Es gibt Tiere, die gehen im Tierheim Eisenhüttenstadt an der Oderlandstraße weg wie warme Semmeln. Hingegen warten dort andere bereits seit Jahren vergeblich auf einen neuen Halter.
Der Labrador-Rüde „Professor“ gehört aus diesem Grund zusammen mit seinen Geschwistern „Bolek“ und „Pinsel“ zu den dienstältesten Bewohnern dieses Tierheimes. Bereits seit knapp fünf Jahren hoffen sie auf ein neues Zuhause. Dabei sieht der sechsjährige „Professor“, so genannt von den Tierheim-Mitarbeitern wegen seiner Auffassungsgabe, recht hübsch aus.

Als Angsthund stößt er viele Besucher ab

Schwarz mit einem weißen Fleck auf der Brust, doch „Profi“, wie ihn die Mitarbeiter der Kürze wegen auch nennen, hat einen Makel. Zusammen mit seinen beiden Geschwistern ist der vermutlich reinrassige Labrador ein sogenannter Angsthund.
Der Werdegang vom niedlichen Welpen zum unzugänglichen Angsthund ist bis heute noch nicht so richtig geklärt. Tierheim-Pflegerin Sylvia Pantel besucht einmal jährlich ihre befreundete Tierschützerin Margerita in Bulgarien. Als sie zusammen mit ihr zu Abend gerade aß, vernahm sie quiekende Geräusche. Daraufhin entdeckten sie in einer Mülltonne in der Nähe sechs etwa drei Wochen alte Hunde-Welpen.
Die Beiden nahmen sich der Tiere an. Ein Welpe starb zwar tags darauf, doch die fünf anderen konnte die Bulgarin per Flasche großziehen. Nachdem zwei dieser Vierbeiner an ein anderes deutsches Tierheim gegangen waren, nahm sich acht Monate nach dem Besuch Tierheim-Leiterin Ute Valentin des verbliebenen Trios an.

Die jungen Hunde erkannten die Pflegerin nicht mehr

Doch bei der Ankunft aus Bulgarien das böse Erwachen in Eisenhüttenstadt: „Die jungen Hunde erkannten mich überhaupt nicht und wollten mich beißen“, erinnert sich Sylvia Pantel.
Die Hunde waren im Auto in Käfigen transportiert worden und wollten zunächst aus ihnen nicht mehr hinaus. Zudem hatte „Professor“ einen Maulkorb verpasst bekommen. „Der Fahrer muss die Hunde gequält haben. Ich hatte ihn angezeigt, er ist auch nie wieder bei uns in Erscheinung getreten“, erklärt Sylvia Pantel.
Doch die Scheu vor den Zweibeinern ist noch immer geblieben. Zwar konnten sich die Tierheim-Mitarbeiter mit der Zeit viel Vertrauen bei den Hunden aufbauen, doch Fremde lassen sie nach wie vor nicht an sich heran.

Dieser Angsthund ist eigentlich nicht aggressiv

Ihre Scheu stößt viele Tierheim-Besucher ab. „Das sind eigentlich keine aggressiven Tiere, doch man muss viel Geduld mitbringen. Wie lange es dauert, um sich an andere Menschen zu gewöhnen, kann ich nicht sagen. Doch sie lernen. Das sehe ich an unserer Mitarbeiterin Cordula. Sie ist seit zwei Monaten bei uns und kümmert sich täglich um die drei Hunde. Inzwischen fressen sie von ihr.“
Zur Leine haben sie nach wie vor keinen Zugang. Zwar kann ihnen Sylvia Pantel das Geschirr überstreifen, doch vor der Leine haben sie Angst. „Professor geht dabei wie ein Ziegenbock. Doch das machen anfangs alle Hunde. Man muss sich nur intensiv mit ihnen beschäftigen können, doch hier geht das so nicht“, sagt Ute Valentin. Doch frei herumlaufend auf einem großen Hof als Wachhund, das kann sich Ute Valentin sowohl bei „Professor“ als auch bei „Bolek“ und „Pinsel“ gut vorstellen.

Ute Valentin lehnt Hundepsychologen für Professor ab

Von einem Hundepsychologen, wie es einige bei diesen Angsthunden schon vorgeschlagen haben, hält Ute Valentin nicht viel. „Das kostet Geld und man hat nicht die Garantie, das es etwas bringt. Wir haben da schon einiges gehört, auch von Hunden, die wir kennen. Wichtig ist bei solchen Angsthunden, dass man viel Geduld und Zeit mitbringt“, erklärt Ute Valentin.
Mittlerweile hat sie sich damit abgefunden, dass diese Hunde auf ihrem Areal an der Oderlandstraße nicht nur erwachsen, sondern auch alt werden. „Eigentlich schade. Als Hof- und Wachhunde kann ich sie mir sehr gut vorstellen. Sie sind aufmerksam und schlagen sofort an. Ich bin mir sicher: Wenn erst einmal das Eis gebrochen ist, sind das vielleicht die besten Hunde.“