So mancher Autofahrer hatte es geahnt: Kaum fällt die bis zum 31. August geltende Steuersenkung weg, erhöhen die Mineralölkonzerne die Preise für Benzin und Diesel schlagartig. Und das nicht Schritt für Schritt um 5 Cent oder 10 Cent, sondern deutlich höher und meist um die volle Steuersumme. Also um 35 Cent für den Liter Superbenzin und um 17 Cent für den Liter Dieselkraftstoff. Zum Beispiel in Eisenhüttenstadt.
Der 1. September war genau drei Minuten alt, da schnellten an der Aral-Tankstelle in Eisenhüttenstadt die Kraftstoffpreise schlagartig nach oben. Und zwar exakt um jene 35 Cent je Liter bei Superbenzin und um 17 Cent je Liter bei Diesel. Da es sehr unwahrscheinlich ist, dass zwischen Mitternacht und 0.03 Uhr die Tanks der Tankstelle neu gefüllt worden sind, darf davon ausgegangen werden, dass der Sprit, der da plötzlich so viel teurer angeboten wurde, noch mit dem verminderten Steuersatz eingekauft worden war. Was den Gewinn an den Zapfsäulen erheblich vergrößert.

Dieselpreis stieg um bis zu 22 Cent

Aral ist da natürlich kein Einzelfall. Wir haben die Preisentwicklung an neun Tankstellen in Eisenhüttenstadt, Müllrose und Frankfurt (Oder) vom 31. August bis zum 2. September beobachtet. Ergebnis: Superbenzin war am Morgen des 1. September mit 2,04 Euro bis 2,09 Euro je Liter fast überall um 30 bis 35 Cent je Liter teurer als am Vortag, bei Esso in Frankfurt (Oder) kostete es sogar 2,20 Euro. Und Diesel kostete je Liter bis zu 22 Cent mehr als am 31. August.
Wir erinnern uns: Mit der Senkung der Energiesteuer zum 1. Juni hätten die Preise für Superbenzin um 35 Cent und die für Diesel um 17 Cent je Liter sinken müssen. In der Realität sah das so aus: An den letzten Maitagen wurden die Preise zunächst Schritt für Schritt deutlich erhöht, um sie dann zum 1. Juni zunächst zu senken – um deutlich weniger als 35 oder 17 Cent. Und schon ab dem 2. Juni stiegen die Preise wieder.
Die Mineralölkonzerne haben die Steuersenkung also zunächst nicht oder nur teilweise und auf keinen Fall sofort an ihre Kunden weitergegeben. Nach dem Auslaufen der Steuersenkung aber wird sofort die volle Differenz auf die Preise draufgeschlagen. Das wird von Autofahrern nachvollziehbar als Abzocke an der Tankstelle bezeichnet.
Oben Superbenzin, unten Diesel: Auf dem Vergleichsportal benzinpreis.de ist nachlesbar, dass am 1. September schon kurz nach Mitternacht die volle Summe der wegfallenden Steuerminderung auf die Preise aufgeschlagen wurde. (Fotomontage aus Bildschirmfotos)
Oben Superbenzin, unten Diesel: Auf dem Vergleichsportal benzinpreis.de ist nachlesbar, dass am 1. September schon kurz nach Mitternacht die volle Summe der wegfallenden Steuerminderung auf die Preise aufgeschlagen wurde. (Fotomontage aus Bildschirmfotos)
© Foto: Frank Groneberg

BP will Fragen nicht beantworten

Wir haben beim Aral-Mutterkonzern BP nachgefragt, warum die Kraftstoffpreise so früh und um die volle Stuersumme erhöht worden sind, obwohl an den Zapfsäulen preiswerterer Sprit verkauft wurde. Geantwortet hat die Pressesprecherin wie folgt: „Wir bitten Sie um Verständnis, dass Fragen zu Produktständen, Absatzmengen sowie zur Entwicklung von Kraftstoffpreisen aus kartellrechtlichen Gründen nicht beantwortet werden können.“
Wir haben BP auch gefragt, wa­rum zum 1. Juni die Preise nicht auch um die volle Summe der Steuerersparnis gesenkt worden sind. Antwort der Pressesprecherin: „Aral war auf die Senkung der Energiesteuer am 1. Juni 2022 vorbereitet und hat diese vollumfänglich weitergegeben.“ Und ergänzend: Untersuchungen des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) sowie des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) hätten ergeben, dass die Energiesteuersenkung in der gesamten Branche weitestgehend an die Kunden weitergegeben worden sei.
Geringste Ersparnis: Superbenzin und Diesel waren am 2. September an der Tankstelle von Circle K. in Słubice am teuersten.
Geringste Ersparnis: Superbenzin und Diesel waren am 2. September an der Tankstelle von Circle K. in Słubice am teuersten.
© Foto: Frank Groneberg
Und wie haben sich die Kraftstoffpreise weiter entwickelt? Am Vormittag des 1. September sind sie zunächst noch mal gestiegen, um dann bis zum Abend wieder leicht zu sinken – das ist die übliche Preisentwicklung tagsüber. Am Freitag (2. September) blieben die Preise weiter auf hohem Niveau. Wir haben die Preisentwicklung am Freitag zwischen 7.22 Uhr und 17.45 Uhr beobachtet. Der Liter Superbenzin kostete je nach Tageszeit zwischen 1,84 Euro und 2,21 Euro, der Liter Diesel zwischen 1,94 Euro und 2,20 Euro.

Superbenzin kostet bis zu 2,21 Euro

Bei solchen Preisen lohnt sich die Fahrt zum Tanken nach Polen jetzt auch wieder für jene Autofahrer, die etwas weiter entfernt von der Grenze wohnen. Denn die Preisunterschiede sind so hoch wie schon lange nicht mehr. In Słubice und in Żytowań (bei Coschen) kostete der Liter Superbenzin am Freitag zwischen 6,56 Złoty und 6,69 Złoty. Legt man den amtlichen Umrechnungskurs von 1 Euro gleich 4,71 Złoty zugrunde, waren das zwischen 1,39 Euro und 1,42 Euro. Das heißt, der Liter Superbenzin war in Słubice um bis zu 82 Cent je Liter preiswerter als auf deutscher Seite!

Enorme Ersparnis beim Tanken in Polen

Die Dieselpreise lagen am Freitag in Słubice und in Żytowań zwischen 7,76 Złoty und 7,94 Złoty, das sind zwischen 1,64 Euro und 1,68 Euro. Damit war der Liter Diesel in Polen um bis zu 56 Cent preiswerter als diesseits der Oder. Die preisgünstigste Tankstelle war die Avia-Tankstelle in Słubice (am Netto-Markt). Am teuersten waren Superbenzin und Diesel an der Tankstelle von Circle K. (bei McDonald’s) in Słubice.
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