Tanken in Polen: Fast 90 Cent Preisunterschied - was Benzin und Diesel kosten

Preissturz in Polen: An der Tankstelle von Circle K. in Słubice sind Super E10 und Diesel am 18. August 2026 (Bild rechts) deutlich billiger als 18 Tage zuvor am 31. Juli (links). In Polen gelten bis Ende August eine Steuersenkung und ein Preisdeckel.
Frank Groneberg- In Polen sind Benzin und Diesel aktuell deutlich günstiger als in Deutschland.
- Grund sind eine befristete Mehrwertsteuersenkung auf 8 Prozent und ein Preisdeckel bis Ende August.
- Beispielpreise: Super E10 in Słubice/Zytowan 6,36–6,41 Złoty, Diesel 7,27–7,37 Złoty.
- In Eisenhüttenstadt/Frankfurt (Oder)/Müllrose lagen Preise teils 55–88 Cent höher.
- Kanisterregeln: in Deutschland 20 Liter erlaubt – in Polen nur 10 Liter pro Kanister.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Sie könnten kräftig Kasse machen, die Polizei- und Zollbehörden in Deutschland und in Polen. Wenn sie denn wollten. An diesem Dienstag (18. August) stehen nahe Coschen der polnische Grenzschutz auf der einen und die Bundespolizei sowie der deutsche Zoll auf der anderen Seite der Neißebrücke. Die Autos rollen in mal mehr, mal weniger dichter Folge vorbei. Kontrolliert wird keines.
Etwa 650 Meter von der Brücke entfernt befindet sich im polnischen Zytowan die Power-Tankstelle. Fast alle Autos, die die Neiße überqueren, kommen von dort. Ihre Fahrer haben sich erst in die Warteschlange vor der Tankstelle eingereiht, später die Tanks ihrer Pkw befüllt. Und nicht nur die.
Zwei, drei, vereinzelt sogar vier prall gefüllte Kraftstoffkanister stehen in so manchem Kofferraum. Was kaum wundert, denn: Dank der befristeten Senkung der Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel von 23 auf 8 Prozent und dem staatlich festgelegten Preisdeckel ist Kraftstoff in Polen seit Wochenbeginn so preiswert wie lange nicht mehr. Und deutlich billiger als auf der deutschen Seite.
Nur 10 Liter im Kanister erlaubt
„Das lohnt sich“, freut sich ein Mann, der gerade einen alten 20-Liter-Kanister mit Diesel füllt. Seinen vierten Kanister, drei weitere mit demselben Volumen stehen bereits im Kofferraum. Sind 80 Liter in Kanistern nicht etwas viel? „Ich wohne bei Friedland und kann nicht einfach mal kurz rüberfahren“, erklärt er. „So spare ich immer noch ordentlich.“
Würde er an der Grenze kontrolliert, würde aus der Ersparnis schnell ein kräftiges Draufzahlen. Zum einen darf Kraftstoff in Kanistern nur bis zu einer Menge von 20 Litern nach Deutschland eingeführt werden. Zum anderen – und das wissen viele Menschen offenbar nicht – darf in Polen Kraftstoff nur bis zu einer Menge von 10 Litern in einem Kanister mitgeführt werden. Der Autofahrer müsste also – würde er auf beiden Seiten angehalten – doppelt Strafe zahlen.

Schlange stehen für preiswerten Sprit: In Zytowan bei Coschen warten Autofahrer am 18. August 2026 vor der Power-Tankstelle.
Frank GronebergAllerdings: „Die kontrollieren sowieso nicht“, ist sich der Autofahrer, der anonym bleiben möchte, sicher. Er habe „noch nie“ gesehen, dass die Bundespolizei oder der Zoll ein Auto mit deutschen Kennzeichen anhalten – „außer vor Silvester“. Dasselbe auf der polnischen Seite. „Ich denke, sie stehen hier vor allem, um die illegale Einwanderung zu verhindern“, sagt er und lacht: „Kraftstoffschmuggler sind für sie sicher nicht interessant.“
Dass sich an diesem Dienstag eine Warteschlange vor der Power-Tankstelle in Zytowan bildet, muss nicht zwingend mit den erwähnten Maßnahmen der polnischen Regierung, die bis zum 31. August – dem Ende der Sommerferien in Polen – befristet sind, zusammenhängen. An jedem Dienstag gelten an der Tankstelle Sonderpreise, genauso wie an jedem Donnerstag. Die Autofahrer in der Region wissen das.
Andrang in Słubice bleibt aus
Im etwa 50 Kilometer entfernten Słubice ist eine Stunde später von einem Andrang an oder gar einem Ansturm auf die Tankstellen nichts zu sehen. Ob Aral oder Avia, Circle K. oder Faraon, Intermarché, Orlen oder Shell – überall herrscht normal mäßiger Betrieb. Zeitweise bleiben einzelne Zapfsäulen sogar für längere Zeit verwaist.
Und das, obwohl der Preisunterschied zwischen den Tankstellen in Deutschland und Polen aktuell so groß ist wie schon sehr lange nicht mehr. Denn mit dem Inkrafttreten der erwähnten Maßnahmen – erlassen vor allem, um die Familien im Nachbarland während der Sommerferien ein wenig zu entlasten – sind die Spritpreise jenseits von Oder und Neiße deutlich gesunken. Während sie in Deutschland weiter steigen.
Was kosten Diesel und Benzin aktuell? An den neun von uns beobachteten Tankstellen in Słubice (acht) und Zytowan (eine) wurde Superbenzin E10 am Dienstag für 6,36 bis 6,41 Złoty je Liter verkauft. Laut dem offiziellen Umrechnungskurs der polnischen Nationalbank (1: 4,32) sind das 1,47 bis 1,48 Euro. Diesel wurde für 7,27 bis 7,37 Złoty angeboten – also für 1,68 bis 1,71 Euro.
In Eisenhüttenstadt, Frankfurt (Oder) und Müllrose war Kraftstoff zur selben Zeit erheblich teurer. Super E10 kostete hier vor der täglichen Preiserhöhung um 12 Uhr zwischen 2,03 und 2,13 Euro, danach zwischen 2,31 und 2,35 Euro. Der Dieselpreis betrug vor 12 Uhr 2,10 bis 2,19 Euro, nach der Erhöhung 2,43 bis 2,47 Euro.
Kraftstoff in Polen viel billiger
Je nach Tageszeit und Anbieter war Super E10 also auf deutscher Seite um bis zu 88 Cent teurer als in Polen! Und selbst der günstigste Preis in Deutschland lag noch um 55 Cent über dem höchsten Preis in Polen. Dasselbe Bild beim Diesel: Der war in Polen am Dienstag um bis zu 79 Cent billiger als in Deutschland.
Mit den Maßnahmen der polnischen Regierung sind aber nicht nur die Preise gesunken. Autofahrer können vorerst wieder darauf verzichten, die Preise der Tankstellen in Polen zu vergleichen. Denn diese sind wegen der staatlich festgelegten Obergrenze fast überall identisch und unterscheiden sich – wenn überhaupt – nur um wenige Groszy.



