Subkultur in Eisenhüttenstadt
: Konzert mit Live-Bands und DJ – Party nach dem Preis

In der Alten Försterei in Berlin gab es jüngst viele Volltreffer. Aber es ging nicht um Fußball, sondern um echte Macher – auch aus Eisenhüttenstadt. Und die bedanken sich bald mit einem Punk-Konzert.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Thomas Zimmermann von Steelbruch hatte diese Woche allen Grund zur Freude. Erst gab es einen Preis, nun laufen die Vorbereitungen für ein Konzert, das auch eine Dankeschön-Party ist.

Janet Neiser

Ein bisschen stolz sieht er schon aus auf den Fotos, die Freunde und Bekannte bereits per WhatsApp aus dem Stadion von Union Berlin bekommen haben. Mal sitzt Thomas Zimmermann aus Eisenhüttenstadt neben ganz vielen anderen Menschen auf den roten Schalensitzen, mal steht er auf der Bühne und hält eine Urkunde in den Händen.

In der Alten Försterei in Berlin hat in dieser Woche die Preisverleihung des Engagement-Wettbewerbs „machen!2023“ stattgefunden. Diese wurde erstmals gemeinsam vom Beauftragten der Bundesregierung für Ostdeutschland, Carsten Schneider, und der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt durchgeführt. Eine Jury hatte zuvor mehr als 850 eingereichte Projektideen zu den Kategorien „Lebensqualität & Miteinander“, „innerdeutschen und europäischen Austausch“, „Junge Generation“ und „Zukunftsgestaltung“ gesichtet und prämiert.

„Wir sind noch nicht im Arsch“

Und der Verein für subkulturelle und künstlerische Begegnung „Steelbruch-20“, den Thomas Zimmermann einst mit seiner heutigen Frau Maria ins Leben gerufen hat, gehört zu den ersten 100 Platzierten.

Die Freude darüber ist riesig. Denn Anerkennung tut immer gut und die 5000 Euro Preisgeld kann der Verein, der seinen Sitz an der Werkstraße in Eisenhüttenstadt, mehr als nur gut gebrauchen – um zu überleben. Der Verein steht für Subkultur, die Mitglieder leben diese und fördern sie auch. Ska-, Punk- und Oi-Konzerte im Club an der Werkstraße sind eine Facette des Angebotes. Es gibt aber auch Lesungen, Theaterstücke, Arbeitsgruppen. Sogar mit Schulen arbeitet man zusammen.

Steelbruch möchte für die Heimat sein, die mit Mainstream-Kultur nicht viel am Hut haben. Bei Steelbruch wird gemacht, nicht geredet. Auch wenn die Underdogs jetzt von sich reden machen.

„Machen ist dasselbe wie wollen ... nur viel krasser!“ heißt es auf der Facebook-Seite des Vereins nach der Preisverleihung am 26. September.

Und weiter in typischer Steelbruch-Manier: „Nachdem wir heute [...] für das Engagement für mehr Lebensqualität und ein gutes Miteinander ausgezeichnet wurden, hauen wir beim nächsten Konzert am 2.10.23 zum Oi the Wiedervereinigung ein Willkommensbier an alle Gäste und Freunde raus ... für euren unendlichen Support. Wir sind noch nicht komplett im Arsch!“

Mit dabei am 2. Oktober ab 20 Uhr sind Still Defiant, Lord James aus Cottbus und Choke Combat sowie DJ Skräck.

500.000 Euro wurden verteilt

Christiane Barcikowski, die sich seit einigen Jahren für Steelbruch engagiert und Thomas Zimmermann nach Berlin begleitet hat, schreibt: „Von 850 Bewerbern*innen in Ostdeutschland wurde Steelbruch unter den ersten 100 Platzierten gewürdigt. Tolle Preisträger haben wir heute kennengelernt!“

Insgesamt gibt es sogar 106 Preisträger bei „machen!2023“, und zwar in den vier Kategorien „Lebensqualität & Miteinander“, „innerdeutschen und europäischen Austausch“, „Junge Generation“ und „Zukunftsgestaltung“. Für die Umsetzung der Ideen für gesellschaftlichen Zusammenhalt standen insgesamt mehr als 500.000 Euro zur Verfügung.

Thomas Zimmermann (4.v.l.) von Steelbruch nimmt den Preis von "machen!23" stellvertretend für den Verein entgegen

Bundesfoto:Kurc

Preisverleihung „machen!2023“ in der Alten Försterei in Berlin.

Bundesfoto/Kurc

Carsten Schneider, Staatsminister beim Bundeskanzler und Beauftragter der Bundesregierung für Ostdeutschland, betonte die Bedeutung des Wettbewerbs: „Der diesjährige Wettbewerb hat einmal mehr gezeigt, wie leidenschaftlich und kreativ die Menschen sind, wenn es darum geht, ihre Nachbarschaft, ihr Dorf oder ihre Kommune zu unterstützen und zu bereichern. Die Preisträger sind ein Beweis dafür, dass die Menschen in Ostdeutschland bereit sind, sich vor Ort einzusetzen und echte Veränderungen herbeizuführen und das unterstützen wir.“

Weitere Preisträger aus Oder-Spree

Jan Holze von der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) erklärte in einem Fernsehinterview, dass es erkennbar sei, dass man in Sachen Engagement im Osten noch nicht auf dem Niveau sei wie im Westen. Geldgeber sind in den östlichen Bundesländern seltener. Nur zehn Prozent der gemeinnützigen Stiftungen sind im Osten zu Hause, besagen Daten der DSEE. Holze bringt da die Gründung von Bürgerstiftungen ins Spiel.

Doch zurück zu „machen!2023“. Da gab es nämlich noch weitere Preisträger aus dem Landkreis Oder-Spree, und zwar aus Groß Lindow und aus Jacobsdorf. Zudem hat die Dorfbewegung Brandenburg – Netzwerk Lebendige Dörfer einen Hauptpreis gewonnen. Dazu gehört auch das Regionale Dörfernetzwerk Spree-Oder gehört, heißt es aus der Kreisverwaltung.

Preisträger aus Oder-Spree

Diese Vereine haben einen Preis bei „machen!23“ gewonnen:

– Kategorie „Engagement für mehr Lebensqualität und gutes Miteinander“ –

● Verein für subkulturelle und künstlerische Begegnung „Steelbruch-20“ aus Eisenhüttenstadt – Projekt „Subculture“;
● Initiative Ehrenamt aus Groß Lindow – Projekt „Ehrenamtswegweiser – gezielt engagiert“;

– Kategorie „Engagement der jungen Generation“ –

● Waldcampverein aus der Gemeinde Jacobsdorf mit dem Projekt „Waldcamp für Toleranz und friedliches Miteinander“;

– Kategorie „Engagement für Zukunftsgestalter“ –

● Platz 1: Parlament der Dörfer 2024, Dorfbewegung Brandenburg – Netzwerk Lebendige Dörfer e.V. Brandenburg