir freuen uns drauf!