Unfall in Eisenhüttenstadt: Arme Katze Lilli angefahren und verletzt – zwei Aktionen gestartet

Da war die Welt noch in Ordnung: Die kleine Lilli schmust daheim in der Kirschplantage in Eisenhüttenstadt. Dort kam es jüngst zu einem schrecklichen Unfall, unter dem die Katze bis heute leidet.
Theo NoackLilli ist ein aufgewecktes Kätzchen gewesen. Neugierig stromerte das junge, fidele Tier durch die Nachbarschaft, war kaum zu bremsen, spielte mal hier, mal dort – meist mit Brüderchen Jack. Zu Hause gab es für die Schmusekatze dann extra viele Streicheleinheiten. Nun ist alles anders. Die junge Lilli traut sich kaum noch aus dem Haus, wenn dann nur noch mit dem Brudertier. Was ist passiert?
Lilli wurde im Februar 2024 in der Kirschplantage in Eisenhüttenstadt, wo auch die Besitzerin wohnt, von einem Auto angefahren. Der Fahrer hielt nicht etwa an, sondern fuhr einfach weiter. Und Lilli? Die hatte nicht nur eine Platzwunde am Kopf, sondern nach Angaben der Familie auch einen mehrfach gebrochenen Schädelknochen. Blut hatte ein Auge rot gefärbt. Die Schwellung des Kopfes entstellte das süße Kätzchen für etliche Tage.

Katze Lilli musste nach dem Unfall am Auge behandelt werden. Ob sie darauf überhaupt sehen kann, ist unklar.
Theo NoackSpenden und Unterschriften für mehr Sicherheit
Mittlerweile geht es der kleinen Kämpferin besser. Nur die Pupille im linken Auge, das verletzt worden war, bleibt erweitert. Ob Lilli, die ein Dreivierteljahr alt ist, damit sehen kann, ist unklar. Und die Angst scheint ihr noch immer in den Knochen zu sitzen. Die betroffene Familie will aber nicht einfach einen Strich unter diesen Unfall ziehen.
Theo Noack, Schwiegertochter der Katzenbesitzerin in der Kirschplantage, hat gleich zwei Aktionen ins Leben gerufen. Zum einen gibt es eine Spendensammlung für Lilli. Denn die notwendigen Besuche beim Tierarzt kosten nun mal Geld. Zum Zweiten wurde parallel eine Unterschriftenaktion gestartet, bei der Straßenschwellen für die Kirschplantage gefordert werden – „für Lilli, die Kinder der Nachbarschaft und alle Haus- und Waldtiere“ heißt es darauf.
Die Listen sind nach Angaben von Theo Noack unter anderem im Marktkauf, im Club Marchwitza, im QCW, im Fressnapf, in Viviens Blumenstübchen und in der Apotheke im City Center zu finden. Auch Hinweise zur Spendensammlung und ein Paypal-Link liegen dort aus.
Nicht nur Tiere, sondern auch Kinder in Gefahr
Und Theo Noack erklärt auch gleich, warum die Straßenschwellen ihrer Meinung sein sollten: „Die Kirschplantage ist mit 20 km/h beschildert und hat zwei große Kurven, ohne jede Einsicht. Dennoch fahren die Autos, wie sie wollen. Besonders im Dunkeln sieht man nichts. Viele Haustiere und Kinder wohnen in dieser Straße. Laufen von Garten zu Garten, spielen direkt auf der Straße.“ Diesmal habe es Katze Lilli erwischt, es hätte aber auch ein Kind sein können.
Dass in Eisenhüttenstadt 20 Kilometer pro Stunde gelten, kommt nur sehr selten vor. Neben der Kirschplantage ist das nach Angaben der Stadtverwaltung nur noch bei zwei weitere Straßen der Fall, und zwar aufgrund des baulichen Zustandes. 20 km/h-Schilder gibt es auf der Kleinen Müllroser Straße sowie für einen Abschnitt des Kieskuppenwegs. Für die Kirschplantage, die eine reine Anliegerstraße ist, ist die 20-Stunden-Kilometer-Zone bereits zur Verkehrsberuhigung gedacht, teilt die Stadt mit.

Die Kirschplantage in Eisenhüttenstadt ist eine 20-km/h-Zone.
Janet NeiserWas sagt das Rathaus zur Kirschplantage?
Die Kirschplantage hat dem Rathaus zufolge eine Länge von 344 Metern, ist eine öffentlich gewidmete Straße und gilt als Mischverkehrsfläche, das heißt, alle Verkehrsteilnehmer – auch Fußgänger – teilen sich den Verkehrsraum.
Weiß die Stadtverwaltung bereits von der Unterschriftenaktion für Bremsschwellen in der Kirschplantage? Aus dem Rathaus heißt es dazu: „Eine Unterschriftenliste liegt dem Straßenbaulastträger sowie dem Bereich Sicherheit und Ordnung noch nicht vor.“ Aber: „Der Sachverhalt ist bekannt und wird in der kommenden AG Verkehr im April 2024 besprochen.“
Auf die Frage, ob es Möglichkeit oder gar das Bestreben der Stadt gibt, in der Kirschplantage Bremsschwellen zu errichten, antwortet die Verwaltung: „Derzeit ist der Einbau von Temposchwellen nicht geplant. Inwieweit zusätzlich bauliche Maßnahmen zur Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit notwendig sind, um die Sicherheit zu erhöhen, ist gemeinsam mit der zuständigen Polizeibehörde, dem Straßenbaulastträger und dem Bereich Sicherheit und Ordnung zu prüfen.“ Einen Schwerpunkt stelle die Straße für die Verkehrsüberwachung allerdings nicht dar. Auch zu den Kosten gibt es Auskunft: Eine Temposchwelle koste mit Lieferung und Einbau etwa 3000 Euro.



