Tourismus in Neuzelle: Berlin macht Geld für Schatz in Brandenburg locker

Das Barockwunder von Brandenburg in Neuzelle, die Stiftskirche St. Marien, bekommt Fördermittel vom Bund. Das Geld ist für einen ganz speziellen Teil des Gotteshauses.
Gerrit Freitag, Janet Neiser, Montage: Jörn Sandner/MOZMehr als eine Viertelmillion Euro aus Bundesmitteln kommen einem echten Schatz in Brandenburg zugute, nämlich dem sogenannten Barockwunder. Gemeint ist die Stiftskirche St. Marien in Neuzelle. 285.000 Euro werden bereitgestellt – allerdings nicht für die Fassade und auch nicht für das prächtig ausgestattete Langhaus, sondern für die Vorhalle.
In dieser sind bedeutende barocke Fresken und Stuckaturen zu finden, die gefährdet sind und unbedingt gesichert werden müssen. Dies teilten die Stiftung Stift Neuzelle und der SPD-Bundestagsabgeordnete Mathias Papendieck mit. Das Geld stammt aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Die Fresken in der Eingangshalle sind durch ungünstige klimatische Bedingungen in Gefahr. Ein Substanzverlust könne nur durch schnelles Handeln verhindert werden, so der Politiker.
Stiftskirche St. Marien Neuzelle – so viel kostet die Maßnahme
Die Vorhalle, die aus der Erweiterung der Westfassade in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammt, „ist ein kunsthistorisch wertvolles Zeugnis, das es für eine zeitgenössische Lesart und für zukünftige Generationen zu erhalten gilt“, betont der SPD-Politiker. In der Mitte befindet sich ein großes Widmungsbild. Das Fresko zeigt Christus auf der Weltkugel, umgeben von vier Frauengestalten, die die Kontinente verkörpern.

Bundesförderung für die Stiftskirche in Neuzelle: Jan Battmer und Norbert Kannowsky von der Stiftung Stift Neuzelle freuen sich gemeinsam mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Mathias Papendieck sowie Gemeindebürgermeister Sven Budach.
Zsuzsanna Luzsinszky/Stiftung Stift NeuzelleJan Battmer, der Baukoordinator der Stiftung Stift Neuzelle, die Eigentümerin sämtlicher Gebäude auf dem alten Klostergelände ist, ist hocherfreut über die Bundesförderung der Barock-Vorhalle. Er sagt: „Dies ist ein wesentlicher Finanzierungsbaustein für unser Projekt. Dank dieser großzügigen Unterstützung des Bundes sind wir nun in der Lage, weitere Fördergeber von der Dringlichkeit der Maßnahme zu überzeugen.“ Denn diese Maßnahme wird nach jetzigen Schätzungen etwa 640.000 Euro kosten.
Man habe vor einigen Jahren schon mal einen Förderantrag beim Bund gestellt, damals ohne Erfolg, heißt es aus der Stiftung, die im Jahr 1996 durch das Land Brandenburg als öffentlich-rechtliche Stiftung gegründet worden war. Nun hat es geklappt.
Stiftskirche Neuzelle: So lange sollen die Arbeiten andauern
Die Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen sollen innerhalb von drei Jahren im Zeitraum 2025 bis 2027 durchgeführt werden. Nach dem Einbau eines Windfangs konzentrieren sich die Maßnahmen auf die Notsicherung der akut gefährdeten Bereiche. Dabei sollen in einem ersten Schritt der umfassenden Gesamtkonservierung der Vorhalle die Stuckmarmor-Bereiche bearbeitet werden.
Im Anschluss daran ist die Konservierung der Raumstuckaturen vorgesehen. Nach diesen Maßnahmen, die noch der Notsicherung zuzuordnen sind, erfolgt die vollständige Konservierung und Restaurierung der barocken Raumausstattung. Im Zusammenhang mit den Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten sind die Beseitigung eines Hausschwamm-Befalls, die Instandsetzung der Elektroinstallation und Putzarbeiten im Sockelbereich der Vorhalle vorgesehen.
Die Förderung aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm zeige, wie wichtig es der Bundesregierung sei, Geschichte vor Ort auch für künftige Generationen zu erhalten, erklärt Mathias Papendieck. „Ich freue mich sehr, dass ein Konservierungs- und Restaurierungsprojekt in meinem Wahlkreis die Förderung erhalten hat, für das wir uns im Vorfeld nach Kräften eingesetzt haben. Es ist mir ein besonderes Anliegen, mich für den Erhalt bedeutender Baudenkmäler in unserer Region einzusetzen.“
Das Klostergelände Neuzelle lockt Tausende Touristen an
Das bereits im 13. Jahrhundert gegründete Zisterzienserkloster Neuzelle ist heute ein lebendiges Denkmal. Die Stiftskirche aus dem 13. Jahrhundert, die im 17. und 18. Jahrhundert barockisiert wurde, wird heute nicht nur von der katholischen Kirchengemeinde Neuzelle, sondern auch als Wallfahrtskirche des Bistums Görlitz und seit 2018 von den neu angesiedelten Zisterziensern für das Stundengebet genutzt. Gleichzeitig ist das Ensemble durch seine Museen, seine Architektur und den Klostergarten samt Orangerie ein attraktives Ausflugsziel, das durch seine touristische Bedeutung auch einen Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region darstellt.


